Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 87 (2.11.1899)
- Date
- 1899-11-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1816 fteullletou. Der Lhammer und der schaute. Eine Humoreske aus dem jüdischen Leben der guten, alten Zeit. Von Maurice Ma^orr. 3) (Alle Rechte Vorbehalten.) III. Damit war es abgethan. Dem gründlichen Faißel hatte sich nunmehr ein neuer Gesichtspunkt eröffnet, welchen er mit Feuereifer verfolgte. Vergeblich jammerte, drohte, beschwor seine unglückliche Sprinze, von diesem Wahnwitze abzulaffen, er blieb für die Thränen seiner lieben Sprinz ebenso unempfänglich, wie für die in seinem Hause herrschende Roth und verbrachte den Rest jenes denkwürdigen TageS in Nichtsthun. Hatte er es auch nöthig, den Hammer zu schwingen, mit der Pfrieme herumzuhantiren, wo ihm seine Phantasie große Schätze und ungeheuere Reichthümer zu Füßen legte? In ihrer Herzensangst und Beklommenheit wußte die arme Sprinze keinen befferen Rath, als Rebb Schimaun Rosenzweig, durch welchen ihr Mann die Reichthümer und Schätze seiner Phantasie realisirt zu sehen hoffte, und welcher ja auch verwandt mit Faißel war, ihr sie auf's höchste betrübende Leid zu klagen. Mit Erstaunen und Kopsschütteln lauschte Schimaun auf die Erzählung der schluchzenden Sprinze. „Gehe nur ruhig nach Hause zu Deiner Sara, Sprinze," tröstete sie Schimaun, während es zornig in seinen Augen aufblitzte. „Den Kopf will ich dem Schaute 10) waschen, daß er kol jomow41) daran denkt, wenn er von seinen Stus4*) nicht läßt. Von mir bekommt er kein Loos, das bin ich Dir mawtiach4^), selbst wenn er sich auf den Kopf stellt." Nach Beendigung des Abendgottesdienstes blieb Faißel im Polusch44) zurück und wartete auf Schimaun, der in seiner Eigenschaft als Schulgabai") noch einige Anordnungen zu treffen hatte. „Rebb Schimaunleben," Hub Faißel an, als der Erwartete aus der Synagoge trat. Seitdem Schimaun zum Synagogenvorstand gewählt worden war, ließ Faißel auS Respekt vor seiner Würde da» vertrauliche „Du", welches bei ihnen als 40) Narr. 41) All« feine Tage. 42) Narrheit. 43) Zuftchern. 44) Vorhalle der Synagoge. 45) Synagogenvorsteher. Jugendfreunde und Verwandte im Gebrauch war, fallen, während. Schimaun da» Du nach wie vor beibehielt, „Rebb Schimaunleben, ich habe mit Euch zu sprechen, wenn es erlaubt ist." „So? Und was wünschst Du von mir, Faißel?" frug Simon mit verbissenem Lachen. „Ich hätte eine Bakoschoh4«) an Euch, von deren Gewährung das ganze Masel4?) ^meiner Mifchpocho 4*0 abhängt!" „Wenn sie vernünftig ist und ich in der Lage bin, sie Dir zu erfüllen, sei Dir diese schon im Voraus gewährt; denn wir sind ja Krauwim")." „Ob Ihr sie tnetturfe50) sein könnt? Ewade könnt Ihr es!" „Also heraus damit, Faißel! Was soll es denn sein?" „Ich möchte Euch bitten, mir ein Loos von der Lotterie zu geben, damit,.das will ich Euch schon ein anderes Mal sagen, Reb Schimaunleben." Faißel brach mitten im Satze ab, weil es ihm plötzlich einfiel, Simon könnte das Loos für sich behalten, wenn er ihm die Wahrheit eingestehen würde. „Warum bist Du nicht gaumer^), womit Du maschil"-) warst? Doch wozu willst Du ein Loos? Haft Du soviel Ueberfluß an Geld?" „Rein", ewade nicht! Ich habe gar kein Geld, aber viel ChauweS^). Aber eben deßhalb will ich spielen, um haschem jisborach Gelegenheit zu geben, mich reich zu machen." „Weißt Du, was Du bist, Faißel? — Ein Chamaur54) und ein Schaute bist Du und wenn Du es nicht glaubst! — Sieh' her, ich gebe Dir es schriftlich für Daur banraus^)." Simon befand sich gerade bei der schwarzen Tafel, welche in der Vorhalle der Synagoge angebracht war, um Bekanntmachungen und Kundgebungen des Gcmeindevorstandes und des Rabbinats daran zu befestigen. Auf diese Tafel schrieb nun der erzürnte Simon mit Kreide in großen Buchstaben, die von der Ferne lesbare Aufschrift: „Faißel, der Sandler, ist ein großer Chamaur und ein noch größerer Schaute." „Bist Du ein Bar daas^)?" fuhr Simon em- 40) Bitte. 47) Glück. 48) Familie. 49) Verwandte. 50) Erfüllen. 51) Vollenden. 52) Anfängen. 53) Schulden. 54) Esel. 55) Für Ewigkeit. 56) Ein vernünftiges Wesen.