Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 82 (16.10.1899)
- Date
- 1899-10-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1712 Herzen sich willig und frei wieder öffnen und dem Worte des Propheten Eingang schaffen; nn bv os'bn vom* aiaai 0*102 -naa oapto nb un bcipb 7iv mobart» nottn mxb cnvp) pjiw „Gebet dem Ewigen, eurem Gotte, die Ehre, ehe eS dunkelt, und ehe eure Füße sich stoßen auf den Bergen der Dämmerung, ihr wartet auf Licht, Er macht es zum TodeSschatten und wandelt es in Finsterniß"10). Oder wollen es die Herren Reformer leugnen, daß die Reform mehr und mehr abwirthschaftet? Wieviele Gemeinden wünschen heute nicht aufrichtig die Orgel und all das bühnenähnliche Gepränge aus ihren Synagogen verbannt, nbiy po "own iar xb -ny „daß ihrer fürder nicht gedacht und dieses Schuldwerk wie Holz zerbrochen werde."") Anders ist es auch nicht möglich. In den kühnsten Wagesprüngen ist der Uebermuth der Neologie über die Schneegrenze des frostigsten Gottesdienstes bis zu seinem Gipfel schon lange erklommen. Der Sport dieser Art Bergtouristen erfreut sich in Israel einer auSgebreiteten, allgemeinen Beliebtheit; er währte auch längere Zeit, als es sonst üblich ist im Reiche der veränderlichen Mode. Höher hinauf geht es nun nicht; die Spitze ist erreicht. Da stehen sie und schauen hinunter ins Thal; aber das unter ihnen liegende Gebiet de- JudenthumS verschwimmt vor ihrem Fernblicke^) in Unklarheit und Nebel. So geht es wieder bergab. Wir sind in die Zeit der Reaktion eingetreten. Heiterer dürfen wir in die nächste Zukunft schauen, die die Fehler, die Jrrthümer der Gegenwart unter dem Beistände Gotte« wieder gut machen und der Religion die bisher unbezahlten Rechnungen begleichen wird. Das Wort des Propheten Jesaias fängt heute schon an Wahrheit zu werden: „Nicht schämt sich mehr Jakob und nicht erblaßt mehr sein Antlitz . . und eS lernen, die bisher irren Geistes waren, wieder Einsicht, und die Aufrührer beschäftigen sich mit der Lehre""). Einer nach dem anderen erkennt die Bedeutung des abrahamitischen 7b wieder an. Und so möge der Herr die Geister erleuchten, daß das Wort desselben Propheten sich in Bälde erfülle: pan nxbo vs vtnp in bsn vmtn xbi :yT xb ö’ko wb an» nvn „Sie Ihun kein Leid und richten kein Verderben an auf Meinem heiligen Berge; denn voll ist die Erde der Erkenntniß des Ewigen, wie Waffer, die die Meerestiefe bedecken." I4) 10) Jerem. 13, 16. 11) Li. 24, 20. 12) Jer. 51, 50 ne< pimo nai. 13) Jes.129, 22 ff. 14) 11,19. AeitrrrrgKrrachrtchteir und Eorresporrdenze«. Deutschland. BeEtt, 12. Okt. Vor mehr als zweihundert Jahren wurde hier von Mitgliedern der damals kleinen Gemeinde ein Verein Schaurn?r labaukeru-Mifchan- Awellim begründet mit der Aufgabe, neben der Abhaltung des Frühgottesdienstes bedürftigen Glaubensgenoffen in Trauerfällen beizustehen. Es werden den Trauernden zwei verschlossene Büchsen geschickt uno zu einer derselben der Schlüssel. Letztere maß geleert werden, und es bleibt dem Empfänger überlaffen, den dieser Büchse entnommenen Betrag zur Bestreitung seiner Lebensbedürfnisse zu verwenden oder in die zweite Büchse zu werfen. Da die Entleerung der Büchsen nur in Intervallen vorgenommen wird, weiß auch der Vorstand des Vereins nicht, wer die Unterstützung angenommen hat, und so wird der Bedürftige in der denkbar zartesten Form während der sieben Trauertage unterstützt. Durch das Wachsthum der Gemeinde genügen die dem Verein durch die Spenden in den Büchsen zufließenden Beiträge bei Weitem nicht mehr, um diese Wohlthaten in allen Trauerfällen zu erweisen. Der unter der Aufsicht de» Vorstandes der jüdischen Gemeinde stehende Verein möchte diese schon durch ihr Atter geheiligte Institution aber mitRcht nicht eingehen lassen; er hat im vorigen Jahre neue, den Zeitverhältniffen entsprechende Satzungen beschlossen und richtet hiermit die Bitte an alle Wohlthäter, diesem Verein als Mitglied beizutrelen, damit er in seiner zarten und diskreten Weise weiterwirken und so auch den kommenden Geschlechtern diese seg nsreiche Institution erhalten kann. Der Vorstand besteht aus den Herren I. Weinberg, Vorsitzender, Max Berg, Rendant. Martin Fernbach, Schriftführer, Rechtsanwalt Ignatz Holz, Max Lichtenftein, Emil Pincutz und Gustav Sachs. fftanffuti, 5. Okt. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur hat in diesem Winter seine Saison frühzeitig eröffnet. Bereits am 2. Oktober begann dieselbe mit einer Rezitation des Herrn Alfred Auerbach. Dieser trug eine größere Anzahl von Dichtungen Jehuda Hatevi's vor: Weltliche Dichtungen, religiöse Dichtungen und Hymnen, Zionsdichtung und Wallfahrtsdichtung und schloß mit Heine's Versen über dessen Tod aus dem „Romanzero". Das sehr zahlreich erschienene Publikum zollte dem Rezitator reichen Beifall. Was wir vermißten, war eine orientirende Besprechung des Lebens Jehuda Halevi's, da man bei einem gemischten Auditorium eine solche Kenntniß nicht voraussetzen darf.