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Der Israelit · 1899-10-26 · Heft 85 (26.10.1899) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 85 (26.10.1899)
Date
1899-10-26
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1788 und in seinen Bewegungen das uralte Schema und gab die Spuren eines musikalischen PrinzipeS mit sich. Die Tongänge des polnischen Ritus mit übermäßigen Sekunden, dem Mollgepräge, ihre komplizirten und differenzirten Melodien, erweisen sich demgegenüber als weniger ursprünglich, weil in allen Entwickelungen stets das Einfachere das Primäre, das Komplizirte aber das Sekundäre ist. Redner glaubte in der Versammlung, deren Theilnehmer von Jugend auf den süddeutschen Ritus gewohnt sind, ein Gefühl der Genugthuung zu bemerken, fügte aber hinzu: Freuen wir uns, daß wir zwei so herrliche Blüthen jüdischen Empsindungslebens besitzen, die aus dem gemeinsamen Boden unserer heil. Religion cmporblühen. Pflegen wir sie mit der rechten Gewissenhaftigkeit, versäumen wir aber auch nicht, fleißig die Stätten aufzusuchen, in denen unsere Melodien zur Entfaltung gelangen. Das wird beitragen, die Zeit herbeizuführen, wo alle einstimmig ausrufen werden: „Der Ewige ist einzig und Sein Name einzig!" Lebhafter Beifall wurde sowohl dem Redner für seinen geistvollen Vortrag, als auch dem Cantor Klibansky für seine schöne Wiedergabe der zahlreichen Melodienbeispiele zu Theil. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag. (Ein Auflösungsmittel.) Der cechisch-jüdische Verein ..Narodni Jeduota ceskozidnvskx“ ließ vor Beginn der Schulen in Orten, wo er noch die Auflösung der deutsch-jüdischen Schulen durchzusetzen bestrebt ist, Straßenplakate affichiren, deren Inhalt lautet: An unsere Glaubensgenoffen! An der Schwelle eines neuen Schuljahres wenden wir uns als Euere aufrichtigen Freunde neuerdings an Euch mit einer herzlichen Aufforderung. Wollt Ihr, daß Euere Kinder am ehesten einen Erfolg aufweisen? Schicket sie nicht in die deutsche Schule, wo anstatt eines deutlichen fachlichen Unterrichtes gleich am Anfänge auf die unverständlichen Worte einer fremden Sprache hingewiesen wird. Wollt Ihr, daß in Eueren Kindern der Grund zu einem freundschaftlichen Einvernehmen mit den übrigen Mitbürgern gelegt wcrde? Gebet sie nicht in deutsche Schule, wo sie gleich von zartester Kindheit an der Gemeinschaft mit ihren Altersgenoffen entfremdet werden! Schicket sie in die eechische Schule, wo ihnen durch die lieblichen Klänge der Muttersprache die festen Grundlagen zu den nöthigen Kenntniffen spielend beigebracht' werden und wo sie auch Gelegenheit und Zeit genug finden, damit sie sich auch die gründliche Kenntniß der deutschen Sprache aneignen. Schicket sie in die cechische Schule, wo die übrigen cechischen Kinder durch stetige Berührung und gemeinschaftliche Freuden und Leiden in ihnen und dadurch auch in den übrigen Juden, welche jene Ungunst, auf die so häufig hingewiesen wird, nicht verdienen, ein gleiches Denken und Fühlen kennen lernen. Wie viele intelligente, gesellschaftlich hochgestellte und gebildete Juden gibt es, welche cechische Schulen besucht haben und sich dennoch die Kenntniß der deutschen Sprache in solchem Maaße angeeignet haben, daß sie diese vollkommen beherrschen. Gehet nach unserem freundschaftlichen Rathe zu Werke und Ihr erfüllet damit Euere nationale Pflicht und fördert das Wohl Euerer Kinder und das Gesammtwohl. (Wir glauben, daß die böhmischen Juden bester daran ihätcn, sich in diesen Nationalitäts- und Sprachenstreit nicht zu mischen. Red. d. Jsr.) Budapest. (Jüd isch e Richter in Ungarn.) Binnen Kurzem wird unser Justizminister Dr. Ploß einen jüdischen Rechrsgelehrten zum Richter ernennen, besten Ernennung Sensation erregen wird. Unser Glaubensgenosse, der sich in seiner frühesten Jugend ausschließlich mit talmudisch.r W.ssinschaft befaßte, weil sein Vater auch ein hervorragender Talmudist war, ist eine Zierde der Budapester Avvokatenkammer und können wir ihn nur zu seiner bevorstehenden Auszeichnung beglückwünschen. In Ungarn ist es wiederholt vorgekommen, daß Männer der jüdischen Wissenschaft hohe Staat-Würdenträger wurden. Schon unter der Regierung d.s König Ludwig« II., in Ungarn finden wir jüdische Richter. So hat beispielsweise Jacob Mendel, als Präfekt und als Richter eine bedeutende Rolle gespielt. Viel Unheil stiftete der spaniolische Jude Menasse Fortunatu-, der in Ungarn auch als Unterschatzkanzler eine hervorragende Rolle spielte, und der sich taufen ließ; er lebte in Ofen unter den Namen Szerencses Jmre. Unter der glorreichen Regierung König Mathias Corvinus finden wir einen jüdischen Richter namens Abraham Jacob Nowara, der in einem ungarischen Städtchen Stadtrichter war. In Teteny wurde unter der Regierung Kaiser Franz der reiche jüdische Kaufmann Salomon Lönn) zum Richter gewählt, der jedoch mit Rücksicht auf die damaligen Verhältnisse die Ehrenstelle nicht annahm. Ignatz Heller (Helfy Jgnacz) der als Koffuth's Secrctä'r eine bedenkende Rolle spielte im Jahre 1h48, war eine kurze Zeit Richter in Debrccin. Dr. Hugo Beck und Ignatz Neuberger sind Curialrichier (höchste Instanz), derzeit in Budapest, Richter an der kgl. Tafel ist Dr. Mor tz Decsi. Bekannte Richter und hervorragende Rechtsgelehrte sind: Dr. Baumgarten, Dr. Halaß, Dr. Baumann, Dr. Gruber, Dr. Rotb, Dr. Fuchs, Dr. Reichart, Dr. Polgar u. m. A. — Unsterbliche Verdienste erwarb sich auf dem Gebiete der Jurisprudenz, der jüdische Richter an der Curie Dr. Csemegi, der als Codificator eine hervorragende Rolle spielte; man kann sagen, er war der zweite Gesetzgeber Ungarns. We-

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