Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 83 (19.10.1899)
- Date
- 1899-10-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1734 Thäligkeit gestellt. In allen Aemtern, die der Verblichene seit nunmehr 24 Jahren leitete, hat er ein leuchtendes Vorbild treuester Pflichterfüllung gegeben, mit nie ermüdendem Eifer hat er seine besten Kräfte für das Wohl und die gedeihliche Entwickelung der Gemeindeinstitutionen eingesetzt. Mit den besten menschlichen Eigenschaften ausgerüstet, von edler HerzenSgüte, lauterer Gesinnung, von strenger Rechtlichkeit, hat er sich in seiner Schlichtheit die Liebe Aller zu erwerben gewußt und sich ein dauerndes Andenken in unserer Gemeinde gesichert. Die Beerdigung des Verblichenen fand heute unter sehr zahlreichem Trauergeleite statt. Die nur kleine Halle aus dem Friedhofe, Schönhauser Allee, konnte die nach hunderten zählende Menge der Erschienenen nicht fassen. Der Gemeindevorstand war in corpore erschienen, in großer Zahl die Repräsentanten und Vertreter der Gemeindeinstitutionen, das Beamtenpersonal der Gemeinde; sehr lebhaft war ferner die Betheiligung aus den Kreisen der hiesigen Börsen- und Finanzwelt. Auch der Staatskommiffar bei der Berliner Börse, Herr Geh. Regierungsrath Hemptenmacher, befand sich im Trauergefolge. Nach einleitendem Chorgesang hielt Herr Rabbiner Dr. Weiße eine tiefempfundene Gedenkrede, in der er die Charaktereigenschaften des Verstorbenen gebührend würdigte. Abermaliger Chorgesang beendete die erhebende Feier. -d- München, 15. Dct. Die ungerechtfertigte Haltung der „Germania", welche die Geschmacklosigkeit eines Berliner Witzblattes verallgemeinerte, um daraus dem gesummten Judenthum einen Vorwurf zu machen, wurde in Ihrem geschätzten Blatte schon treffend beleuchtet. Auch die hiesigen „Neuesten Nachrichteen" finden, daß die „Germania" in eine komische Situation gerathen sei, indem das Blatt, anstatt den „Ulk" mit wohlverdienter Verachtung zu strafen, die leidenschaftlichste und mit den ärgsten Grobheiten geführte Polemik gegen den „Ulk" inszenirte. Das hiesige Blatt findet die von der „Germania" ausgesprochene Drohung, die Judenfrage wieder aufleben zu lassen, als ein starkes Stück; ebenso die feindselige Stellung der „Germania" gegen die Juden, die dadurch zum Ausdruck kam, daß sie die antisemitischen Ausfälle der „Konservativen Correspondenz" ohne Weiteres übernahm. Die hiesige „Neuesten Nachrichten" finden nun auch, daß der „Germania" neuerdings bei dieser Bundesgenostenschaft etwas beklommen zu Muthe wird, indem sie die Wahrnehmung macht, daß antisemitische Organe eine feindselige Stellung gegen den UltramontanismuS einnehmen und neben „Front gegen Juda" auch „Front gegen Rom" schreien. Das hiesige Blatt meint: „Nun ist guter Rath theuer. Es wird der „Germania" schwer werden, die unhaltbare Position aufzugeben, in die sie gerathen ist, indem sie die ganze Judenschaft für Ausschreitungen verantwortlich machte, die in den Reihen der Juden selbst nachdrücklichst desavouirt und entschieden getadelt worden sind. Mannheim, 16. Dct. Mit der Ertheilung des israelitischen Religionsunterrichts am Knabeninstitut Schwarz dahier, welches von ca. 100 Schülern verschiedener Confessionen — worunter 25 Israeliten — besucht wird, wurde Lehrer Billigheimer Feudew heim, welcher seit 10 Jahren an der hiesigen Israel. Religionsschule thätig ist, betraut. Posen, im Oct. Neben der Umschau über jüdische Verhältnsse und Zustände im Allgemeinen, wie sie seit Jahren der „Israelit" für seine Leser bringt, ist es auch von Interesse, die Vorgänge in einzelnen Gemeinden zu beobachten, die von Zeit zu Zeit in diesen Blättern beleuchtet werden. So z. B. erregt der in der vorletzten Nr. enthaltene Bericht über die Zustände in Jnowrazlaw einiges „Schütteln des Kopfes." Sollte wirklich in dieser alten Gemeinde ein so krasser Jndifferentismus wuchern, daß man selbst an den höchsten Festtagen kalt und gefühllos bleibt? In dieser Hinsicht erfreuen wir uns hier doch ganz anderer Zustände. ES wird in allen hier zahlreichen Betlocalen täglich gebetet, wenn auch mitunter das etwas knapp ist. An den v'uwz dw sind aber sämmtliche Synagogen überfüllt, so daß noch einige Hotelsäle zur Abhaltung des Gottesdienstes eingerichtet werden müssen. Was aber das Wichtigste ist, es wird ps? ms gebetet. Von der jetzt üblichen Gepflogenheit, am tp eine oder einige Stunden Pausen zu machen, ist wenigstens in den beiden Hauptsynagogen, der alten und neuen Betschule keine Rede. Derartige Pausen haben nur die Wirkung, die Andacht abzulenken und die weihevolle Stimmung zu verflüchtigen. Auch reis wsw wird hier, so weit es in einer größeren Stadt möglich ist, noch von einem großen Theil der Gemeide beobachtet. Dazu trägt auch das Vorhandensein einer großen N2w bei, die der Gemeindevorstand vor einigen Jahren auf dem Vorplatze der Synagoge hat errichten lasten und die mit allem Komfort, Gaslicht, dem nöthigen Mobiliar und Waschgeräth versehen ist. Diese ra» gewährt den Gemeindemitgliedern, deren Wohnung die Herstellung einer eigenen 71212 nicht gestaltet, so wie auch Reisenden die Möglichkeit, 7121s rra® zu beobachten. In diesem Jahre besonders ist diese tdid mehr wie früher srequentirt worden, was wohl der eindringlichen Mahnung des Herrn Gemeinderabbiners in seiner vor dem Feste gehaltenen Predigt zu verdanken ist. Der Cantor der alten Betschule, Herr Finkelstein begeht am 8. November d. I. eine dreifache Feier. Er erreicht an diesem Tage sein 70. Lebensjahr; ferner hat .er genau vor 50 Jahren seine