Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 81 (12.10.1899)
- Date
- 1899-10-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1686 Das Wörtchen drücke Ich dir gleichsam als unterscheidendes Erkennungszeichen für die Ewigkeit auf die Stirn, das Wörtchen p hefte Ich dir für die Jahrtausende deiner Wanderung durch die Völker als gelben Fleck auf dein Kleid. Ich will, der Prophet Bileam soll über dich ausrufen: ptr "rcb w p spnrr t6 orai. „Siehe, ein Volk, gesondert wohnt es, und unter die Nationen wird es nicht gerechnet"^),' Ich will, der Antisemit soll mit Haman von dir ausrufen: n::tf crrm com pn mcoi ttsö inx cy vw oy ^30. „Da ist ein Volk, zerstreut und zersprengt unter die Völker, und ihre Gesetze unterscheiden sich von denen jedes anderen Volkes" 5 6 *). Das will Ich! Wenn du freventlich die dir eigentümlichen Sondergesetze Meiner Thauro mit Füßen trittst, so muß Ich die Völker auffordern, daß sie dich in das Ghetto deines immer wieder zurückwerfen'). Hinter all den scheinbaren Umtrieben von Judenfeinden lebt Mein Göttlicher, alle Vorgänge leitender Wille8 *). Wenn dir nicht auf diese Weise, untreues Volk Israel, das du dich der Namen „Jude und Judenthum" schämst, zugerufen wird: „Ihr seid Juden", was sollte dich daran erinnern, da du von tg» und rn, von mpo und tow, von iTn und p'ren nichts mehr wissen willst? Wenn Ich nicht auf diese Weise dir dein von dir vernachlässigtes und vergessenes p rette, wie sonst? Der nimmer verstummende Antisemitismus ist nur ein Zuchtmittel in der Hand Meiner beleidigten Majestät, er ist Mein aufscheuchender Mahnruf, Meine warnende Zornesstimme, Meine unter rollendem Donner und zuckendem Blitze erneute Offenbarung an mein Volk/) — ikto mw „Gott hat es gethan, daß sie vor Ihm sich fürchten" 10). Darum wundere dich nicht, Volk Israel, wenn in einer Zeit, in der die Worte: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" auf dem Banner der fortschreitenden Kultur prangen und sich die Menschheit zu immer lichterer Höhe der großen Ideen des Wahren, Rechten und Guten erhebt, der Name Jude in allen Weltgegenden, im heißen Süden, im kalten Norden, in den blühenden Gefilden der Zivilisation ebenso wie in den düsteren Ländern rohgesitteter Völker, ein Losungswort für Vorurtheil und Lieblosigkeit, ein Schiboleth für wüthenden Glaubenshaß, die Parole für Entfesselung der rohen Leidenschaften bleibt. Ich habe dich einmal 5) IV Mos. 23, 9. 6) Esth. 3. 8. 7) Vgl. Jes- 10, 5. 6: D3’3 81,3 .11201 ’£8 Ü2V 3108 V) ti-qj/ oy 3yi urttfc'N »ua ’oyr; Chag. ob ,38’ Nnvjy. Vgl. Aboth 3, 5. 8) Prov. io, 4: nyi O1'3 yen dji injyo3 3yv 72,- ähnl. Jes. 54, 16: 33O3 O'I32O 'O813 '3^81; Ehul. 130 b s'iv p pn. 0) Mechiltha rbvrz zu II Mos. 17, 13 878 PO so 83. nni“D ist. 10) Pred. 3, 14. unter den Völkern erkoren; du mußt, wenn auch mit Widerstreben, Mein Mir durch das p geweihte Volk von gesonderten Gesetzen und gesonderter Stellung bleiben. Ich lasse nicht von dir, wenn du dich auch von mir wendest"). Niemals rasen die Stürme der Glaubensverhetzung mit aufregender Gewalt gegen dich, niemals heulen die Schakale des religiösen Wahnwitzes mit wilderer Gier gegen dich, als gerade dann, wenn du dich von der Ursprünglichkeit deines p entfernt Haft. Wenn du selbst deines 3V dauernd eingedenk bist, so brauche Ich dich nicht in strafender Gerechtigkeit daran zu erinnern, daß „der Kenaani und der Perisi und der Amaleki im Lande wohnen". Bleibt immer meiner Thauro treu, treu im Herzen und in der That, bleibt immer glaubensfeste, religionstreue, gesetzesstrenge, in Ehrfurcht mir ergebene Juden, scheut den Kenaani nicht, schämet euch vor dem Perisi nicht, zeuget für Mich vor dem Amaleki, dann wird auch die unerbittliche Geschichte euch nicht so unsanft zum Bewußtsein des p wieder aufrütteln.12) Eines hängt am Andern. Das ist ein durch das Prinzip der thb n:j3 ,t®, der mit gleichem Maße zahlenden Wiedervergeltung auf der Bühne eures Glaubensdaseins von Mir in Scene gesetzter herber Spott geschichtlicher Wendungen. Ö ihr emanzipirten Juden, ihr glaubet, von der stolzen Höhe euerer bürgerlichen Stellung verächtlich auf euere Abstammung herniederschauen zu müssen, euren Gott und Seine Thauro verachten, verhöhnen, verleugnen zu dürfen, weil ihr euch gebildet wähnt, weil eure Söhne lateinische und griechische Brocken mühsam von den Schulbänken auslesen, weil eure Töchter Musik und Malerei treiben, weil eure Salons von Prunk strotzen?^) Weil das 11) Cant. 3, 4 US38 831 rniriN; vielleicht deutet dies auch schon die Thauro an — Lev. 20, 26 — D3I78 3’33N1 ’? ni’,33 croyn p „Ich sonderte euch ab von den Völkern, um Mir zu „verbleiben", ähnlich Deut. 4, 20. 7, 6. 14, 2. 26, 18 u. a. m. 12) Ps. 81, 14 OPO3 133,3' 13333 3832" '3 ym 'Op 13 ’T 3'N8 onns 3yi y\J38 dh^in Mischn. Rosch. Hasch. 3, 8. ' 13) Der zweite von den O138 's73O beginnt folgendermaßen : 8VUtf 33 £33813 13 313’» O32" 333 8V1 138 3D18 '33 D38D p 13 m8?m O'23p3 li383li. Nack Rabbi ist also der Weg zu wählen, der für den Menschen selbst 33833 ist und ihm auch in den Augen der Außenwelt O38OÖ einbringt. Was heißt das und warum zweimal dasselbe Wort O383O '.-' Allein O382O bedeutet zweierlei: Aeußeren Glanz, weltliche Machtstellung, irdische Herrlichkeit vergl. Jes. 3, 16. 13. 19. 52. 1. Er. 16,12 u. 17 u. 39, Est. 1, 4 u. oft.) auf der einen, höheren Stolz Krone der Heiligkeit, überirdische Erhabenheit (vgl. Ps. 7*, 61, also geradezu Bezeichnung für unsere min, ebenda 89, 18, Prov. 4, 9. 26, 12. I Chr. 29, 11 u. öfters - auf der anderen Seite. Beides vereinigte Rabbi, d. i. Rabbi Jehuda der Lrdner der Mischna, der, ein zweiter Moses, den höchsten Ehrentitel „Rabbi" auch ohne Nennung feines Eigenamens führte, anlehnend an U'33 rwn in fid}; er war als Abkömmling des Königs David von fürstlichem Geblüt, begleitete nach Außen