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Der Israelit · 1899-10-23 · Heft 84 (23.10.1899) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 84 (23.10.1899)
Date
1899-10-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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^D^^DHMMWMWWWWWWWWWWW>WMWjt>r«WW^,E»S« 1753 ganz sicher früher oder später gehört und beherzigt werden. Möge es früher sein! Möge es diesmal nicht der harten Zuchtmittel bedürfen, die in steigender Wucht niemals ausgeblieben sind, sobald sich unser Volk dieser Wahrheit verschloß! Zeitungsnachrichten «nd Correspondenzen Deutschland. Berlin, 20. Oct. In der zweiten Beilage zu Nummer 81 des „Israelit", Seite 1703, wird in einer Corrcspondenz aus Florenz einer großen Jeschiba erwähnt, die zur Zeit „als der wehltberühmte b”j iU'Tsa mx mrr vulgo der xj-töo das Rabbinat in Modena bekleidete, daselbst geblüht haben soll. Dies ist nicht richtig. Arje di Modena führte diesen Namen nur nach seinen Ahnen, die ursprünglich von dort stammten. Er selbst wurde am 23. April 1571 in Venedig geboren, wo er später als Mitglied des Rabbinats-Collegiums lehrte und wirkte, bis er daselbst am 27. Adar 1648 starb. Wer ihn nur von seinem Gedichte 'N' m er her kennt, dürfte ihn auch für einen frommen, traditionsgläubigen Rabbiner halten und verehren. Wer ihn aber aus seinem sehr reichhaltigen Schriftthume näher kennt, wird ein ganz anderes, entgegengesetztes Urtheil über ihn fällen müsien. Er war das rechte Prototyp gewiffer moderner Rabbiner aus der Gegenwart; er besaß nämlich auch am Wochentage eine trrT" nat>>:, indem er der sogenannten Zweiseelentheorie huldigte, nach welcher mancher Rabbiner auf der Kanzel anders als auf dem Katheder, in der Lehre anders als im Leben erscheint. Von seiner Thätigkeit als hebräischer Dichter schreibt Dr. A. Berliner in der Vorrede zum Buche 2'^x rr^ (1881) S. 6 Folgendes: „Er (Arje di Modena) besang alles, was ihm in den Weg kam, vorzüglich, wenn er Geld dafür erhielt, sodaß er einmal auch den säumigen Zahler, für dessen Tobten er eine Grabschrift gefertigt, in einer Nachschrift verewigte. Er dichtete in hebräischer, aramäischer und italienischer Sprache. Er besang Prinzen und Bischöfe, Gelehrte und Vornehme, Auroren und ihre Schriften. „Ich konnte mich nicht enthalten," sagt er in der Überschrift zu einem herbräischen Gedicht, „auf den Wunsch des judenfreundlichen Frater Pietro del Ochio nachstehendes Gedicht zu fertigen, das seinem lateinischen Buche über die Beichte vorgedruckt werden solle. In demselben wird nämlich die Frage behandelt, | welche Sünden infolge eines Selbstbekenntnisses ver- L söhnt werden können und für welche der Beistand »eines Bischofs oder des Papstes erforderlich wäre." Frankfurt a. M , 17. Oct. In dem Eingesandt des Herrn L. Weinberg—Bodenfelde, wird eine Angelegenheit zur Diskussion gestellt, die es wirklich verdient, einmal gründlich erörtert zu werden, da es sich dabei um die wichtigste Zeitfrage der gesetzestreuen Iudenheit Deutschlands handelt. Die auf dem Gebiete der Seminarien herrschenden Mißstände bedürfen schon seit langen Jahren dringender Abhilfe; aber, seidem das Dreigestirn Bamberger- Hirsch-Lehmann ‘n der kühle Rasen deckt, seitdem scheint es bei uns an Männern zu fehlen, die einerseits das Wesen der jüdischen Lehre und anderseits unser Zeitalter in ihrer ganzen Totalität begriffen haben und die nun ausgestattet mit dieser Klarheit ihres Pflichtenkreises als Jude und Mensch, ihr ganzes Lebenswerk nur in dem einen Ziele suchen, in idealer Selbstlosigkeit die Sorgen ihres Volkezu den ihrigen zu machen. Hunderttausende werden jährlich für alle möglichen wohlthätigen Zwecke ausgegeben, doch für das Gedeihen unserer gesetzestreuen Gesammtheit und für das geistige jüdische Leben rühren sich nur wenige Hände. Das Fieber der Gegenwart, die Jagd nach dem Glücke, wirkt auch verheerend in der kleinen Schaar der noch auf dem Boden der Thora stehenden Juden und trübt ihr Verständniß für ihre hohe Jsroels- Aufgabe; denn nur so ist es denkbar, daß man der Ausbildung der jüdischen Lehrer so wenig Aufmerksamkeit schenkt und nicht merkt, daß der Boden unter den Füßen bereits brennt. Die Religiosität auf dem Lande nimmt seit Jahren erschreckend ab. Warum? Weil der einzige, diesen Rückschritt aufhaltende Damm, ein von echt jüd. Geiste durchwehter und für seine hohe und heilige Aufgabe begeisternder Lehrerstand, nicht da ist — und nicht da sein kann. Die Gleichgültigkeit der Ettern und das kaum nothdürstige Pensum der Schule, lassen Kinder heranwachsen, die weder einen blassen Schimmer von ihrem religiösen, noch eine Ahnung von ihrem nationalen Berufe haben. Da muß der Lehrer mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit in die Bresche treten; und das kann er nur, wenn er selbst bis in die innerste Faser seines Seins durchglüht ist von seinem Judenthume. Zu diesem hohen Ziele bedarf er der sorgfältigen Ausbildung, die hier doppelt ernst genommen sein will, weil das Material kein besonders gutes ist, wo cs meistens vom Dorfe kommt. Die beiden orthodoxen Seminare (Köln und Würzburg) nun sind Privat-Jnstitute mit beschränkten Mitteln und nicht, wie bei solchen wichtigen Institutionen eigentlich selbstverständlich, finanziell glänzend dotirte Anstalten mit vollgültiger staatlicher Berechtigung.

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