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Der Israelit · 1899-10-30 · Heft 86 (30.10.1899) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 86 (30.10.1899)
Date
1899-10-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1795 Eltern bewegt?-— Nein! niemals! nie mehr! — Seine Sara soll die Noth, unter welcher ihre Eltern zu leiden, zu dulden haben, niemals kennen lernen."- Doch wie vermag er es zu ändern?- Betrübt und rathlos schaute er auf seine pechigen Schusterhände. Würden diese fähig sein, ihr Hilfe zu gewähren? — Werden sie im stände sein, sein Kind vor dem Schicksale seiner Eltern zu bewahren? Bei der Gründlichkeit, die seinem Charakter eigen war, wird es Niemanden in Staunen setzen, daß Faißel von jenem Momente an Grund zum Grübeln und Nachdenken fand. Hammer und Pfrieme ruhten von nun an häufiger, als es seinem Haushalte rathsam und dessen Bedürfnissen dienlich war. Während er sich in jenes Reich der Träume verlor, in welchem er Gold glänzen und glitzern, Diamanten und Edelsteine funkeln und blitzen sah, fing es an, in seinem Hause an dem Nothwendigsten zu mangeln. Mit Schrecken und Bestürzung nahm Sprinze die Wandlung wahr, die mit ihrem bisher fleißigen und heitern Faißel vorging und kopfschüttelnd erlaubte sie sich die Bemerkung: „Faißelleben, Du bist seit einiger Zeit so verchuscht^), daß Du darob die Arbeit ganz vergißt. Was soll daraus werden?" „Bechaji—roschi 22), ich weiß es selbst nicht, Sprinzeleben", versetzte Faißel mit trübem Lächeln. „Aber ich muß Nachdenken, viel von Mekaur hodowor aus Nachdenken, wie ich eine Nedunje für unsere Saraleben zusammenbringe. Ich sehe immer viel Geld, sehr viel Geld vor mir liegen, weiß aber nicht, wie ich cS ohne eine Ganewoh'3) zu begehen, anzufassen habe! Ach, Sprinzeleben, sind das große Jefurim^)! immer viel zu sehen und sehr wenig zu haben! Ja, ja! das sind Chalaumes^) MakkauS-^) und faule Fische!" Kurz und gut, unser Faißel war auf dem besten Wege, ein würdiger Nachfolger von Jacob Böhm zu werden und zwar nicht nur in zünftischer Beziehung, denn das war er ja schon, sondern in Folge seiner Sucht nach dem Mekaur und seines traumhaften Zustandes, vielleicht auch als Mystiker, wenn nicht ein ganz unbedeutender Vorgang seinem Nachdenken eine ganz andere Wendung gegeben haben würde und das trug sich so zu: Sprinze brachte ihm eines Tages das Leder, welches sie bei dem Leder- und Lotteriehändler, Rebb Schimaun Rosenzweig, zu holen pflegte, in einem 21) tiefsinnig. 22) Beim Leben meines Hauptes. 23) Diebstahl. 24) Schmerzen. 25) Trämne. 26) Schläge. roih und gelb, blau und weiß schimmernden Papier eingewickelt, welches Faißel's Aufmerksamkeit ganz besonders erregt hatte. Er wickelte das Papier sorgfältig auseinander, glättete e» behutsam und vertiefte sich in die Lektüre desselben. Plötzlich sprang er wie elektrisirt empor und schrie: „Meschiw chachomim ochaur wedatom isokal^)! — Daß ich nicht schon früher daran gedacht habe!? Wo liegt da der Mekaur?" — Der armen Sprinze siel der Kochtopf, welchen sie auf's Feuer setzen wollte, au» der Hand, dessen Inhalt wie ein hervorbrechender Strom durch die Stube, welche die Werkstätte, Küche, Salon, Wohn- und Schlafzimmer des armen Faißel bildete, sich ergoß. „Faißelleben!" schrie sie ganz entsetzt auf, „bist Du choser-deo *8) geworden? — Warum kreischst Du so sehr?" „Warum ich kreische, Sprinzeleben?", schrie er in noch gellenderen Tönen, „weil ich cs habe! Ja, ich habe es, Sprinzeleben! Da steht es schwarz auf roth, gelb, blau, weiß! Du sollst eine KziniSte3') werden, Sprinzeleben, und Tachschitin *°) sollst Du tragen, viel schöner als Rebb Jacob Parscher'S Frau! Mich werden sie nicht mehr Sandler Faißel nennen. Nein, eroafce31) nicht! — Rebb Faißel klingt viel schöner!" „Schma Jisroel3?), Du bist meschugge3'), Faißel! Komm zu Dir, Faißelleben! Denk an Weib und Kind!" „Ob ich an Euch denke, Sprinzeleben! An wen denn sonst? Aber eben deßhalb will ich doch einen Haupttreffer machen. Ja, das große Loos wird Faißel, der Sandler Faißel ziehen." „Aber Faißelleben, lieber, guter Faißel," brach die arme Sprinze in Thränen aus. „Komm doch zu Dir und red nicht solche Deworim betelim^). Ach Jached, jached3^)! Wie willst Du das große Loos gewinnen? Hast Du denn ein L00S?" „Nein, Sprinzeleben, ich habe kein Loos. Aber bedarf es eines Looses, um einen Haupttreffer zu machen? Wenn haschem jisborach3^ will, kann ich auch ohne Loos den Haupttreffer ziehen! Aber ephscher37) 27) Er führt die Weisen irre, verwirrt ihren Versta>ld. Jes. 44. 25. 28) Närrisch. 29) Eine reiche Frau. 30) Schmuck. 31) Sicherlich. 32) Höre Israel; der Anfang des EinhcitSbekcnntnisseS der JSraeliien (eine Jnterjekiion). 33) Wahnsinnig. 34, Unsinnige (müßige) Worte. 35) Eigentlich ichud bedeutet die Einheit, ebenfalls eine Jnterjection. 36 Der Namen, gelobt sei er, gleich Gott. 37) Vielleicht.

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