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Der Israelit · 1899-10-09 · Heft 80 (9.10.1899) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 80 (9.10.1899)
Date
1899-10-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1675 Aeirllletorr. Wypen aus dem Mstetto. Von Dr. H. Sigmundsohn. 9) Nachdruck verboten. V. Döbele DÄndrorv Reb Sußmann stellte sich in das Rädel, welches aus dem Roschhakohol23) R^b Jizchok Katz, Reb Gasche Mckech, Reb Jaunoson Wollhändler, Reb Boruch Strohsack, Reb Moscheh Gumperich und noch einigen Herren bestand, die am grünen Tisch ein Wort mitzureden hatten; als Vorsteher des Vereins Oser balhn24) paßte Rch Sußmann auch zu den Männern, die bei Kohol etwas galten. Der Roschhakohol, ein würdiger alter Herr mit grauem Schnurrbart, — Oberlippe und Wangen waren am Tage vorher mit sur. pigm. sauber barbirt worden — in seiner, schwarzer Kleidung, einen Dreispitz aus dem Kopfe, mit schwarzen Seidenstrümpfen, Halbschuhen mit Silberschnallen bekleidet, erzählte eben vom neuen Oberamtmanne, dem er heute seine Aufwartung gemacht Er gestikulirte eifrig mit den Händen, die mit große,» gelben Taschentuch und Schnupftabaksdose bewaffnet waren und ließ sich selbst durch Reb Sußmanns Ankunft in seiner Rede nicht stören. „Der neue Oberamtmann", so erzählte der Roschhakohol, „hat mich recht, hat mich sehr bekowed 25) ausgenommen. Er erkundigte sich über die Zahl der Familianlen, über die Höhe der Steuer, die unsere Gemeinde im letzten Jahre entrichtete, hat mich aber auch anhören lasten, daß man mit Geld bei ihm alles richtet. Bei der Religionsprüfung,2§) wird er den Benos Zion'-^) nur sehr wenig Aufmerksamkeit schenken, die Hauptsache ist ihm eine gute Prüfungslaxe." Kaum daß der Roschhakohol seine Erzählung beendigte, kam der greise Rabbiner, eine große, hoheitSvolle, ehrwürdige Gestalt, in langem schwarzen Rock, mit hohen Stiefeln und schwarzer Sammetmütze bekleidet. Hinter ihm schritt der Schames28) mit dem Hammer in der Hand, dreimal klopfte er an der Synagogenthüre und R b Henoch Zahnbrecher, der Meschubed23) der Gemeinde, begann mit dem Abendgebete. Als das Maariwgebet vorüber war, zählte 23) Gemeindevorsteher. 24) Hilfe der Armen. 2b) Zuvorkommend. 26) Jede Braut mußte sich beim O b.ramtmanne vor der Hochzeit eine Prüfung unterziehen. 27) Name des Religkonsbuches. 28) Tempeldiener. 29) Gemeindebeamter. der Rabbiner: heute sind 3 t Tage, welches sind: 4 Wochen und ti Tage im Omer. Die Gemeinde wiederholte Segensspruch und Omerzahl, dann erhob sich der Rabbiner von seinem Sitze und die ganze Gemeinde ging hinter ihm her. Reb Sußmann begleitete den Rabbiner bis zu besten Wohnung. Auf dem Wege dahin fragte er den Rabbiner, warum schreibt sich der Meschubed schochet weneemon und der Row schreibt sich nicht neemon." „Auf die Kaschje3") war ich heute nicht vorbereitet, und weiß auch keinen Terez3') darauf," erwiederte der Rabbiner. „Werd ich dem R^bbe32) den Terez darauf sagen. Der Meschubed leient am Purim die Megilloh, sagt die Aseres bne homon 33), bnischimoh achaS8*), macht das e so geschwind und doch glaubt man ihm und zählt ihm nicht nach, ob er keinen liegen gelasten, keinen verloren, deßhalb ist er ein Neemon, 85) der Rebbe zählt die Omer ganz laut vor und doch zählt ihm ganz Kohol nach. Daraus seht der Rebbe, man glaubt dem Row nicht einmal, daß er gut gezählt, wie sollte er dann Neemon schreiben können." Der Rabbiner lächelte vor sich hin und wünschte seinem Begleiter eine geruhsame Nacht; er hatte inzwischen seine Wohnung erreicht und auch sein Begleiter schritt seinem Hause zu. Blümle wartete schon mit dem Abendeffen, das an Reichlichkeit ersetzte, was ihm an Güte fehlt. Reb Sußmann war kein Kostschmäher und aß die große Schüssel Wassersuppe uud die Klöße bis auf den letzten Rest. Nachdem das Tischgebet verrichtet war, verließ er sein Haus, um auf eine Stunde in's Brauhaus zu gehen. Begleiten wir Reb Sußmann dahin, wir werden dort Gelegenheit haben, mit einem großen Theile der Gemeinde bekannr zu werden. Das Brauhaus war eine Schankwirthschaft, die zum Besitze des Grafen D. gehörte und seit uralter Zeit von Juden gepachtet war. Vor langen Jahren war auch eine kleine Bierbrauerei damit verbunden, wovon der Name Brauhaus geblieben, trotzdem es selbst seit Jahren schon zerfallen war. Das Schloß des Grafen D. lag aus einer Anhöhe, vom Brauhause führte eine Parkanlage zum einstigen Schlöffe der Raubritter. Der WirthfchaftShof war mit dem Brauhause verbunden. Schloß und die dazu gehörigen Gebäude lagen außerhalb der Stadt. Das Brauhaus stand auf einer Terrasse und ward von den Bäumen des ParkeS beschattet. Ein breiter Weg, der jetzt verödet war, führt von der Stadt in das herrschaftliche Wirthshaus. 30) Frage. 31) Antwort. 92) Rabbiner. 33) Die 10 Söhne HamanS. 34) In einem Athemzuge. 35) Beglaubigter.

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