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Der Israelit · 1899-10-12 · Heft 81 (12.10.1899) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 81 (12.10.1899)
Date
1899-10-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1688 fein, dir mit meiner Stammesverleugnung ergebenst aufwarten, durch Verachtung meiner Thauro deinen Beifall erhaschen, deine Gunst erringen zu dürfen." Und was ist fein Lohn für diese religiöse Selbsterniedrigung? Er kommt schließlich zu dem Bewußtsein, zu der beschämenden Erkenntniß „tun stm u mos?" Als Fremder und Beisaß gelte ich auch doch nur." Wozu all mein Religionsversteckspiel dem mir freundlich zu stimmenden Andersgläubigen gegenüber, wozu all meine quecksilberne Behendigkeit in dem Anfchmiegen an das Unjüdische, wozu all die sorgfältige und künstliche Verlarvung meiner semitischen Abkunft? Die Oeffentlichkeit nennt mich doch nur den Juden, behandelt mich doch nur als Juden, verhöhnt in mir doch nur den Juden. Ich habe alles verloren und nichts gewonnen, meinen Glauben verrathen, meinen Gott aufgegeben, mein Volk verlassen, meine Geschichte verleugnet. O, ich bin eigentlich nur „fremd und geduldeter Beisaß," fremd hier in meiner eigenen Religion und geduldeter Beisatz dort in der bürgerlichen Gesellschaft meiner nachbarlichen Umgebung, weder hier noch dort heimisch; ich bin eigentlich doch nur ein Zwitterwesen, das nach zwei Seiten hin lebt und deßwegen an beiden Seiten in gleichem Maße Anstoß und Unwillen erregt; ich bin wie ein von der Fluth gewiegtes Schilf, bald rechts, bald links mich biegend, wie ein im Winde schwankendes Rohr, wie das zitternde Laub der Esya; von zwei Gewalten hierhin und dorthin gezerrt und gerissen führe ich ein unbehagliches Doppeldasein, ohne innere Befriedigung. Hätte ich in dem Kampfe meiner widerstreitenden Gefühle zwischen meinem Gotte und meinen weltlichen Beziehungen doch lieber das -\b meines heiligen Glaubenberufes mir erhalten und gerettet, so wäre ich ein für mich ganzer n) Mensch, ein in wohlklingender Uebereinstimmung mit mir selbst lebender Mensch, ein in mir selbst harmonisch abgeschlossener Mensch, ein ungetheiltes, in jedem Betracht gleichmäßiges Wesen geblieben, Gott und der Welt gleich gefällig und angenehm." (Fortsetzung folgt.) Zeitirirgsirachrichte« «rrd Eorrefponvenzen Deutschland. Aus dem Elsaß. (Ein mißglückter Ausflug einer gefetzertreuen Juden in die Vogesen.) Drückend heiß war es! Die Sonne sandte ihre Gluthstrahlen unbarmherzig auf 20) niD’on tst aud) bai innerste Wesen des JudenthumS. Gott sprach zu Abraham daS ein« 'Tn ’JS1? "pnnn D’DH. Damit führt Gott Abraham in daS Israelitenthum ein. uns arme Bewohner der Fabrikstadt K., als ob wir an dem qualmenden Rauch der Schlote und an dem auswirbelnden Staub der Straßen nicht genug hätten. Ach, wie sehnte sich da das Herz nach einem erfrischenden Lufthauch. Während die Luft immer mehr Stickstoff uns zuführt, welcher das Blut mit rasender Eile durch die Pulse treibt, zaubert uns unsere Phantasie die Reize und die Lieblichkeit eines Luftkurortes vor unsere Seele, daß wir darnach lechzen, aus dem engen Kreise der unser Denken lähmenden Athmosphäre herauszukommen. Von solchen Gedanken beherrscht, faßte ich mitten im Monat August den Entschluß, mit meiner Familie für einige Wochen K. zu verlassen, und die reine Gebirgsluft eines Curortes zu schlürfen. Als ich diesen Plan meiner Frau unterbreitete, brachen meine Kinder in lauten Jubel aus. Dieser Jubel währte jedoch nur eine kurze Zeit und die Frage wurde rege, wohin eigentlich unser Ziel sein solle? Den Schwarzwald haben wir schon mehreremal besucht, auch die Alpen und die Schweiz haben wir durch unsere Umtriebe bereits unsicher gemacht. Also, wohin denn jetzt? Da fiel gerade mein Blick auf ein Verkehrsblatt der Vogesen, in welchem die Lieblichkeit der Vogesen angepriesen wurde. Ganz besonders wurde da von der Schönheit eines mir bisher unbekannten Ortes gesprochen, dem das bezeichnete Blatt die denkbar größten Vorzüge und herrlichsten Prädikate eines Luftkurortes anfabelt, von welchem ich bisher nur noch recht wenig vernommen hatte. „Zabern" soll nach dem Ausspruchc des Verkehrsblattes in sich die schönsten Vorzüge vereinigen, die eine nach Ruhe und Lust lechzende Seele wünschen könnte. „Männeken", sagte meine Frau, „von Zabern habe ich schon mal einen sehr schönen Roman gelesen „Die Gräfin von Saverne." Nun wird wohl auch Zabern romantisch sein. Gute Lust und romantische Gegend, was können wir noch mehr wünschen! Wohlan denn, machen wir uns nach Saverne auf!" Der Entschluß meiner Frau war viel rascher, als meine Ausführung, da man bekanntlich von der Luft allein nicht leben kann und um zu leben und in Sommerfrische noch zu leben, man auch ein gutes Diners und ein Souper zu wünschen berechtigt ist, so mußte ich zuerst als gesetzestreuer Jude festzustellen suchen, erstens, ob in Zabern eine jüdische Gemeinde sei, zweitens, ob es dort Restaurationen gibt, die sich der hungernden Menschen erbarmen und für Geld sie mit Speise und Trank laben und dann drittens, ob auch diese Restaurationen des Vertrauens würdig sind, ob die Schechita dem Religionsgesetze entspreche. Ich nahm nun den Volkskalender, der von der Buchhandlung I. Kauffmann in Frankfurt herausgegeben wird, zur Hand, schlage darin nach und finde zu meinem Entzücken, umrahmt von zwei mächtigen

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