Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 85 (26.10.1899)
- Date
- 1899-10-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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WWM« 1775 ist, und Hannah, eine Geschiedene, nicht heirathen darf. Das junge Paar fleht ihn auf den Knieen an, die Einwilligung zu geben, der alte Rabbiner aber bleibt unerbittlich, denn „so sagt das Gesetz!" Diese Scene ist von hoher dramatischen Wirkung. Der junge Mann, den nicht mehr die Religion, sondern nur noch eine gewisse Sentimentalität zu seinen Glaubensgenoffen hinzieht, versucht durch Vernunft gründe Hannah's Vater von seinem Widerstand abzubringen, aber vergeblich „Es ist Gesetz!" sagt der alte Mann, „und das Gesetz zu brechen ist Sünde." Im vierten Akt erscheint Samuel am Paffah-Abend bei Hannah, um sie zu bewegen, mit ihm nach Amerika zu flüchten. Zögernd giebt sie ihre Zusage und erbittet sich noch Zeit bis 7 Uhr. Um 8 Uhr soll der Zug, der die Liebenden an's Schiff bringt, abfahren. Hannah macht einen schweren Kampf zwischen ihrer Liebe und dem kindlichen Pflichtgefühl sowie der Anhänglichkeit an ihre Religion durch. Als die Zeit gekommen ist, erscheint Brandon am Fenster. Hannah wird von der Mutter beauftragt, die Läden zu schließen. Eine kurze bewegte Scene zwischen den Liebenden—Hannah schließt das Fenster und bleibt den Eltern. — Das Stück ist unter Leitung des Autors einstudirt worden und soll nächstens auch in New-Aork gegeben werden.? Victoria (Britisch Columbia). Unsere Gemeinde dürfte die westlichste und zugleich in Amerika die nördlichste in der ganzen Judenheit sein, die zur Zeit besteht. Zwar sind in Klondyke auch eine Anzahl Juden, aber sie besitzen noch keinerlei Organisation. Herr M. Marks von hier, der Ende August nach Dawson City gereist ist, hat daher eine Sefer Torah mitgenommen und wird dort wenigstens für die hohen Feitertage einen Gottesdienst organisiren Unsere Gemeinde hat jetzt auch Aussicht, wieder einen Rabbiner zu erhalten, nachdem wir uns viele Jahre ohne Rabbiner beholfen haben. Das lange erlahmte Interesse an den jüdischen Dingen hat sich in der letzten Zeit wieder mehr geregt und der Vorsitzende unserer Gemeinde, Herr Salmon ist mit dem Oberrabbiner Dr. Adler in Correspondenz getreten, um ihn zu bitten eine geeignete Persönlichkeit zur Uebernahme des Rabbinatssitzes hierherzusenden. Es besteht gegründete Hoffnung, daß sich eine solche Persönlichkeit finden wird. Seit 1864 besitzen wir eine schöne Synagoge, zu deren Baufonds auch die hiesigen Christen reichlich beigesteuert haben.? Canada. Aus den jüdischen Ansiedelungen kommen günstige Nachrichten, die Ernte ist im Gang und verspricht die beste zu werden, die die Kolonien bisher gehabt haben. Leider ist am 15. Srpt. ein Prairiebrand ausgebrochen, der großen Schaden gethan hat; die Häuser und die Ernte in den Scheunen konnte zwar gerettet werden, aber auf acht englische Meilen in der Runde ist da» Land verwüstet, alles Heu verbrannt und für da» Vieh die ganze Weide zerstört. Es wird den Kolonisten nicht leicht sein, für ihre Thiere das Futter Herbeizusch offen. Die Schulen in den Ansiedelungen sind jetzt auch eröffnet, sie sollten nach den Intentionen der Jewish Colonisation Association eigentlich unentgeltlich sein, allein die Regierung hat dies nicht genehmigt und bestimmt, daß ein Schulbeitrag von zwei Doll, pro Kopf von jedem Kolonisten erhoben werden soll, der ein eigenes Haus besitzt. Die Schulen stehen unter der Direktion von Herrn S. A. Goldstone, den die Regierung übrigens auch zum Friedensrichter des Bezirkes ernannt hat. Afrika.? Kirnverley. Unsere Stadt, die jetzt zum Mittelpunkt erbitterten Kampfes zwischen Engländern und Buren geworden ist, steht mit großer Begeisterung auf Seiten der Engländer. Nicht weniger als 2000 Freiwillige sind hier und in der Nachbarschaft zu den Waffen geeilt und bilden mit einer gleichen Anzahl regulärer Truppen die Besatzung vonKimberley. Die Freiwilligen werden befehligt von Colonel David Harris, der dieselben schon in verschiedenen Kämpfen kommandirt hat, und jetzt, obwohl er eigentlich in den Ruhestand getreten war, der Regierung wieder seine Dienste angetragen hat. Colonel Harris, der jetzt erst 47 Jahre zählt, dient schon seit 21 Jahren unter den Freiwilligen. Damals focht er unter Sir Charles Warren gegen die Grigua-Kaffern und wurde für seine im Felde bewiesene Tapferkeit zum Offizier ernannt. In mehreren Jahren kommandirte er die Kimberley-Schützen, die zu den besten freiwilligen Truppen Süd-Afrikas gehören. Zum letztenmal war er aktiv thätig, als er vor zwei Jahren im December 600 freiwillige Schützen gegen die ausständigen Eingeborenen in Poquana, 80 Meilen von Kimberley führte. Es gelang ihm diese Expedition glänzend zu beendigen uno der Verlust der Engländer bestand nur aus drei leicht Verwundeten, unter denen sich freilich Oberst Harris selbst befand. In diesen freiwilligen Truppen, von Kimberley dienen diesmal noch die beiden jüdischen Lieutenants W. S. Harris und E H. Moseley, sowie eine ganze Anzahl von Unteroffizieren und Soldaten unseres Glaubens. Oberst Harris ist ein ausgezeichneter Schütze, der wiederholentlich bei Wettfchießen Preise davon getragen hat. Vor zwei Jahren gewann er einen solchen bei 103 Treffern auf 105 Schuß. In seinem Civilverhältniß ist Oberst Harris Direktor der de Beers Minen, und Vorsteher der jüdischen Gemeinde Kimberley. Seine Frau ist außerordentlich vertraut mit allen jüdischen Dingen, versteht sehr gut Hebräisch und bekümmert sich eingehend um