Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 82 (16.10.1899)
- Date
- 1899-10-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1714 den, wirkt dieses edle Vorgehen ganz besonders erhebend. Rußland. Petersburg, 30. Sept. Das Ministerium sür Bolksaufklärung bestimmt, daß die im März 1899 von der Kiewer Universität ausgeschiedenen Studenten mosaischer Konfession, welche später wegen des festgesetzten Maximalsatzes von zehn Prozent nicht wieder ausgenommen werden konnten, jetzt unbeschadet dieser Festsetzung doch wieder ausgenommen werden sollen. Es betrifft dies zweihundert Studenten mosaischer Konfession. Uersonakeri. Eharlottenburg. (Verspätet.) Die hiesige Orthodorie hat durch den Tod des Herrn JfaacRobinfohn der nur ein Alter von 57 Jahren erreichte, einen schweren Verlust erlitten. Ihm die letzte Ehre zu erweisen, hatte sich trotz des DHIMH DV my ein großes Trauergefolge eingefunden, den: sich auch die Vertreter der Vereine, denen er tm Leben nahe stand, anschlossen. Einer alten. hervorragenden Rabbinerfamilie entstammend, befaß der Verblichene Lugenden, wie man sie in unserer Zeit immer seltener findet. Schon in seiner frühesten Kindheit widmete er sich dem Talmudstudium, worin er sich große Kenntnisse aneignete, aber dabei war er auch mit den profanen Wissenschaften vertraut und mit seinem praktischen Sinn bethätigte er sich auf technischem Gebiete, auf welchem er Hervorragendes leistete. Ausgestattet mit einem kindlichen Gemüthe und großer Herzensgüte hatte er stets für Arm u. Reich ein offenes Haus und pflegte ETHIN nDJDH in der herrlichsten Weise. Seine Frömmigkeit war eine mustergiltigc, nnd wirkte er oft auch auf Andersdenkende günstig ein durch die feine Art, in der er seiner Religion lebte. Seine Selbstlosigkeit und Be scheidenheit machten ihn beliebt und geschätzt bei Jedermann. Nicht für sich; sondern für Andere zu wirken, war sein Ideal und es gelang ihm ein wahrer o»non oyi crnn □ y non zu sein. Den Wittwen und Waisen war er die stütze, den Kranken der Tröster, den Armen und Hilflosen der Wohlthäter und Berather. An seiner Familie hing er mit besonderer Liebe und Treue und mit seiner von ihm verehrten Gattin, gab er seinen Kindern eine vorzügliche Erziehung. Um die Einführung in den 'dn H3N 'HD vollziehen zu können, scheute er selbst weite Reisen nicht und mit Hingebung bekleidete er das Ehrenamt als nten tyj xnp >y2 uttb ypin ^yD. Der von ihm vor sechs Jahren gegründete „ReligionS-Verein Westen", mit seiner schönen Synagoge in der Passauerstraße, nahm eine große Entwickelung und zählt bereits zweihundert Mitglieder, während sich dem von ihm seit einem Jahre mit einem Berfaale in der Schillerstraße ins Leben gerufenen Verein „Chesed schel Emeß", neben welchem er eine Religionsfchule und Ehewra Kadischa schuf, erst vierzig Männer anschlofsen, weil der Verewigte durch eine mehrmonatliche Krankheit in seiner Wirksamkeit gehindert war. Es ist darum doppelt zu beklagen, daß dieser schaffensfreudige Mann, dem alle treuen Glaubensgenossen blindlings folgten. jetzt für immer die Augen geschloffen und seine segensreiche Thätigkeit ein Ende gefunden hat. Mögen sich neue Männer an feinem leuchtenden Beispiele begeistern und sein schöne- Werk zur Vollendung führen. Vermischtes. Berlin. Nach einer neuerlichen Verfügung des preußischen Eultusministers ist zur Vornahme der Nachprüfung im Hebräischen dt jenige wissenscha'tliche Prüfungskommission zuständig, in deren Bezirk entweder die Universität liegt, an welcher der zu Prüfende zur Zeit der Meldung studirt, oder daS Gymnasium gelegen ist, an welchem er das Zeugnis der Reste erlernt hat. München, 12. Okt. Der Hauptagitator der antisemitischen Partei, Ingenieur Wengg, erhielt vom Amtsgericht München ein Strafmandat über 50 Mk. wegen groben Unfugs. Es handelt sich um einen „Die Blutgreuel von Polua" überschriebenen Artikel, den Wengg in dem von ihm heraus - gegebenen „Deutschen Volksblatt" velöffentlicht hatte. Dr- Wengge hat gegen das Strafmandat Einspruch erhoben. Bosen« Nach dem 57. Bericht über den Stand und die Verwaltung der Israelitischen Waisenkuaben-Anstalt zu Posen (1897 und 1898) verpflegte die Anstalt im Durchschnitt 21 Zöglinge; außerdem wurden mehrere subvenlionirt. Wien, 1. Ort. Seine Majestät der Kaiser geruhten den ordentlichen Professoren an der hiesigen Universität, Tr. Simon Leo Rein i > ch und Dr. Emil Zuckerkand!, den Titel eines Hofrathes zu verleihen. Bukarest Das hier verbreitete Gerücht, daß viele israelitische Familien aus Rumänien auswandern wollen, um sich nach Arabien und Eypern zu begeben, ist unbegründet. London. Die in der Westend-Synagoge vollzogene Trauung der Tochter Lord Rothschilds mit Lieutenant Clive Behrens, einem Vetter des bekannten Hamburger Finanziers gleichen Namens, war unter dem Eindruck der kriegerischen Nachrichten aus Südafrika, wie so manche andere Eheschließung in diesen Tagen in England, beschleunigt worden. Dir junge Mrs. Eveline Behrens ist fest entschlossen, den ihr eben angetrauten Gatten nicht allein nach dem Schauplatz des drohenden Krieges abrcisen zu lassen. Aerrilreton. Wypen aus dem jWhetto. Von Dr. H. Sigmundfohn. 11) Nachdruck verboten. V. Döbele LÄnbeow Löbels Mutter zweifelte aber trotzdem nicht an seinem Talent, denn als sie eines Tages zu Reb Kafmon sagte: „Mein Löbele hat doch e' fein Köpfel, lernt wie e' Wasser;" da sagte Reb Kafmon, „er lernt wie e Waffer, kann nichts wie e Wasser, e so e Chanur G~) und Steintopf ist mir mein Leben nicht untergekommen." Doch die Mutter lebte immer der Meinung, daß Reb Kafmon kein tüchtiger Kinderlehrer ist, das Talent ihres Löbele gehe an desien Unfähigkeit zu I 62) Esel.