Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 87 (2.11.1899)
- Date
- 1899-11-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1812 drei fette Kälber hatte, auf dem Schweinemarkt angekommen. Er wurde auch sogleich von mehreren Schlachtern umringt, weil eben ein jeder von ihnen zum Sonntag große Kalbsbraten für die feinere Kundschaft zu liefern hatte- In Folge dieser starken Nachfrage erzielte unser Bäuerlein viel höhere Preise, als er selber erwartet hatte. Damit war er natürlich sehr zufrieden. Gemächlich fütterte er seine Pferde ab und wollte sich dann zur Abfahrt ein Pfeifchen stopfen. Doch mußte er zu seinem Verdruß bemerken, daß er den Tabak zu Hause vergessen hatte. Dadurch sah er sich genöthigt, wieder von seinem Wagen zu steigen, um in dem kleinen Tabakladen an der Ecke der Schützenpforte etwas Tabak zu kaufen. Beim Eintritt in den Laden fand er einen armen Lotteriekollekteur vor, der den Inhaber des Ladens flehentlich bat, ihm doch ein viertel Loos zur letzten Ziehung der Hamburger Stadtlotterie abzukaufen, denn obgleich er den ganzen Tag herumgelaufen und sich die erdenklichste Mühe gegeben, hätte er keinen Käufer dafür finden können. Er wolle es auch etwas billiger lassen, da heute gerade beim Dunkelwerden der Schabbes anfinge. Er müßte doch etwas Geld nach Hause bringen, sonst hätte er und seine Familie Nichts zu essen. Da er selbst durch dieses traurige Geständniß, den Tabakshändler zum Ankauf des Looses nicht bewegen konnte, wandte er sich an den Bauern. Doch auch dieser zeigte anfänglich keine Lust, ihm das Loos abzukaufen. Aber der arme Kollekteur ging ihm bis zu seinem Wagen nach und ließ nicht ab mit Bitten. Und dann betonte er eindringlich die Möglichkeit, daß ja doch ein großer Gewinn auf das Loos fallen könne. Unser Bauer hatte ein gutes Geschäft gemacht und ließ sich schließlich bewegen, dem Manne das Loos abzukaufen. Nachdem der Verkäufer genau die Adresse des Bauern notirt, versprach er, sobald ein Gewinn darauf gefallen, ihn sofort persönlich davon zu benachrichtigen. Als der arme Collecteur nun vergnügt zu Hause angelangt, erzählt er seiner Familie von dem guten Bauern, der es ihm noch ermöglicht, etwas Geld nach Hause zu bringen, und die ganze Familie wünschte nun, daß ein großer Gewinn auf das Loos fallen möchte. Dieser herzliche Wunsch einer armen Familie ging großartig in Erfüllung. Denn, nach Beendigung der Ziehung stellte sich heraus, daß nicht allein der größte Gewinn, sondern auch die Prämie gerade auf dieses Loos gefallen waren. Man kann sich denken, mit welcher Freude der Collecteur dem Bauern diese glückliche Botschaft überbrachte. Dieser schenkte ihm dafür vorläufig 100 Thlr. mit der Bitte, wenn das Geld ausbezahlt würde, ihm zur sicheren Ueberbringung desselben beizustehen, wofür er ihn auch gut belohnen wolle.Nachdem nun das sicher untergebracht war, beredete der Bauer den Collecteur, doch ein eigenes Lotteriegeschäft zu gründen und schenkte ihm in großmüthiger Weise die nicht unbedeutenden Mittel hierfür. Der Bauer aber war klug. Um nicht den Neid und die Mißgunst seiner Nachbarn heroorzurufen, lebte er nach wie vor mit seiner Familie so fort wie bisher und ließ auch Niemand in Billwärder von feinem Gewinn Etwas wissen. Wenn aber der Sonntag herankam, ließ er seinen Stuhlwagen anspannen und holte seinen Freund, den Collecteur mit seiner Familie ab. Es entwickelte sich eine so innige Freundschaft zwischen ihnen, wie sie wohl kaum unter nächsten Verwandten zu finden ist. Beide sind längst gestorben. Aber die Lotterie- Firma lebt noch und besteht in Hamburg. D« erscheint wSrhoBtlieli zweimal, Bffaataga u4 Daaa«>rat*g«, jede-mal iw «iudefieaß zwei B-gerr. Preis pr» Vierteljahr bei her Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Rußland entsprechend höher. Mam «hounirt genzjä-rlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehme» Bestellungen an. — 9t»Vuchhandrl verkehrt durch R. jss. Strinachrr, Leipzig, Rotzplatz )L. — Inserate 25 Pfennig dievtergespalten« Petit-e'le »der deren Raum. Preis ver Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahr-ang für Deutschland und Oesterreich 14 Reich--Mark oder 16 Kronen österr., sür'ß Ausland 16 Roichß-Mark, an bi« Expedition franco einsenden. Postzeitun-ßliste 3784. Telephon 315. •in« VNUPftKfcttw# der a* die «edaetion eirr«esa*dLeu «anuseriptew findet nicht statt, «am hittes destzalh, fich d«« «Le« «tnsendungen eine Topie zurückzudehalte«. Gßelensnchende erhalten «ns »nnsch di« Inserate* »eila«e vier »«che« l«n« gratt» »nd francs znOefandi. Anhalt (charrptdiattl. Leitender Artikel: Rabbi Moses Lob Bamberger — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Heilbronn. Frankreich: Paris. Afrika: Iohannisburg. — Feuilleton: DerSchammer und der Schaute. — Jüd. Allerlei. Inhalt der erfie« Beilage: Leitender Artikel: Die Versorgung unserer Kinder. - Zeitungsnachrichten und Correspondenzen' Deutschland: Nürnberg. Oesterr.-Ung. Monarchie: Wien. Eperjes. Krakau. Frankrcich. Bar le Duc. England: London. Pädagogische Beilage: Verein der jüd. Lehrer in Rheinland und Westphalen. — Verein jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover. — Verein der israelit. Lehrer des ehemal. Herzogthums Nassau. Verantwortliche Rcdeckion: OSear Lehman» in Mainz. — Expedition des „JSraelU", Schsttstratze Nr, 2, Matrz. Druck und Verlag der Aoh. Wirth'fchen Hojduchdruckerei-NefieN-Gefellschast in Mainz. 4i*fW zwei VsttBOirr