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Der Israelit · 1899-10-26 · Heft 85 (26.10.1899) · page 32

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 85 (26.10.1899)
Date
1899-10-26
Page
– (sequence 32)
Language
German
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24 d^WMVWWM«WWU« Bericht über dieThätigkeit des Kolonisations-Comite’s in Odessa vom 1. Jjar5653 bis zum 1. Jjar 5656 (16. April 1893—13. April 1896). (XI. Fortsetzung und Schluss.*) Von den 29 zum Landbau geeigneten Männern sind zwanzig sehr brauchbare Arbeiter, sechs weniger geschickt, und drei, welche ebenfalls Antheil am Boden haben, sind beziehungsweise als Schächter, Tischler und Schuhmacher thätig. Von den Häusern der Kolonie sind fünfzehn Steingebäude, wovon zwei noch im Bau begriffen sind, zwei Ställe aus Stein (einer noch unvollendet), zwei aus Holz, und ausserdem vier offene Hallen aus Holz und vier Speicher aus Baumzweigen gepflochten. Die meisten Häuser bestehen aus je zwei Zimmern in einer Ausdehnung von 8 m. Länge und 4 m. Breite; einige bestehen aus drei Zimmern in Grösse von 12 und 5 m. Im Allgemeinen sind die Häuser gut gebaut, werden sauber gehalten und machen einen gefälligen Eindruck. Nur einige Dächer sind sehr schadhaft. Zwei Familien wohnen in Zelten ans Baumzweigen geflochten nnd mit Blech bedeckt. Sehr zu bedauern ist der Mangel an Ställen, worunter das Vieh sehr leidet. Da die Kolonisten auf Lohnarbeit angewiesen sind, ist der Anbau der Kolonie mangelhaft. Der Feldbau ist kaum nennenswertli; Gärten sind wenige vorhanden, und die angelegten Weinberge sehen dürftig aus. Es sind 24 Weinberge mit etwa 90,000 Stöcken anf einem Areal von 26 Hektar angepflanzt, davon 6 Hektar gute, 6 mittelmässige, und die übrigen so schwach bestandene, dass die Kosten der Bearbeitung deren Betrag übersteigt. Manche Kolonisten vernachlässigen ihre Weinberge gänzlich, und auch die Bearbeitung der übrigen ist so mangelhaft, dass sie nur verhältnissmässig als gut bezeichnet werden können. Zar Anpflanzung hat man die sogenannten „arabischen“ Reben verwendet, seltener französische, und auch die letzteren sind mit arabischen Reben gepropft. Die Veredelung der Trauben wird in Misch - mar Hajarden als überflüssig betrachtet, da zum Keltern der Früchte keine Einrichtung vorhanden ist. Die Trauben werden dort entweder verkauft, oder von den Beduinen gegen andere Nahrungsmittel eingetauscht. Sollte die in Rosch Pin ah versuchte Rosinenbereitung aus Malaga- Trauben rentiren, dann würde die Veredelung der arabischen Reben inMischmarHajarden lohnend sein, weil daun die Trauben stets sicher verkäuflich wären. *) 8. Nr. 714. Alle Anstalten der Gemeinde: Synagoge, Schule, Apotheke und dergl. befinden sich zur Zeit im Privathause eines auswärts wohnenden Kolonisten. Ein Zimmer dieses Hauses ist zum Beetsaal und zur Schule, ein zweites zur Apotheke und zugleich zur Wohnung des Apothekers eingerichtet. Möge sich unsere Hoffnung erfüllen, dass diese in bester geographischer Lage angelegte Kolonie sich bald aus ihren gegenwärtigen misslichen Verhältnissen erheben möge! H. Industrie. Die Industrie Palästinas liegt noch in den Windeln; grössere Fabriken und nahmhafte Firmen sind nicht vorhanden. Die Hindernisse des industriellen Aufschwunges sind 1) Mangel an Unternehmungslust nnd geschäftlicher Routine; 2) übermässig hohe Ausfuhrzölle; 3) Mangel an Kunststrassen. Einige jüdische Fabriken sind erst im Entstehen begriffen, nnd andere vermögen sich kaum zu erhalten. Wir erwähnen folgende: Eine Kelter-, eine Seifen-, eine Parfümeriennd Kölnisch-Wasser-Fabrik; eine Gerberei, eine Eisengiesserei, eine Seidenspinnerei in Rosch P in ah, eine Cognakfabrik, eine Werkzeugfabrik und eine Böttcherei neben den Kellern der Kolonie. Nach den statistischen Tabellen von A. M. Lunez in Jerusalem betrug die Ausfuhr im Jahre 5656 an Getreide, Obst, besonders Orangen nnd Citronen 630,000 Frcs., während die Einfuhr an Textilstoffen, Kurzwaaren, Nahrungsmitteln, Werkzeugen, Steinkohlen, Petroleum, Alkohol u. A. m 15,802.100 Frcs. ausmachte. Der Haupthafen für die Einfuhr ist Chaipha. Die verworrenen politischen Verhältnisse und der niedrige Kurs der Landesmünzen wirken ungemein störend auf jedes Geschäft. An der Ausfuhr sind die Juden wenig betheiligt; an der Einfuhr, besonders aus Russland, ist ihr Antheil grösser. So waren sie die Ersten, welche russischen Thee, gesalzene Fische, Kochgeschirr, Bauholz, Mehl u. A. m. von Russland einführten und zur erhöhten Konsumtion dieser Artikel beitrugen. Schliesslich sei noch auf die Handarbeitsschulen, welche mit der Alliance- S ch ul e verbunden sind, nnd anf die Fortschritte der Holzbild-Schnitzerei hingewiesen. Prack der Jek Wirth’scken Hofbuehdruekerei Aotien-Gesellscliaft, Mainz.

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