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Der Israelit · 1899-11-02 · Heft 87 (2.11.1899) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 87 (2.11.1899)
Date
1899-11-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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806 und wie sie nicht besser zur Nachahmung auf das kindliche Gemüth hätte wirken können. So wuchs der'"Knabe min bv w: bv zum Jüngling heran und war der Stolz und die Freude der Eltern, der Liebling der Umgebung. Sein scharfer Geist hatte sich rasch entwickelt und die trefflichsten Antworten auf die schwierigsten Fragen im Talmud und Commentaren überraschten oft den Vater, seine richtige Auffassung schwieriger Themen verliehen seinem Urtheil Werth, wovon so manches in den W.rken des großen Vaters Aufnahme und Berückstchtigung fand- Unter den zu seiner Zeit zahlreichen D'iiro der Würzburger raw, bildete er den Mittelpunkt freundschaftlicher Zuneigung und er war es, an den sich jeder Einzelne in seiner Angelegenheit vertrauensvoll wandte. So war er auch der Mitbegründer der 7>i2n-v"n yy, eines Hilfsvereins für die omra. Wie im „Lernen", fand auch in weltlichen Dingen sein praktischer Verstand stets das Richtige, und sein Rath war sowohl in der Familie wie im Freundeskreise begehrt und geschätzt. So vereinigte der Verblichene schon als junger Mann und noch im Elternhause reiches Wissen mit einer segensreichen Thätigkeit, die Vorstufe zu seiner Berufsthätigkeit als Rabbiner in Bad-Kissingen. Was diese in dem langen Zeitraum von 33 Jahren für die Gemeinde Kissingen und den Rabbinatsdistrikt bedeutete, zeigte sich so recht bei seinem Leichenbegängnisse in der großen Beiheiligung und gelangte in den zehn am Grabe zum beredten, lauten Ausdruck. Schon am Sonntag den 1. Oct., als die Leiche nach ortspolizeilicher Bestimmung in die Leichenhalle auf dem Friedhofe verbracht wurde, war die Beiheiligung aus Kissingen eine außerordentliche. Der Schwager, Herr Grünbaum—Nürnberg, gab an der Stätte, die der Fromme durch seine Beschäftigung mit rratw ni'n zu einer geweihten gemacht, bevor er sie für immer verlassen sollte, dem Schmerze der Familie Ausdruck und rief dem Theuren Worte des Dankes und der Liebe nach. Mit d.n Morgen des 2. Oet. brachten die Züge Schaaren von Freunden und Verehrern des großen Mannes und Lehrers aus allen Gegenden herbei und wem es unter denselben möglich, der fand sich ein, um an dem bv nen na« theilzunehmen, dem Verdienstvollen noch die letzte Ehre, den letzten Liebesdienst zu erweisen. Zur festgesetzten Zeit um i/o 10 Uhr, fand die Trauerfeier auf dem Friedhofe statt; eine zahlreiche Versammlung umstand die theure Bahre, darunter eine große Zahl von Rabbinern: Herr Rabb. Dr. N. Bamberger— Würzburg, Dr. S. Bamberg er—Burgpreppach, Dr. Breuer— Frankfurt a. M., Dr. Goitein— BurÄuüdstadt) Dr. A. Kohn—Jchenhausen, Dr. P. K 0 * Dr. Marx—Darmstadt, Dr. Stein—Schweinfurt, Dr. Wachenheim er— Afchaffenburg, Dr. We inberg— Sulzbürg, Wißm a n n—Schwabach, Dr. Z i e m l i ch—Nürnberg, Director Dr. Deuts ch—Fürth, Ansb ache r— Nürnberg u. a. m. Aus allen Gemeinden des Rabbinats waren die Lehrer und Vorstände erschienen und aus Kissingen selbst dü'ften nur wenige gefehlt haben; auch die Stadtgemeinde, die Geistlichkeit und die Kgl. Behörden haben ihre Vertreter gesandt. Die Vorstände der Cultus - Gemeinde übernahmen die Leitung der Trauerfeier und bewährten hierbei vielen Takt und Ordnungssinn, so daß dieselbe in ihrer dreistündigen Dauer den würdigsten Verlauf nahm. Als Berufener der Cultus-Gemeinde und des Districts eröffnete Herr Districts-Rabbiner Dr. S t e i n— Schweinfurt die Reihen der Grabreden. In ergreifenden Worten, in wohldurchdachter, längerer Rede gab er der allgemeinen Trauer, ganz besonders aber dem Schmerze der Gemeinde und des Districts über den schweren Verlust des treuen Hirten, des trefflichen Leiters ihrer religiösen Angelegenheiten, des großen Lehrers und Führers lebhaften Ausdruck und dankte in deren Namen für die treue Hingebung in der langen Amtsführung, für alle auf das Gemeindewohl abzielende Schöpfungen und Institutionen, die sein rastloses Streben, Sinnen und Abmühen theils ins Leben rief, theils förderte und entfaltete. An die Worte "1 127 wo cjp «w, „es starb dort Moses der Knecht Gottes", anknüpfend, kennzeichnete der Redner das Leben und Wirken des Mannes nach allen Richtungen hin, wie dieses wahrhaft im Dienste Gottes aufging, wie er ein wahrhafter 127 n, ein sau: -127 war, und wie er auch ein U7, ein leuchtendes Beispiel der Bescheidenheit gewesen. Die Folgen eines solchen Lebens und dessen Eigenthümlichkeit suchte der Redner sehr sinnreich in den verschiedenen Erklärungen des tmj auf die Worte 22^2 ,‘n: r&wn n» 0: klar zu machen und so ein herrliches, getreues und lebensfri^ches Bilv von dem Entschlafenen zu entwerfen. Es waren von Herzen dringende Worte, die Herr Dr. Stein dem geliebten Freunde und College» nachrief und die von mächtigem Eindruck auf die mitfühlende Versammlung waren. Hierauf trat der älteste Sohn Herr Benzion Bamberger—Frankfurt a.M. an die Bahre und brach mit thränenerstickter Stimme in den Wehruf aus: i'Niei 221 , '2u , '2X 0 Vater, 0 Vater, Führer Israels und fein Kämpfer nvb i5n2w Warum hast du uns so frühzeitig verlassen? O, was haben wir verloren! uiwo mc* nbt: Gefallen ist die Krone von unserem Haupte! In Thränen zerflossen, ries er dem theuren Vater den kindlichen Dank für sich und seine Geschwister nach für die unvergleichliche Güte und Fürsorge, für die reiche und mühevolle Saat, die er in ihr Herz gestreut, für die Aufopferung in ihrer Erziehung und Ausbildung. Nun ergriff der Bruder, Herr Distrikts-Rabbiner

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