Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 83 (19.10.1899)
- Date
- 1899-10-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449029--49293-2499816- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1785 Wirksamkeit als Cantor angetreten, während welcher Zeit er in mehreren größeren Gemeinden, in Plock, Bialystok und Kempen fungiert hat, bis er endlich vor 27 Jahren hierher berufen wurde, wo er zunächst 11 Jahre in der neuen, darauf seit dem Jahre 1884 in der alten Betschule als Cantor amtiert. Als solcher erfreut er sich der ungetheilten Zufriedenheit der Gemeinde, da er seine Stellung in umfassendster Weise ausfüllt. Er beherrscht nicht nur, wie nur selten ein anderer, die uns liebgewordenen alten Sangesweisen, sondern genügt, da er musikalische Bildung besitzt und über umfassende Stimmmittel verfügt, durch seinen angenehmen Vortrag auch den verwöhntesten modernen Anfordernngen. l-ust not least besitzt Herr Finkelstein auch tüchtige talmudische Kenntnisse. Bei seiner Beliebtheit innerhalb der Gemeinde und in dem weiten Kreise seiner auswärtigen Freunde und Bekannten ist eine zahlreiche Betheiligung an seiner dreifachen Jubelfeier mit Sicherheit zu erwarten. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag, io. Oktober. (Der Mädchenmord in Polna.) In ter Wohnung der Mutter der ermordeten Agnes Hruza in Weznitz fand im Aufträge der Staatsanwaltschaft eine Hausdurchsuchung statt. Ebenso wurde in der Wohnung des Bruders der Ermordeten eine Hausdurchsuchung vorgenommen. Beide Häuser waren während der Anwesenheit der Gerichts-Commissionen von Gendarmen bewacht. Die Durchsuchungen wurden äußerst gründlich vorgenommen. Es wurden sogar die Wände abgeschabt und die Fußböden aufgenssen. U ber das Ergcbniß der Hausdurchsuchungen wird Stillschweigen beobachtet. Wien, 16. Okt. (Zum Mädchenmord in Polna.) Das heutige „Deutsche Volksblatt" meldet gleichfalls von den Hausdurchsuchungen, die bei der Mutter und der Schwester der ermordeten Hruza vorgenommen wurden, weiß jedoch nichts Näheres über die Ergebnisse dieser behördlichen Maßregel zu berichten. Hienach wurde bei der Mutter ein Messer saisirt, das zum Schweineschlachten verwendet wurde. Das Gericht scheint es für möglich zu halten, daß dieses Messer auch noch einen 'andern, weniger harmlosen Zweck hatte, sonst würde es keinen Grund gehabt haben, das Messer mit Beschlag zu belegen. Weiters wurden nach der Mittheilung des antisemitischen jBlattes die Handschuhe und der Rosenkranz confiscirt, „welche die Mutter immer bei sich trug." Man erinnert sich nun, daß bei der Auffindung des Leichnams der Agnes Hruza der Rosenkranz, ihre Handschuhe und ihr Taschentuch vermißt wurden. Es mußte sogleich als auffallend erscheinen, daß der Mörder in seiner Aufregung nach der That sich die Mühe genommen, geringfügige Dinge sich anzueignen und insbesondere der Tobten die Handschuhe von den Händen zu ziehen. Man muß also glauben, daß die Behörde auch in diesen beiden gefundenen Gegenständen eine besondere Beziehung zum Morde vermuthet. Endlich wurden Kleider der Ermordeten saisirt, welche die Mutter inzwischen einer anderen Tochter geschenkt hat. ES sind dies natürlich nicht die Kleider, mit welchen der Leichnam Agnes Hruza's bei der Auffindung bekeidet war, sondern Kleider, welche sie früher trug. Eine Verhaftung wurde bisher nicht vorgenommen, es kann also vorläufig nicht von bestimmten Schlußfolgerungen aus den Resultaten der Hausdurchsuchung gesprochen werden. — Herr Dr. Baxa sendete der „Narodni Politika" ein anderthalb Spalten langes „Eingesendet" über den Polnaer Mord. Dieses „Eingesendet" wurde seinem ganzen Inhalte nach von der Staatsanwaltschaft confiscirt. Vermischtes. < Hamburg, 17. Oct. Gestern starb hier Frau Charlotte Embden. geb. Heine, Schweller des Dichters Heinrich Heine, sie erreichte das hohe Aller von fast 99 Jahren (18. Oct.) im* wird die Beerdigung morgen an ihrem Geburtstage auf dem israel. Begrabnißvlatz zn Ottensen stattfinden, vielfach tourte angenommen, sie habe vor Jahren einen Glaubenswechsel vorgenommen, welches sich also jetzt als irrthümlich herausstellt. Vor einigen Jahren empfing sie den Besuch der Kaiserin von Oesterreich, die eine große Verehrerin von Heinrich Heine gewesen. Die Hamburger Tagesblätter bringen Ausführliches über die Verstorbene. Hamburg. Der Bau einer weiteren mpD außerhalb deS Dammthors ist nunmehr in Angriff genommen, nachdem die Summe von ca. lo.OOO M. von gefetzestreuen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde dazu beigesteuert, worunter auch von auswärts von Herrn Lazar Lewifohn, Frankfurt a. M, M. 600.— gespendet wurden. Derajevo. Während der Feiertage wurden über 2000 Gulden zum Tempelbau gespendet. Hinge, en nlutz es jeden wahren Jehudi betrüben, zu hören, daß von den 190 österr. jüd. Familien kein Einziger, selbst Erwachsener, korrekt beten kann, während man bei den Spaniolen hier schon Knaben im Alter von fünf Jahren findet, die sehr gut beten und Bibel lernen. Frankfurt a. M. Schillerst!*. 41. ICO -H-Jr-Jr neben Caf6 Bauer ■jfiff Sensal; Für Immobllien-Hypotheken und Finanzirungen. [6857