Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 83 (19.10.1899)
- Date
- 1899-10-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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mSische die Volkssprache der Juden. Darauf ist zu antworten: Das Hebräische ist die heilige Sprache ■npn ist die Sprache, in der 'n seine heilige mir geoffenbart hat, in der die Seher geweissagt und die Profeten gemahnt, und die Psalmisten gesungen haben. Sodann soll das jüdische Volk aus den hebräischen Gebeten die immer erneute Anregung gewinnen, in den hebräischen Urkunden der Schrift zu forschen. Als heilige Sprache ist das Hebräische aus innern Gründen, wie keine andere Sprache zur Abfassung von Gebeten geeignet. Es liegt ein geheimnißvoller Zauber in den hebräischen Worten. Ebenso schön, wie wahr schreibt Nahida Remy: „Alles Gedankenvolle erscheint in hebräischer Sprache noch gedankenvoller, alles Tiefe und Bedeutsame noch tiefer und bedeutsamer." Dies ist auch von nichtjüdischen Kennern des Hebräischen schon früh gerühmt worden. Der Kirchenvater Augustin, dessen offenherzigen „Bekenntnisse" den Franzosen I. I. Rousseau zu seiner Confession als Vorbild diente, nennt sie die edelste Sprache der Menschheit. Und auch in der Gegenwart schreibt der evangelische Theologieprofeffor Rud. Friedr. Grau in seinem Buch: Semiten und Jndogermanen in ihrer Beziehung zu Religion und Wissenschaft — in dieser Schrift betont Grau das prävalirende Gemüthsleben der Semiten (oaS weibliche Element im Völkerleben) gegenüber dem männlichen durch Vorherrschung des Verstandes ausgezeichneten Jndogermanenthum: „Weil die Sprache des hebräischen Volkes die Gewissenssprache der Menschheit ist, darum hat sie einen besonderen Ton und Klang, die sich in keiner anderen so wiederfindet. Es ist eine Sprache des Herzens, die darum auch in besonderer Weise das Herz trifft. Ihr Reichthum an unmittelbarem Gefühl und innerem Leben ist so groß, daß auch das geschriebene Wort noch eine besondere Lebendigkeit, etwas Persönliches bewahrt. . . . Die hebräische Sprache ist nicht mit der Prosa anderer Völker zu vergleichen, denn sie ist poetischer; wiederum kann man sie nicht poetische Sprache nennen, denn sie bewegt sich freier, ... sie bildet eine eigene Art: sie ist die religiöse Sprache. Wie es nicht gelingen wird, eine neue Religion zu erfinden', die besser im Stande wäre (als die jüdische) das Bedürfniß des menschlichen Herzens zu befriedigen, so wird man auch keine Sprache zurecht machen können, wslche göttliche Dinge entsprechender ausdrücken könnte. Wie ein Gedicht nur in der Sprache des Dichters ganz ausdrückt, was die Seele des Dichters wollte, so hat der religiöse Geist nur eine Sprache, die ihm gänzlich entspricht: Das ist die Hebräische." Für das Israel der Gegenwart ist aber noch aus einem andern Grunde die Beibehaltung der hebräischen Sprache für die Gemeindeandacht nöthig. Es ist die gemeinsame Gebeisprache das einzige Band, welches die über alle Länder zerstreuten Brüder verbindet. Man muß einmal in fremdem Lanse gewesen sein, sich den Tag über schlecht und recht in ungewohnter Sprache mit den Menschen unterhalten und dann am Abend eine Synagoge ausgesucht haben, wo die trauten Klänge der Heimath einem ans Ohr drangen, wo man die liebgewordenen Worte vernahm, die traute Jugenderinnerungen weckten, dann wird man es begreifen, welch starkes Band der Zusammengehörigkeit wir in der gemeinsamen hebräischen Gebetsprache besitzen. ZettungSirachrtchleir und Eorrespoudeuze«. Deutschland. Berlin, 15. Okt. Das Kuratorium der Pensions-, Witwen- und Waisenkaffe des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche hielt am 8. d. M. eine Sitzung im Bureau des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes ab. Anwesend waren außer der Mehrzahl der Berliner Mitglieder die Herren Rechtsanwalt Dr. Lippmann-Hamburg und Lehrer Steinhardt-Magdeburg. Nachdem der Vorsitzende, Herr Rektor Dr. Adler, die Versammlung begrüßt und namentlich den auswärtigen Mitgliedern für ihr Erscheinen gedankt, theilte er mit, daß zu seinem Bedauern die Eröffnung der Kasse zum 1. Oktober sich nicht habe ermöglichen lassen, da die landesherrliche Genehmigung noch nicht eingetroffen sei. Er wies ferner auf den Uebelstand hin. daß Anträge von Einzelpersonen gestellt seien, die erst in den Lehrervereinen hätten berathen werden sollen, bevor sich das Kuratorium pflichtgemäß mit ihnen befasse, wurde aber von Herrn Steinhardt darauf aufmerksam gemacht, daß bei Gründung der Kasse der Beschluß gefaßt worden sei, im ersten Jahre auch Anträge von Einzelpersonen zuzulassen. Darauf trat man in die Tagesordnung ein. Zunächst wurde über den Antrag des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands auf Abänderung der §§ 7 unb 15 der Statuten berathen. Herr Steinhardt, der diesen Antrag vertrat, führte aus, daß von vielen Seiten lebhafte Bedenken gegen die Höhe und die Art der Beiträge ausgesprochen seien, Bedenken, denen er sich nur anschließen könne. Einerseits glaube er, daß die Zahlung von 5—10°/0 des nachgewiesenen Gesammteinkommens eine zu hohe Belastung für die Mitglieder und für die zum Theil an ihre Stelle tretenden Gemeinden sei, weil namentlich die Gemeinden bei einer Gehaltsfteigerung doppelt belastet würden; andererseits sei es überhaupt mißlich, an