Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 85 (26.10.1899)
- Date
- 1899-10-26
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449031--49355-2499880- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
W 23 :-^r''T’*,“-*-*'5'vV'*-- '"‘-7 "• .-.'■ -'-•' Wad el Chanin ist eine kleine Kolonie, die den in Palästina sehr wichtigen Vorzug hat, dass man dort leicht Wasser findet. Daher wäre dort von Anfang an richtig gewesen, Orangenplantagen anzulegen, allein die Kolonisten waren viel zu arm, um daran zu denken, und mussten viele Jahre lang, um sich ihr tägliches Brod zu verdienen, auf anderen Kolonien arbeiten. Erst im vorigen Jahre erhielten sie von der Jewish Colonisation Associatio?i ausreichende hypothekarische Darlehen, und seitdem haben sie ziemlich grosse Anlagen gemacht. Auch sind an Stelle der alten Holzhäuschen anständige steinerne Häuser errichtet worden. Ekron war zuerst eine Getreidebau-Kolonie, da indessen die einzelnen Bauern nicht Boden genug erhalten konnten, so ging man zum Obstbau über, und der Protektor liess riesige Oelbaumpflanzungen (29,000 Bäume) und andere Fruchtbaumplantagen anlegen. Diese grossen Anlagen haben noch keine Ernte gebracht, und können die erste kaum in 3—4 Jahren bringen. Früher wird man kein Bild von dem Erfolge dieses Experimentes haben, das, theoretisch betrachtet, glänzende Resultate liefern muss. Katra ist in erster Linie Weinbaukolonie, doch betreiben die Bauern dieses Dorfes auch Getreidebau sowie Obstzucht. Die Kolonie ist ganz unabhängig und gedeiht vorzüglich. Die jewish Colonisation Association hat ht£r einen Brunnen in Verbindung mit einer Getreidemühle anlegen lassen, und die letztere rentirt sich vorzüglich. Kastlnjeh betreibt nur Getreidebau. Die Kolonie besteht erst drei Jahre, dennoch war die vorjährige Ernte ausreichend, die Ko lonisten ein Jahr lang zu ernähren. Der Boden ist sehr gut für Weizen, dagegen zu schwer für Gerste, die in Palästina allgemein als Viehfutter verwendet wird. Daher müssen die Kolonisten einen grossen Theilihres Einkommens für Gersteneinkauf ausgeben, ein grosser Uebelstand, der erst beseitigt werden kann, wenn man eine geeignete Pflanze für Viehfutter gefunden hat. Dennoch werden die Kolonisten schon im nächsten Jahre mit den Abzahlungen beginnen. Pethaoh Tikwah ist die älteste Kolonie. Auch hier ist man seit einiger Zeit zum Weinbau und Orangenpflanzungen übergegangen, doch sind in dieser Kolonie neben der Administration und einer Anzahl selbstständiger Besitzer, die keiner Hilfe bedürfen, noch eine Anzahl schlechter Elemente, die nur ein kleines Stück Land besitzen und im Uebrigen von der Chalukah zu leben suchen. Chedereh ist die dem Umtauge nach grösste Kolonie, leidet aber sehr durch die Ausdünstungen einiger grossen Sümpfe, die'Fieber verursachen. In den letzten Jahren sind viele Eukalyptusbäume augepflanzt worden, auch ist ein Sumpf auf Kosten des Protektors trocken gelegt worden. Endlich hat sich auch die jewish Colonü sation Association dieser Leute angenommen, ihnen Darlehen zum Häuserbau bewilligt, sowie einen Arzt angestellt. Seitdem gehen die Dinge dort besser, und die Kolonisten, die grösstentheils Getreidebau treiben, hoffen, sich von nun an selbst unterhalten zu können. Nur für Arzt, Apotheke etc. wird die ersten Jahre noch ein Zuschuss nöthig sein. Sichron iaakob ist mit seinen Töchterkolonien Scheweja, Tantura, Em el Tut und E m e 1 Gamal die volkreichste aller jüdischen Kolonien. Sichron Jaakob selbst ist jetzt schon kein Dorf mehr, sondern ein Städtchen, denn ausser den Bauern, den Tagelöhnern etc. wohnen dort die zahlreichen Kellerarbeiter, ferner eine grosse Anzahl Handwerker und selbst eine nahmhafte Anzahl Hausirer und kleine Kaufleute, die in der Nachbarschaft ihre Waaren verkaufen. Alles trägt in dieser Ansiedelung denn auch einen städtischen Charakter. Die Kolonisten treiben Weinbau, etwas Seidenzucht, Obstzucht etc., und nur ein einziger Bauer ernährt sich von Getreidebau Hier ist eine Zeit lang grosses Unheil durch die Reblaus angerichtet worden, die Weinberge mussten mit amerikanischen Reben bepflanzt werden, und desshalb bringen sie erst seit dem vorigen Jahre Ertrag, der sich aber noch sehr steigern wird. Rosch Pinah ist durch den gleichen Mangel, wie viele andere Kolonien, durch zu kleine Grundstücke für die einzelnen Kolonisten, in der Entwickelung gehemmt. Man treibt hier Weinbau und Seidenzucht, hat ferner einen Wald von Mandelbäumen und etwas Getreidebau, doch muss diese Kolonie, die unter dem bekannten Protektor steht, gründlich reformirt werden, sollen ihre Kolonisten zur Selbstständigkeit kommen. Hier ist auch eine grosse Seidenfiliranstalt, die ca. 60 Kinder beschäftigt. Jessud Hamaalah hat als Specialität die grossen Gartenanlagen, in denen Rosenöl und andere Essenzen gewonnen werden. Ob sich indessen diese Fabrikation rentirt, ist zur Zeit noch nicht zu übersehen. Ursprünglich war Jessud Hamaalah Getreidebau-Kolonie und erhielt damals auch vom „Esra“ Unterstützung, dann übernahm sie aber der bekannte Protektor, der die Gartenanlagen machen liess. (Schluss folgt.)