Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-10-23 · Heft 84 (23.10.1899) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 84 (23.10.1899)
Date
1899-10-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449030--49317-2499841
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1758 sehr sorgsam ausgeführte Modelle des Genesungsheims in Lehnitz. Bezüglich des letzteren dürften folgende Einzelheiten intereisiren: Das Genesungsheim ist von dem Jubelpaar gestiftet worden zur Aufnahme von ReeonvaleScenten, die bisher in geringer Zahl in Briefen bei Birkenwerder in gemietheten Räumen untergebracht wurden. DaS stattliche Gebäude wird sich, im Schwei-erstil errichtet, inmitten eines sieben Morgen großen, von dichtem Tannenwald umstandenen er. 15 Minuten von der Bahnstation Lehnitz, unweit von Oranienburg belegenen Terrains erheben. Es ist für 50—60 ReeonvaleScenten bestimmt. Im Souterain werden sich die Wirthfchaftsräume, lne Küche und sehr ausgedehnte Baveräume befinden, im ersten Stockwerk, die Wohnränme für die Oberin und Schwestern, der große Speisesaal, Unterhaltungs¬ und Lesezimmer, während die zweite Etage und das Dachgeschoß die Schlafsäle enthalten wird. In jeder Etage find geräumige offene Hallen vorgesehen, die den Jnsaffen bei schlechtem Wetter zum Aufenthalt dienen sollen. Auf der Rückseite befindet sich eine große gedeckte Terraffe, die nach dem Waide zu gerichtet ist. Die vordere Aussicht gewährt einen Blick auf den malerisch schön gelegenen Lehnitzsee. Das Heim wird rings umschloffen von einem Ziergarten mit großem Springbrunnen. Dicht neben dem Gebäude wird ein großer Obst- und Gemüsegarten angelegt, so daß die ReeonvaleScenten, deren Aufenthalt meist auf 4—6 Wochen bemesi n wird, Gelegenheit haben werden, sich in dieser Zeit landwirthschaftlich bethätigen zu können. Die Eröffnung de» Heims, da» zweifelsohne in der Form, wie es von den Stiftern geplant ist, ein Musterinstitut unserer Gemeinde werden wiro, soll im März 1900 erfolgen. Für daffelbe sind am heutigen Ehrentage des Stitterpaares bereits fast fämmtlichs WirthschaftS-- und Einrichtungsgegenstände von Freunden und Bekannten gespendet worden. Die Anzahl der persönlich erschienenen Gratulanten wird nach flüchtiger Schätzung auf cr. 500, die der aus Nah und Fern, u. a. auch von Prof. Fritjof Nansen, eingegangenen Depeschen ebenfalls auf 500, die in anderweitiger schriftlicher Form übersandten Glückwünsche auf 2—300 berechnet. Frankfurt a. M., 22. Okt. In den Räumen der Frankfurter Loge konstituirte sich heute unter dem Vorsitze des Herrn Charles Hallgarten, unter dem Namen „Südwestdeutscher Verband israelitischer HülfSvereine und Gemeinden", eine Vereinigung, welche sich die Aufgabe stellt, durch einheitliche Regelung des Unterstützungswesens den Wanderbettel zu bekämpfen und nach Möglichkeit zu beseitigen. Der Verband soll dahin wirken, daß jede Gemeinde für ihre Armen Sorge trage, daß für jüdische Ortsarme zu deren Unterstützung die kommunale Armenpflege verpflichtet ist, diese in Anspruch genommen werde, soweit dies ohne Nachtheil für diese (jüdische Armen) geschehen kann, daß nach Möglichkeit Arbeisnachweisstellen errichtet werden und daß alle israel. Wohlthätigkeitsvereine einer Gemeinde mit einander in beständige Verbindung treten und vereint alle Schritte thun, um den Hausbeitel zu verhindern. Es waren aus der Provinz HessenMafsau und dem Großherz. Heffen ungefähr 5o Delegirte, welche ca. 2o Vereine und Gemeinden vertraten, erschienen und wurden die Statuten berathen, welch letztere als auf ein Jahr probeweise giltig fein sollen. In den Vorstand wurden gewählt Dr. Rothfe ls— Cassel, Heimerdinger—Wiesbaden, Mayer— Mainz, Stahl—Friedberg, Straus—Wiesbaden, S trauß—Gelnhausen, Sinzheime r—Worms, Hallgarten, Hirschler, Wertheimer, Metzger, Dr. Waller aus Frankfurt a. M. Die israel. Gemeinde Frankfurt, welche durch mehrere ihrer Vorstandsmitglieder vertreten war, nimmt an dem Zustandekommen des Verbandes den regsten Anrheil und will ich auch schließlich bemerken, daß die Gemeinde nach Schluß der Berathungen die sämmtlichen Delegirten zu einem opulenten Diner eintud, welches sich durch Vorzüglichkeit und Manichfaltigkeit der gereichten Genüsse auszeichnete. Hamburg, 17. Okt. Herr Louis Wolff, der frühere langjährige Vorsitzende der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, ist nach längerem Leiden vom Tode dahingerafft worden. Der Verstorbene, der ein Alter von 78 Jahren erreichte, war von echter, wahrer Liebe für die Lehren unserer Religion beseelt; ein bewundernswerthes Muster glaubensbegeisterter, überzeugungsstarker Frömmigkeit, richtete er sein Bestreben darauf, daß das Altüberkommene in unserer Gemeinde gefestigt und hochgehalten werde. Seniorchef des gefeierten gleichnamigen Bankhauses, welches er aus den kleinsten Anfängen im Verein mit sein n Söhnen zu einem der angesehensten Institute unserer Stadt emporhob, hat Louis Wolff trotz der Pflichten seines ausgebreiteten Geschäftsbetriebes die ausgedehnteste Thätigkeit in der Verwaltung der Gemeinde und ihrer Institutionen entfaltet. Seine Schaffenskraft, seine Erfahrung und seine weise Einsicht werden schwer zu ersetzen sein. Ganz besonders segensreich war sein Wirken als Vorsitzender der Armen- Commission. Seiner hervorragenden Thätigkeit im Jahre 1892, als die verheerende Seuche hier wüthete, werden wir stets in Liebe gedenken. Wie kaum ein Zweiter verstand er es, den Bedürftigen und Kranken mit Rath und That zur Seite zu stehen; seine eigene fürstliche Wohlthätigkeit erstreckte sich weit über unsere Gemeinde hinaus und stellt ihn in die vorderste Reihe der Philanthropen der Gegenwart. Seit Jahrzehnten bekleidete er das Amt eines Präses der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.