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Der Israelit · 1899-10-09 · Heft 80 (9.10.1899) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 80 (9.10.1899)
Date
1899-10-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1676 Dieses Wirthshaus war ein beliebter Aufenthaltsort der Gemeindemitglieder von E. Im Sommer, wenn die Lust heiß und ermattend war, da verbreiteten die Steinplatten der Brauhausgaststube Kühlung; der naheliegende Park machte die schattenlose Gluth, die außer dem Hause herrschte, doch erträglich, das kalte Bier wirkte auch erfrischend und im Winter verbreitete ein großer Kachelofen eine angenehme Wärme. Die Aetzung war gut und billig, deßhalb war auch die Gasthausstube des Brauhauses am Abend niemals leer. Die WirthShausleute des Brauhauses waren Boruch Wurstsuppe und seine Ehegattin Süffel. Boruch war ein schlichter Mensch, desto geriebener war Süffel. Süffel war eine rechte Schreierin, um eine Kleinigkeit machte sie das Haus de« Lärmen« voll. Und auch zu nachtschlafender Zeit, wenn der Schlaf ihre Augen stoh, war ihres Reoens und Aufbegehrens kein Ende. Wehe dem Gaste, der ihre Speisen schmähte, oder nur von den großen, reichlichen Portionen etwas übrig ließ, er konnte sicher darauf rechnen, daß er seiner Väter Sünden noch vorgerechnet bekommen wird; sie konnte eine Droschoh halten, bester, als der greise Row von E., wenn sie auch keine Gardinen besaß, das Predigen verstand sie mit der größten Geläufigkeit. Und dennoch war Süffel im Grunde ihres Herzens gut. Nie verließ ein Armer ungesättigt ihr Haus, niemand hatte in ihrem Hause jemals um eine milde Gabe vergebens angesprochen; sie öffnete ihr Herz und ihre Hand gerne der Stimme des Mitleides. Böse war nur ihr Mund. Sie war auch stolz, aber nur auf ihre Küche und in der That verstand sie Jngberkuchel und Kindel zu backen, Gänse zu braten, wie keine Frau in der Gemeinde. Wir betreten die Gaststube, die durch einige koschere Talgkerzen beleuchtet ist. Die Einrichtung besteht aus mehreren langen eichenen Bänken, ein paar Holzstühlen und einigen Tischen. Gleich bei der Thüre ist aus Latten ein kleiner Verschlag gemacht, dort stehen Bier und Weingläser, dahinter einer Thüre, die in einen Keller führt. ^Süffel steht hinter dem Schanktische, ihr Gatte sitzt an einem der Tische unter den Gästen und hat einen Halben Bier vor sich. Links vom Eingänge steht ein langer Tfich, an dem Reb Henoch Zahnbracher, Reb Jacob Löb Schlafstätter, Reb Kafmon, genannt ^blind Kafmonn, ein kleines unansehnliches Männchen, deffen kurzsichtige Augen von einer großen Hornbrille beschattet waren, Platz gefunden. Blind Kafmonn war zwar nicht blind, das Augenlicht war ihm nicht versagt, das köstlichste aller Erdengüler war ihm nicht vorenthalten geblieben, der großen Brille nur verdankte er diesen Namen. Reb Kafmonn war Melamed,36) Zizisanmacher, Lulowbinder, Schauforbläser und Vorbeter für die hohen Festtage. In seiner Jugend Talmudb'strffener, saß er zu Füßen großer Meister und brachte ein ziemliches Wiffen aus der Jeschiba^) nach Hause. Kaum 20 Jahre alt, ward ihm Beleh Schlag als Gattin angelraut. Die geringe Mitgift wir bald aufgezehrt, und Kafmonn war gezwungen, ein Cheder^) zu errichten, das ihn schlecht und recht ernährte. _ (Fortsetzung folgt.) 36) Lehren. 37) Talmudschule. 38) Wtnkelschule. Wochen - Kalender. Kreitug, 13. October, 9. Marcheschwan. Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M. 5 Uhr — Mi». Samstag, 14. October, 10. Marcheschwan, “p "p. Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt a. M. 6 Uhr 20 Min- - Berlin 6 Uhr 20 Min. — München 6 Uhr 08 Min. — Hannover 6 Uhr 10 Min. — Stuttgart 6 Uhr 21 Min. — Prag 5 Uhr 50 Min. — Straßvurg 6 Uhr 20 Min. — Posen 5 Uhr 41 Min. D» _3#t teilt" erfäetnt wöchentlich zweimal, lMnmtags u« DtaaertUft, jedeSmel i» «i»deste»s zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei her Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man adonnirl ganzjährlich» halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehme» Bestellungen an. — Ar» Buchhandel verkehrt durch A. Jf. Llriuarkrr, Leipzig, Motzplatz )$. — Inserate 26 Pfennig dieviergespalten« Petttze'le oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclamethetl 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 18 Krone» dsterr., für s Ausland 16 R«tch»»Mark, an di« Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 37*4. Telephon 315. •im Ustckfeahaag per mu Pie «rdaetion eingesandte« Mannferipten findet nicht statt, ma» dittet PeStzatt, stch »an allen Einsendungen «ine Capie »arückznvehaltea Etestensachende erhalten «af »ansch die Inseraten Beilage vier Wache» lang gratis aast fraaea »«gesandt Inhalt (chanptblatt). Leitender Artikel: Eine Protestversammlung. — Zeitungsnachrichten und Eorresvon denzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Mannheim. Straßburg. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. Teschen. England: London. Marocco: Mogador. — Vermischtes. — Feuilleton: Typen aus dem Ghetto. (Fortsetzung.) Inhalt der Beilager Leitender Artikel: Eine Protestversammlunq. (Schluß.) - Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Mutzig. Jnowrazlaw. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. England: London. Transvaal: Johannesburg. — Vermischtes. verantwortliche Redaktion; OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Main? Druck und Verlag der Joh. Wtrth'scheu Hosbuchdruckerei-Actten-Gesellschast tu Mainz. Hßsrrm eine Bettnge.

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