Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 87 (2.11.1899)
- Date
- 1899-11-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XI^ Jahrgang. Erste Beilage ju M 87 -es „Israelit". Leitender Artikel. Z>ie Versorgung unserer Kinder. ii. Mainz, den 1. Nov. Daß nicht die Leidenschaft und Untcnntniß unserer Kinder, daß die Besonnenheit und Erfahrung der beiderseitigen Eltern die Wahl trifft, ist gewiß nicht der letzte Grund für das Eheglück und das reine Familienleben der so Versorgten. Die ganze Erziehung und Ausbildung unserer Jugend wird von ihren ersten Anfängen an wesentlich davon beeinflußt, ob die jugendliche Unerfahrenhcit der Kinder oder die gereifte Erwägung der Eltern bestimmend für die Schließung unserer Ehen ist. Wenn äußerliche Reize, wenn vorüberflatternde Aufwallung die Brautwerber sind, wenn diese Theater- und Paradetugenden wirklich maßgebend für die Versorgung unserer Jugend sein sollen, dann muß sie eben dafür erzogen werden. Dann werden die Ehen nicht mehr im Himmel, sondern im Ballsaal geschloffen und es ist dann begreiflich, daß man die Jugend mehr für diesen dressirt, als sie für jenen zu erziehen suchte. Nicht für das Haus, für die Gesellschaft werden dann unsere Kinder herangebildet, bis man cs glücklich soweit gebracht hat, diese äußere Dressur als Erziehung, den übcrschäumenden Leichtsinn als wahre Liebe auszugeben und sich zu bereden, die so Verbundenen seien nun wirklich für ihr Leben versorgt. Daß dann hinterher die Ernüchterung und Enttäuschung nicht ausbleibt ist ebenso selbstverständlich. Die jungen Leute brauchen sich nur erst ohne Flitter und Schminke, so wie sie in Wirklichkeit sind gegenüber zu stehen, um ihres verhängnißvollen Jrrthums sich bewußt zu werden. Die heiße Liebe, die in Wahrheit nichts als aufschäumender Leichtsinn war, verraucht noch rascher als sie gekommen war. Die „Hochzeit" ist die Zeit, in welcher diese sogenannte Liebe ihren höchsten Punkt erreicht hat und von da ab wird sie weniger und kälter, bis sie unter den Gefrierpunkt sinkt. Bei der jüdischen Ehe geht die Liebe nicht voran, sondern sie folgt erst und die ernsten Tage und Jahre gemeinsamen Lebens und Ringens thun ihr nicht nur keinen Eintrag, sondern sind das bewährteste Mittel für ihre Entfaltung und Erweckung. < Was..von 7der Ehe Jizchaks und Mfkas-, in diesem Sinne gesägt ist, gilt Gott sei Dank noch heute von allen nach diesem Muster geschloffenen Ehen. Wohl hatte Abraham durch seinen bewährten Diener die Wahl für Jizchak getroffen. Aber Jijchak führte die von dem Vater für ihn gewählte Lebensgefährtin in das Zelt der Mutter. Rebecka war ein Juwel, dem nichts als die Fassung fehlte; diese bildete das Sarazelt. Diese Umgebung und ihr sittigender Einfluß genügte, um alle die herrlichen Tugenden auch bei ihr zu derselben Entfaltung zu bringen, die er bei der Mutter in so hoher Vollendung gewohnt war. nr-x nirr» nai» mny pjpn xrr «Tm. „Er sah", wie der Targum anmerkt, „in dem Thun Rebcckas dieselbe Wirksamkeit in derselben Vollkommenheit wie bei seiner Mutter Sara." „Dann erst heirathete er sie, und dann erst wird sie seine Frau llnd erst dann liebte er sie und findet in ihrem Besitz Trost für seine Mutter." ■nrr — npzi nx npi — :cx rrm nbrntn pnx> nx'21 .prap anji — narwj — npxb ib Wir können dieses Bedürfniß dem ersten jüdischen Sohne nachempsinden, wenn wir uns die Eigenart der Verhältnisse vergegenwärtigen, unter welchen Sara starb und Jizchak freite. So gewiß Jizchak die Bestimmung seiner Lebensgefährtin dem Vater überließ, so gewiß war Jizchak von der Bedeutsamkeit dieser Wahl durchdrungen, um diese Passivität nicht als Mangel an Interesse, als Theilnahmslosigkeit erscheinen zu lassen. Er verkannte gewiß nicht die Schwierigkeit der Lage und mochte an der Möglichkeit, eine seiner Mutter ebenbürdige Gattin zu finden, mit Recht gezweifelt haben. Aber er mußte sich sagen, daß der erziehliche Einfluß einer Mutter, wie es Sara war, nicht verfehlen könnte, leicht und sicher alle etwaigen Mängel und Fehler im Laufe der Zeit in Vorzüge und Tugenden bei ihrer Schwiegertochter umzuwandeln. Wußte er doch, wie der Vater die Männer, so die Mutter die Frauen für Gottes heilige Sache gewonnen hatte. Er durfte daher ruhig dem mütterlichen Beispiel und dem fortwährenden häuslichen Verkehr die volle Gewinnung seines Weibes für die Ideale des Sarazeltes anvertrauen. Und jetzt war ihm diese Mutter hinweggestorben, in einem Augenblick, wo er mehr als je auf sie angewiesen war! Verzagt und bange mußte er an seine eheliche Verbindung denken, ohne diesen bewährten fittigenden Einfluß der Mutter! Aber die herrlichen Tugenden, die er nun in der Jungfrau vereinigt fand, welche. ihm Gottes sichtbare Fügung durchs dk^. tr«Mst Diener des Hauses zusührte, benahmen Mm nicht 9 nur diese Sorge, sondern gewährten ihm den Trost,