Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 86 (30.10.1899)
- Date
- 1899-10-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449032--49363-2499889- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
lang« Jahre mit falschen Papieren sich Geld ergaunert, das er in der Höhe von zweitausend Mark seinen Verwandten in Verwahrung gab." Dazu gibt man aus Augsburg folgende authentische Auskunft: „Ein angebl. Handelsmann NamenS Sam. David wurde im Monat Mai cr. dahier verhaftet. Dieser angebliche David, dessen Haupterwerb das Abstappeln der jüdischen Kassen und die Anfertigung falscher Papiere bildete, entpuppte sich in der Folge als der Kunstmaler Henry Mallhau aus Riberac in Frankreich, der schon im 13. Jahre von dort durchgebrannt ist und seit dieser Zeit der Mililärpsttcht sich entzogen hat. Malthau ist Katholik." Wersonaklen. Scharmveck, 23. Oct. Samstag, den 21. Oct, vollendete der Lohgerber, Herr A. G old schm tdt, fein achtzigstes Lebensjahr. Das von ihm zur Erinnerung an diesen Tag der Synagoge gewidmete Thoragehänge wurde beim Gottesdienst unter einer Ansprache geweiht. Der Achtzigjährige, der in körperlicher und geistiger Frische und Rüstigkeit in seinem Berufe noch eifrig thätig ist» erfreute sich bei diesem seinem Geburtsjubiläum der allgemeinen Theilnahme. Möchte es ihm noch lange beschieden sein, das bisher bewiesene Interesse für die Gemeindeeinrichtungen weiter zu bekhätigen. bl. Artedverg (Hessen). Moses Simburger und feine Gemahlin Betichen, geb. Goldberg, zu Friedberg, begehen am 5. Nov. d. I. das Fest der goldenen Hochzeit. Möge es denselben vergönnt sein, noch lange Jahre in Rüstigkeit und familiären Freuden au leben. Sagen wir anläßlich dieses Festes unsere herzliche Gratulation. Keuilleton. Der «Lhammer und der schaute. Ei«« Humoreske aus dem jüdischen Leben der guten, alten Zeit. Bon Maurice Ma?on. 2) (Alle Rechte Vorbehalten.) II. Nicht immer war Faißel Fabrikant und wurde „Rebb" titulirt. In früheren Zeiten — vor etwa zwanzig Jahren — als er noch in der kleinen Gemeinde G.wohnte, hieß man ihn allgemein „Faißel der Sandler", denn er war ein einfacher, ehrbarer Schuster und wußte damals ganz genau, daß er nicht ohne Grund Pech hatte, denn es ging ihm nicht besonders gut. Die fünfzig Reichsthaler, die ihm seine Sprinze mit ins Haus brachte, mußte er für nothwendige Haushaltungsgegenstände und den Ankauf von Leder verwenden. Ehe er sich umsah, blieb von den fünfzig blanken Thalern, die ihm zu jener Zeit als ungeheuer großer Retchthum vorkamen, nichts in seinem Hause. Es blieb ihm nur noch sein Arm und seine Arbeit. Doch vergeblich hantierte Faißel vom frühen Morgen bis spät in die Nacht hinein mit Hammer und Pfriem, vergeblich rechnete und sparte Sprinze, der Ertrag seiner Arbeit reichte blos aus, sie spärlich zu ernähren, aber die verausgabten blanken Thälerchen, die sie so gerne als Nothpfennig zurückervbern mochten, wollten nicht wieder in ihr Haus zurück. „Nicht einmal Get") kann ich dir geben", äußerte sich Faißel mit komischer Verzweiflung, als ihm Sprinze seufzend erklärte, daß sie trotz der großen Sparsamkeit, deren sie sich befleißigt, nicht im Stande sei, etwas zurückzulegen, „denn woher soll ich das viele Geld hernehmen. Dir Deine Nedunje15) und die Kesuboh16) auszahlen zu können?" „Also bleiben wir beieinander, Sprinzeleben. Ist ewade^) so auch nichts kosche^)" Doch beeinträchtigte der schwere Kampf, den Faißel um sein Leben zu führen hatte, keineswegs seinen heiteren Sinn. Unverdrossen arbeitete er fort und war weit entfernt, den Kopf hängen zu lassen, weil er trotz seiner Mühe und seines Fleißes keine Ersparnisse machte. ,/Jst so auch nichts fof$e19), wenn man nur gesund ist. Mit dem Kopf hängen lassen ist man auch nicht viel pauel^o)!" munterte sich Faißel auf und während wuchtige Hammerschläge auf die Sohle erdröhnten, sang er in den höchsten Tönen, die Melodien, die er vom Vorbeter in der Synagoge vernommen und seinen Beifall erregt haben. Als ihn jedoch feine Sprinze mit Sara beschenkt halte, und er das kleine, zapplige und rosige Ding an sein hochklopfendes Herz preßte, da wurde es ihm plötzlich ganz beklommen zu Muth und eine wogende Fluth von verschiedenartigen Gefühlen durchraste zerwühlend die Harmonie seines Innern. Für sich war er bisher sehr anspruchslos, war mit allem zufrieden und ertrug die drückendste Roth ohne Murren. Aber seine Sara, dieses kleine, liebe Ding, dem jeder Schlag seines Herzens in väterlicher Liebe entgegenflog, sie sollte sich auch wie ihre Eltern mit Mühe und Kampf, Nolh und Sorge durch das Leben ringen? Solchen Gedanken vermochte er gar nicht zu fassen, das Herz drohte ihm bei solcher Vorstellung schier zu brechen. Seine Sara, sein Liebling, soll die nämlichen Klippen des Lebens zu umschiffen haben, durch das nämliche Meer der Leiden und des Dulden» steuern, durch welches sich das Lebensschiff ihrer 14) Religiöse Erscheinung. 15) Mitgift. 16) Die religionsgeseyllche Urkunde, welche der Frau eine bestimmte Summe als Heirathsgut zuerkannt. 17) sicherlich. 18) schwer. IS) schwer. 20) bewirkt.