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Der Israelit · 1899-10-19 · Heft 83 (19.10.1899) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 83 (19.10.1899)
Date
1899-10-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1728 der prozentualen Besteuerung festzuhalten, denn wenn man bei dieser Art der Besteuerung bleibe, könne bei den mangelhaften statistischen Unterlagen niemals eine feste Basis für die Kaffe geschaffen werden, überdies sei die Belastung des Einzelnen im Verhältniß zu den Leistungen der Kasse zu hoch. Darum schließe er sich dem vorliegenden Anträge auf Festsetzung fixirter Beiträge, die je nach dem Lebensalter von 60 auf 120 Mk. steigen, an, ja er gehe noch Weiler und wünsche, daß die Beiträge auf 50 bis 100 Mk. festgesetzt würden. Was die Hilfskasse betreffe, so sei eS unzweifelhaft, daß diese den Mitgliedern an Pensionen weit weniger bieten würde als die Pensionskaffe; daher sei es ungerechtfertigt, hier die gleichen Beiträge wie bei der Pensionskaffe zu erheben, vielmehr müßten die Beiträge wesentlich ermäßigt werden, wenn es überhaupt Mitglieder der Hilfskaffe geben solle. — Der Korreferent Herr Hanff trat den Anschauungen des Referenten durchaus bei und wies noch darauf hin, daß der § 7 leicht zu Streitigkeiten führen könne, da aus ihm nicht ersichtlich sei, ob es sich um das Diensteinkommen oder um das Gesammleinkommen in steuerlichem Sinne handle, so daß auch alle aus nichtamtlicher Thätigkeit herrührenden Einnahmen mit einbezogen werden müßten. Er plädirte namentlich für die Mitglieder der Hilfskaffe, die schon an sich Berücksichtigung verdienen, weil sie durch unverschuldete Verhältnisse gezwungen würden, der Hilf«kaffe statt der PensiorWkaffe beizutreten. Der Vorsitzende erklärte, daß die geäußerten Bedenken gewichtig genug seien, um eine Aenderung des § 7 als wünschenswerth erscheinen zu laffen, doch hielt er es für nothwendig, an der prozentualen Besteuerung festzuhalten; die Hilfskaffe würde seiner Ansicht nach hauptsächlich auf die Beiträge ihrer Mitglieder angewiesen sein und würde bei geringen Einzahlungen nur Ungenügendes leisten können. Herr Professor Dr. Philippson wünschte, daß versicherungstechnisch noch einmal geprüft werde, ob die Prozente sich nicht ermäßigen ließen; an den prozentualen Beiträgen solle unbedingt festgehalten werden, da gerade die der Unterstützung Bedürftigsten, nämlich die Lehrer in kleinen Gemeinden, nie die Aussicht haben würden, bis zu 1O0 bezw. 120 Mk. zur Kaffe beizusteuern. — Herr Direktor Haberland machte darauf aufmerksam, daß gegen die prozentuale Besteuerung das Schwanken des Diensteinkommens spreche; bei der Gewichtigkeit der geäußerten Bedenken halte er es für zweckmäßig, von Beschlußfassung zunächst abzusehen und den Antrag durch eine aus drei Mitgliedern bestehende Kommission eingehend prüfen zu laffen. — Herr Rechtsanwali Dr. Lippmann meinte, daß an der prozentualen Besteuerung unbedingt fefizuhalten sei, weil sie die einzige Art der gerechten Vertheilnrig der Lasten sei, doch wünsche er, daß in § 7 statt „Diensteinkommen" „Erwerbseinkommen" gesetzt werde, damit auch das Nebeneinkommen ähnlich wie bei der staatlichen Steuereinschätzunz getroffen werde. Dagegen ist er für Einführung fixirter Beiträge bei der Hilfskaffe. — Nachdem noch Herr Handelsrichter Luftig den Antrag Haberland dahin modificirt hatte, daß die zu wählende Kommission aus dem Vorsitzenden, den beiden Referenten und einigen von diesen kooptirten Mitgliedern bestehe, wurde der Antrag Haberland mit dem Amendement Lustig angenommen. Der Antrag Peritz auf Aenderung einer ganzen Anzahl Paragraphen der Statuten, begleichen der Antrag des Lehrervereins „Mendelssohn" zu Hamburg wurden, da sie zu spät eingegangen waren, als daß die bestellten Referenten sich eingehender über dieselben hätten äußern können, der gleichen Kommission überwiesen. — Am Schluß berichtete der Schatzmeister Herr Lustig über den Kaffenbestand und erklärte sich bereit, mit der Bank, bei der die Gelder gegenwärtig deponirt sind, wegen einer besseren Verzinsung zu unterhandeln. -ä- München, 15. Okt. Wegen groben Unfugs, begangen in Zeitungs-Artikeln „Die Btutgräuel in Polna" erhielten der „ehrenwerthe" Ludwig Wenng, sowie der verantwortliche Redakteur des „Bayr. Vaterlandes" I. Schog je ein Strafmandat über Mk. 50. Wie das „Deutsche Volksblatt" zu melden weiß, haben „natürlich" Beide Berufung ergriffen. „Die besten Agitatoren für den Antisemitismus sind doch immer die Juden und ihre grandiose Dummheit" bemerkt hierzu das Revolverblatt. Wenige Zeilen weiter oben lieft man in demselben bei Besprechung eines anderen Falles: „Man weiß ja, wie die Juden stets durch die Maschen des Gesetzes schlüpfen." Es geht nichts über Logik! In der That, ein merkwürdiger Menschenschlag müssen diejenigen sein, welche so unsäglich schlau und gerieben sind, um die Hüter und Pfleger des Rechtes immer an der Nase zu führen und die zur gleichen Zeit durch „grandiose Dummheit" brilliren. Keinesfalls war es für den antisemitischen Scribler, welcher diese hübsche Leistung fertig brachte, nothwendig, erst noch zu erweisen, daß er „grandiosen" — Blödsinn zu produziert vermag, denn auf diesem Gebiete ist seine Meisterschaft schon längst unbestritten. — Als besonders welterfchütterndes Ereigniß weiß das „Deutsche Volksblatt" zu melden, daß der Herausgeber des „Bayr. Vaterlandes" Dr. Sigl die Vertheidigung seines Redakteurs Schog übernehmen wird. Wer wird diese Nachricht vernehmen und nicht vor Entsetzen in die Kniee sinken? Man denke! Dr. Sigl wird über Polna sprechen! Das ganze Judenthum ist dann mit einem Schlage vernichtet und im Nu sind Millionen von Menschen zu den alleinseligmachenden Lehren des Antisemitismus bekehrt! Nur

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