Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 87 (2.11.1899)
- Date
- 1899-11-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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WM W 1809 Hirsch'sche Stiftung) dem Gesuche der vorerwähnten Commission entsprochen und dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde 150(.00 Mk. zum Bau und zur Einrichtung zur Verfügung gestellt. In seiner Sitzung vom 24. d. Mts. hat der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes beschlossen : „Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund erklärt sich im Prinzip bereit, mitzuwirken zu Errichtung der Arbeiterkolonie für jüdische Vaganten, indem er als Erwerber des Ludwig I. Meyer'schen Grundstücks in Weißensee bei Berlin und als Empfänger des von der I. C. A. zugesagtcn Darlehens auftritt." Zur schnellen Erledigung der an den Meyer'schen Schenkungsakt sich anknüpfenden Rechtshandlungen wurden die Herren: Assessor Dr. Apt, Justizrath Dr. Apolant, Justizrath Hermann Stern I. und Rechtsanwalt und Notar Timenvorfer der Commission zur Bekämpfung der Wanderbettelei zugewählt und es steht zu hoffen, daß die rechtlichen Formalitäten ohne allzugroße Schwierigkeiten und in kurzer Zeit erledigt sein werden. Inzwischen nehmen die auf Verbesserung der Organisation in der Armenpflege gerichteten Bestrebungen ihren Fortgang und es ist mit großer Freude zu begrüßen, daß am 22. October d. Js. in Frankfurt a. M., unter großer Betheiligung wichtiger Gemeinden ein „Südwestdeutscher Verband israelitischer Hilfsvereine begründet wurde, in dessen Statuten die Beschlüsse der „Commission zur Bekämpfung der Wanderbettelei" wie sie in den „Mittheilungen Nr. bl" vom „Deutsch-Israelitischen Gemeindebund veröffentlicht sind, als Richtung gebend, zum Ausdruck kommen. Diese Statuten sind geeignet bei den für die Provinzial- und Bezirksverbände geplanten ähnlichen Organisationen zum Muster zu dienen und es ist nicht zu viel gesagt, wenn der verdienstvolle Vorsitzende des „Israelitischen Hilfsvereins in Frankfurt a. M. und Einberufer der konstituirenden Versammlung Herr Charles Hallgarten betonte, daß der neue Verband das Fundament bilden werde, für welches die in Berlin geplante und zum Theil schon durchgeführte Centralisirung der Oberbau sein wird. Zum Schluß sei noch hervorgehoben, daß die von der „Commission zur Bekämpfung der Wanderbettelei" als nothwendig erachtete Emrichtung fernerer Bureaus für Arbeitsnachweis gleichfalls fortschreitet und daß in nächster Zeit solche Bureaus in Hamburg und Posen eröffnet werden sollen. Heilbrorru a N. Es wurde schon in verschiedenen israelitischen Kreisen speziell von jüngeren Herren der Gedanke angeregt, hier einen Verein für jüdische Geschichte und Literatur zu gründen. Nachdem einige einleitende Versammlungen stattgefunden haben, wurde am Sonntag den 29. Oct. von ca. 35 Herren ein „Verein für jüdische Geschichte" gegründet. zugleich die von dem prov. Komitee ausgearbeiteten Statuten nach kurzer Berathung angenommen und der Vorstand gewählt. Derselbe besteht aus den Herren Hermann Wollenberger I. Vorsitzender, Albert Amberg Schriftführer, Gottfried Gumbel Rechner, Gustav Strauß, Albert Scheuer Beisitzer. Der Vorstand wird für alsbaldige Anschaffung von Büchern und Zeitschriften besorgt sein, ebenso für einen in nächster Zeit statt findenden Vortrag. Herr Rabbiner Kahn hat sich um das Zustandekommen dieses Vereins sehr verdient gemacht und gebührt ihm hierfür volle Anerkennung. Der Verein möge blühen und gedeihen. Frankreich. Paris. (Die DreyfuSaffaire.) Dem R. W. T. wird aus einer Quelle, die als „zweifellos unterrichtet" gellen darf, mitgetheilt: Königin Viktoria von England richtete unmittelbar nachdem ihr die Verurtheilung des Kapitäns Dreyfus bekannt geworden war, ein Telegramm an den englischen Botschafter in der französischen Hauptstadt, welches entgegen der sonstigen Gepflogenheit, nicht in Eh.ffernschrist abgefaßt war, als gewöhnliche Depesche den Expeditionßweg nahm und daher zweifellos auch der französischen Regierung bekannt wurde. Der Inhalt dieser Depesche der Königin Vikloria war ein geradezu vernichtendes Urtheil über die französischen Zustände; die Königin äußerte sich in Worten der Empörung über das Urtheil des Kriegsgerichtes in Rennes. Es ist vielleicht nicht uninteressant, zu bemerken, daß diese Depesche bisher nicht veröffentlicht wurde. Afrika.? Johanrresbttkg. In der hiesigen jüdischen Gemeinde ist die Noth seit den durch die jetzige Kriegsgefahr hervorgerufenen schlechten Zeiten ständig gewachsen. Von den J 2 000 hiesigen Juden ist wohl kaum einer, der in seinem Erwerbe nicht empfindlich geschädigt worden; ist trotzdem haben die hiesigen jüdischen Wohlthätigkeitsvereine mit anerkennenswerthem Eifer namhafte Summen für die Auswanderer rc. bereitgestellt. Auch für die zu erwartende Theuerung in der Stadt sind Vorkehrungen durch Ankäufe von Mehl 2c. getroffen worden. Die Helping Hand Societ« hat 10 000 Mark zu derartigen Unterstützungen bereitgestellt, die Benevolant Society schon 500 bays Mehl im Werthe von ca. 10 000 Mark angeschafft und der Frauenverein hat zu dem gleichen Zwecke 1000 Mark bewilligt. Auch die Gemeinden haben für diese Wohlthätigkeitsaktien Geldhilfe in Aussicht gestellt. An den hohen Feiertagen haben die Gottesdienste jedoch nicht weniger Beter gesehen, als in früheren Jahren, sogar ein sephartischer Gottesdienst fand diesmal statt, wohl zum ersten Mal in Südafrika, freilich waren nicht mehr als ein Minjan anwesend dabei.