Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 85 (26.10.1899)
- Date
- 1899-10-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1767 zu sehr zu Boden drückt, hört damit allerdings auf ein Ziel zu sein; auf sie muß man mit dieser Ansicht entschieden verzichten. Aber mit ihr hört auch die düstere, im besten Falle sanft-traurige AlterS-Abendftimmung auf, die auf der Vorstellung eines unabwendbaren Niedergehens und zuletzt Untergangs alles Lebens beruht. Das Alles wird unter diesem Gesichtspunkt, was es sein soll, eine Zeit der Thal, der Reife und der Ernte, des Fcuchttragens und so in der That, das best e, weil daS vollendetste Stück dieses ganzen Lebens. (Psalm 92, V. 14, Id.) Die Frische der alten Leute, die sich durch eine solche besonders auszeichnen, kommt durchweg nicht davon her, daß sie viel Ruhe und Pflege gehabt haben, sondern viel Arbeit, und daß sie noch immer so viel als möglich arbeiten. Für ein glückliches Alter ist es daher unerläßliche Bedingung: Ueberzeugunz von der Fortsetzung dieses Lebens. Für dm so vorwärts gerichteten Blick liegen die großen Vortheile, welche die Altersperiode vor allen anderen voraus hat, offen da. Es sind in Kürze folgende: Das Alter ist erstens die Zeit, in welcher die früher mehr oder minder natürlichen Leidenschaften des Menschen schweigen, wenn sie nicht künstlich wach gehalten werden. Das allein schon sollte ihm bei allen denkenden Menschen den Vorzug vor der Jugend geben. Daß das Alter weiser, einsichtiger in jeder Beziehung sein kann, weil ruhiger, alles durch die Erfahrung beurthetlend, braucht kaum gesagt zu werden. Aber die Leiden und Beschwerden des Alters! Man braucht sie nicht zu ignoriren, aber man muß doch einräumen, daß sie leichter zu tragen fin) als in der Jugend. Man kann jedoch noch weiter gehen und sagen: Aus Leiden sind die fruchtbaren Gedanken alle entstanden, die zum dauernden Gedankenschatz der Menschheit gehören. Wer niemals gelitten hat, der bleibt in einer gewiffen oberflächlichen Region des Denkens, über die er sich mit aller Arbeit nicht erheben kann. Wer zu leiden noch fürchtet, dem fehlt der rechte Muth zum Leben und zum Handeln. Man muß freilich auf der geistigen und sittlichen Höhe unserer Gottesmänner stehen, um diese Lebensanschauung zu theilen oder sie auch nur zu begreifen, die in Beiden einen Beweis der über den Menschen wachenden göttlichen Liebe erblicken, welche die höchsten göttlichen Gaben von Leiden abhängig machen, sie daher herbeisehnen und wenn sie entschwunden sind, mit dem Psalmisten dankend zum Himmel rufen: '2 -piK Ich danke Dir, daß Du mich leiden ließest. Vor dieser Anschauung verliert das Alter das, was ihm in der gewöhnlichen Meinung Widerwärtiges anhaftel. Aber wer sich auch nicht zur Höhe dieser Gesinnung zu erheben vermag, begreift doch best Segen, der für unsere, vom Gottesgeist getränkten Männer das Alter bedeutet, das denjenigen lästig ist, die von keinem Flügelschlag dieses Geistes bewegt werden, und begreifen, daß wenn das Gotteswort den Segen der Gotterwählten aufzählt, es in erster Reihe des Alters gedenkt und spricht: ^32 CT12X r« “p2 Hl L'0'2 82 pT L7112M Abraham war alt und in die Tage gekommen, damit hatte Gott Abraham mit allem gesegnet." Zeitungsnachrichten und Eorrespondenze«. Deutschland. 8. Berlin, 22. Oct. Der 80. Geburtstag, den der Stadtverordnete Sanitätsrath Dr. S. Neumann, der Nestor der hiesigen jüdischen Gemeinde, heute beging, brachte dem Jubilar eine Reihe glänzender Ehrungen und gestaltete sich zu einem Ehrentage unserer Glaubensgemeinde. Nicht weniger als 11 Deputationen überbrachten theils mündlich, theils in Form von Adressen ihre Glückwünsche und legten somit beredtes Zeugniß ab, von der regen und vielseitigen Thätigkeit, die der Jubilar seit einer langen Reihe von Jahren im Dienste der Oeffentlichkeit wie seiner engeren Glaubensgemeinschaft entfaltet hat. In bewundernswerther körperlicher und geistiger Frische und Regsamkeit erwiederte der Jubilar auf alle Ansprachen, in markanten Worten entwickelte er seine Beziehungen zu den einzelnen glückwünschenden Körperschaften und gab manche werthvollen Fingerzeige über die weitere Entwickelung einiger Institute. Am frühen Morgen hatten sich die zahlreichen Familienangehörigen eingefunden, um dem von ihnen hochverehrten Jubilar zu gratuliren. Im Namen derselben sprach Privatdocent Dr. Hugo Neumann und überreichte ein wohlgelungenes Photoskulpturrelief des Jubilars. In seiner Gegenansprache gab letzterer dem Wunsche Ausdruck, daß die von ihm Zeit seines Lebens hochgehaltenen Traditionen auch von den Familienangehörigen weiter gepflegt werden mögen. Als erste osficielle Deputation erschienen als Vertreter der Berliner Stadtverordneten-Versammlung der Stadtverordneten-Vorfteherftellvertreter Michelet und Rechtsanwalt Ladewig. Dr. Langer Hans war durch Krankheit am Erscheinen behindert. Herr Michelet gab dem Gefühle des Dankes und der hohen Verehrung Ausdruck für die erfolgreiche Thätigkeit des Jubilares im kommunalen Leben und überreichte dann eine schriftliche Adresse, die Rechtsanwalt Ladewig verlas. Die Adresse spricht von dem be-