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Der Israelit · 1899-11-02 · Heft 87 (2.11.1899) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 87 (2.11.1899)
Date
1899-11-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1811 pört fort. „Wenn man kein Geld hat, dann arbeitet man, um welches zu verdienen; wenn man aber spielen will, weil man kein Geld hat, so ist man für das Irrenhaus reif, und ich müßte Chofer deo fein, wenn ich Deiner Mefchugas57) Vorschub leisten möchte! Gott Gelegenheit willst Du geben, daß er Dich reich macht? Und zu diesem Zwecke willst Du spielen? Na weißt Du? Du bist noch mehr als Chamaur und Schaute, wenn Du solche Dummheiten mit diesem unschuldigen Ponim zu reden vermagst. Hat man schon so etwas gehört? Durch redliche Mühe und Arbeit gibt er Gott keine Gelegenheit, ihn mit Rcichthum zu segnen und durch das Spiel glaubt er, diese Gelegenheit geschaffen zu haben? Faißel! Faißel! faß Dich an den Kopf, und wenn Du Verstand genug hast, dann sage die al-chet^), denn Du hast mit Deiner Dummheit haschem jisborach gelästert! Nein! Von mir erhälst Du kein Loos und selbst, wenn Du Dich kaure umischtachwe60) bist!" „Aber Rebb Schimaunleben", flehte Faißel ganz bestürzt, „Ihr habt ja versprochen, meine Bakosche memale zu sein". „Ja, das habe ich allerdings, aber nur, wenn sie vernünftig ist, doch sie ist, wie ich Dir schon gesagt habe, die pure Meschugas." „Ich glaube aber, so ganz ohne ist sie dennoch nicht", versetzte Faißel etwas kleinlaut mit trüben Blicken und zuckenden Lippen. „Und ein AwereÄ2) scheint sie mir gerade auch nicht dawke63) zu sein. Saget Rebb Schimaunleben! Ich komme durch mein Handwerk gar nicht vorwärts und kann vor Dagaus 64) wie ich das Loos der Meinigen zu ändern vermöge, keine Nacht schlafen. Ephscher, dachte ich mir, will haschem jisborach meinenl Handwerk keinen Segen verleihen; ich will daher mein Masel in etwas anderem versuchen; denn meschane mokaum, meschane, masel 65) Ist es nicht Mekaur genug?" „Daß Du ein Chamaur und Schaute bist, Faißel, habe ich schon geschrieben, ich will nur noch auf die Tafel hinzufügen, daß Du es von Mekaur aus bist!" Und der aufs Höchste empörte Simon schrieb es thatsächlich darauf, so daß die ganze Aufschrift jetzt lautete: „Faißel, der Sandler, ist ein großerChamaur und noch größer er Schaute von Mekaur aus." 57) Wahnwitzigkeit. 58) Gesicht. 59) Sündenbekenntniß. 60) Niederknieen und sich bücken. 61) Verstand. 62) Sünde. 63) absolut. 64) Sorgen. 65) Wer seinen Platz verändert, verändert auch sein Glück. „So jetzt höre Schaute!" polterte Simon mit vor Zorn rothem Gesichte und mit den Händen und Füßen heftig gestikulirend, „Dein Handwerk bringt Dir keinen Segen — sagtest Du — aber wer daran schuld ist, das sagtest Du nicht. Nun ich will es Dir sagen: Kein anderer als Du selbst! Du bist nicht fleißig genug und bist mit Deinem Stande nicht zufrieden. Du schaust immer nach den Reicheren aus, dadurch übersiehst Du, daß noch viel ärmere als Du, ja viel unglücklichere als Du mit ihrem Loose zufrieden fein müffen. Würdest Du, statt nach oben, nach unten schauen, wirst Du Dich sicherlich glücklich fühlen, Deinem Handwerk Dein Brot, Deinem Schweiße die Befriedigung der Bedürfniffe Deiner Familie zu verdanken. Ja, aber dann wärest Du natürlich kein Schaute und auch der reichste Mann in der Kehille. Denn wer ist wahrhaft reich? Doch nur der, der mit seinem Loose zufrieden ist! Spielen willst Du, weil Du Sorgen hast? Hör' mal, Faißel, ich weiß thatsächlich nicht, ob man Deine Dummheit überhaupt beschreiben kann! Hat man schon so etwas gehört? Um Sorgen los zu werden, will er sich noch größere Sorgen durch Spielen aufladen? Bist Du denn Homeopath geworden, Chamaur, daß Du Dein Gift durch Gegengift verdrängen willst? Gehe nach Hause Faißel", fuhr er etwas milder fort, „arbeite fleißig und Du wirst schon die Sorgen los werden, auch der Segen Gottes wird nicht ausbleiben!" (Fortsetzung folgt.) FUd. Allerlei. Aus dem allen Hamburg. Ein glücklicher Zufall. Die kleine Geschichte, die ich nachstehend erzähle, ist wahr; aber es ist schon ein bischen lange her, daß sie passirt ist — es werden so an fünfzig Jahren sein. Oben in Billwärder wohnte ein Bauer, der sich mehr mit der Viehzucht beschäftigte, wozu ihm seine schönen Wiesen die beste Gelegenheit boten, als mit dem Gemüsebau, womit sich fast sämmtliche Nachbaren abgaben. Dieser Mann fand für seine fetten Kälber in Hamburg bei den Schlachtern sofort Abnehmer, die sich sogar sehr häufig in den Preisen überboten, denn unser Bauer mästete seine Kälber mit reiner Milch; dadurch erhält das Fleisch der jungen Thiere ein sehr zartes und weißes Aussehen, sowie auch den bekannten feinen Geschmack. Besagter Bauer war nun an einem Freitag- Nachmittag soeben mit seinem Wagen, in dem er

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