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Der Israelit · 1899-10-19 · Heft 83 (19.10.1899) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 83 (19.10.1899)
Date
1899-10-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1729 schade, daß es vorerst vielleicht doch noch einige Menschen gibt, die diesen Glauben nicht hegen. Viel« leicht denken diese Einige daran, wie Dr. Sigl sich vor einigen Jahren in einer Bauernbund-Versammlung mit den Worten einführte: „Jetzt kommt der Reichstags-Hanswurst". Er wollte damit freilich einen Witz machen, hat aber unbewußt eine Selbstkritik geübt, denn als etwas anderes hat ihn wohl kein Einziger von seinen 396 Kollegen im deutschen Parlamente jemals betrachtet. Das „Deutsche Volksblatt" hatte in dem Artikel, welcher Anlaß zu dem Strafmandate gab, in bekannter Dreschflegel-Manier und in der blutrünstigsten Weife nicht blos über die Juden, sondern auch über Staatsorgane, Beamtenthum, Gerichtsbarkeit u. f. w. getobt und gewettert. Auch die Klerikalen empfingen hierbei die wuchtigsten Hiebe, da die Korybanten des „Deutschen Volksblattes" mit der Haltung der Klerikalen in der Ritualmord-Hetze recht unzufrieden sind. Der Grund hierfür liegt ja nahe. Es muß dem Antisemitengelichter arg in die Rase gekrochen sein, daß selbst als waschecht antisemitisch anerkannte Organe des Centrums unter Berufung auf die Bullen der Päbste, die Blutlüge für eine Fabel erklären und ihre Ausschlachtung verurtheilen. Das Deutsche Volksblatt beeilte sich, die katholischen Redaktionen, welche „den Juden so hilfreich beispringen", mit allerlei Liebenswürdigkeiten anzupöbeln und schloß seinen Wuihausbruch mit den Worten: „Eine saubere Gesellschaft, Dummheit und Niedertracht sind hier vereint." Vielleicht ziehen diejenigen ultramontanen Blätter, welche bisher mit den Antisemiten Schulter an Schulter kämpften, die Lehre aus der Behandlung, die sie von ihren Gesinnungsgenoffen erfahren. In einem neuerlichen Artikel des sauberen Blattes, „Polna in München", kommt neben vielen hübschen Stellen der schöne Satz vor: „Wenn bei uns in gewissen Ministerbureaus die Judenfürchtigkeit aus allen Aktenschränken herausschaut, bei uns ist von diesem Respekt aber auch keine Spur vorhanden. Mit Strafmandaten und Verurtheilungen schüchtert man uns nicht ein, wir haben das Fürchten nicht gelernt." Wie originell! Siegfried, dem Mime, das Fürchten beizubringen, vergeblich sich bemüht, in modernster Auflage. Natürlich, es gehört ein seltener Heldenmuth dazu, mit Tintenfaß und Druckerschwärze gegen das Judenthum loszuziehen, tausendmal gehörte und noch öfter widerlegte schändliche Lügen und schamlose Verläumdungen aufs Neue immer aufzutischen. Es ist freilich eine tapfere That, wenn Jemand, der sich erdreistet, als Schützer deutschen Wesens und deutscher Sitte sich aufzuspielen, in öffentlicher Volksversammlung auf fanatische Deutschenhasser und wüthige Deutschenfresser sich beruft, indem er Briefe des Franzosen Drumont und des Czechen Jaromir Husak, die ihn ob seines Kampfes gegen die Juden beglückwünschen, in einer .deutschen" Versammlung zur Verlesung bringt und hierfür „stürmischen Beifall" der Genossen erntet. Wenn ein solcher Volkstribun von sich behauptet, das Fürchten noch nicht gelernt zu haben, so kann sich Jeder hierbei denken, was er will. Aber Jeder wird ihm altestiren, daß dieser Volksbeglücker eines gründlich verlernt oder niemals gekannt hat — das Schamgefühl. Wenn gegen ein solches Treiben seitens der jüdischen Publicistik und seitens der zur Wahrung der Interessen des Judenthums berufenen Organe Front gemacht wird, so geschieht es um deßwillen, weil Jene nie alle werden, die glauben, was gedruckt wird, müsse auch wahr sein und weil seitens illoyaler Gegner Schweigen dahin gedeutet wird, als wären Widerlegungs-Gründe nicht vorhanden. Müßten nicht diese Erwägungen in Betracht gezogen werden, so fiele eS wohl Niemandem ein, den Preßtrabanten der Antifemitenblätter die Ehre einer Erwiderung und unverdienten Beachtung angedeihen zu lassen, denn die Würdigung, die ihnen gebührt, hat ein deutscher Schriftsteller wie folgt charakterisirt: „Es gibt Menschen, die wohnen auf dem Cimberasso der Gemeinheit. Der Witz, der sie da aufsuchen möchte, kehrt schon auf halbem Wege ermattet um und gesteht beschämt, ein Knüttel sei eigentlich besser, als eine Lanze." Hannover. Seinen ersten Bericht versendet soeben der hlesige Verein zur Förderung jüdischen Wissens. Der Verein, welcher durch ein dreijähriges Bestehen, sowohl die Berechtigung als auch die Fähigkeit seiner Existenz bewiesen, hat sich das Ziel gesteckt, „das Judenthum aus seiner Lehre und Geschichte kennen zu lernen." Dieses Ziel suchte er dadurch zu erreichen, daß seine Mitglieder selbstständige Vorträge ausarbeiten, sie halten und eingehend besprechen. Während seines bisherigen Bestehens sind durchschnittlich jährlich 20 Vorträge gehalten, wahrlich ein schönes Resultat, wenn man bedenkt, daß der Verein «0 Mitglieder zählt. — Für den kommenden Winter hat der genannte Verein einen Cyclus von Vorträgen veranstaltet, zu denen der Zutritt allgemein gestattet ist. Wir wünschen dem jungen Verein ein ferneres gutes Gedeihen.! Dsnx cws s^x D33 Ppr tmra* 'bx n Die Meier Michael Davidsche Freischule Hierselbst, welche im Frühjahr ihr einhunderljähriges Bestehen feierte, hat in den verflossenen Herbstferien einen gänzlichen Umbau erfahren. Obwohl das Bedürfniß zu einem solchen schon seit Jahren empfunden worden, konnte es bei der Ungunst der Verhältnisse nicht zur Ausführung kommen. Den aus Anlaß der Sä-

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