Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 80 (9.10.1899)
- Date
- 1899-10-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1679 £9tarnte seit jeher gewohnt sind, die Gesetze in Treue zu beachten. zu schützen. (Bravo! Bravo!) Lassen Sie uns aukblicken zu der leuchtenden Gestalt unseres vielgeliebten Kaisers (die Versammlung erhebt sich unter stürmischen Hochrufen auf den Kaiser), dessen erhabene Gesinnung nicht nur seine Völker, sondern auch alle 'Nationen der Welt mit Ehrfurcht und Bewunderung erfüllt, dessen Edelsinn und Herzensgüte alle Bürger mit gleicher Liebe umfaßt, welcher Religion und Nationalität immer sie angehören mögen, der bei jedem Anlasse, zuletzt erst vor wenigen Wochen, seine getreuen jüdischen Unterthanen der landesväterlichen Huld ausdrücklich versichert hat. Lassen Sie unS, meine Brüder, in unserem heiligen Kamvfe um volle Gleichberechtigung immer neue Stärkung schöpfen audem hell strahlenden Wahlspruche unseres geliebten Monarchen: „Mit vereinten Kräften." (Stürmischer langanhaltender Beifall und Händeklatschen.) Die Resolution. Dr. Alfred Stern: Ich habe als Vorsitzender den glänzenden Ausführungen der beiden Redner nichts hinzuzufügen. Kehren mir zurück zum Ausgangspunkt der heutigen Versammlung. Als solchen bezeichnete ich die Frage, welche jetzt so actuell ist: Dürfen die Juden als Verbrecher und Mörder von religionswesen bezeichnet werden? (Stürmische Rufe: Nein!) Dieses Nein wollen Sie nun sprechen. Ich bitte Sie, folgender Resolution durch Erheben von den Sitzen Ihre Zustimmung zu ertheilen: „Durch die im Kuttenberger Gerichtssaale von dem öffentlichen Ankläger in verhüllter, von dem Vertreter der Privatbetheiligten in unverhüllter Form gegen die jüdische Glaubensgemeinschaft erhobene Blutbeschuldigung ist unser altehrwürdiger Glaube in feinen Grundlehren beschimpft, unsere Menschenwürde und unsere bürgerliche Ehre besudelt worden. In dem Gefühle tiefster Empörung erheben wir heute an dieser Stelle versammelten österreichischen Staatsbürger jüdischer Confession lauten Protest gegen die uns angethane Schmach, die zugleich eine Erniedrigung der Wahrheit, der Gerechtigkeit und Humanität und eine Erschütterung der Rechtsgrundlagen unseres geliebten Vaterlandes bedeutet. Gleichzeitig fordern wir als unser staatsbürgerliches und natürliches Recht, daß dieRegierung durch volle Anwendung des Gesetzes solchen lügenhaften, barbarischen und fluchwürdigen Beschuldigungen entgegentrete." (Langanhaltender Beifall. Tie ganze Versammlung erhebt sich.) Vorsitzender Dr. Stern: Die Resolution ist einstimmig angnommen. Ich schließe die Versammlung. Zeitungsnachrichten und Correfponderrzerr Deutschland. Mutzig, 3. Ott. Der letztverfloffene zweite n;»rr »in Nachmittag gestaltete sich für unfern Rabbiner, Herrn Dr. Goldfteiu, wie für die hiesige israelitische Gemeinde, als auch für sämmtliche zum hiesigen Rabbinat gehörende Gemeinden zu einem unverhofften Freuden- und Ehrentag, durch die, an diesem Nachmittag in den meisten reichsländischen, politischen Blättern veröffentlichte Mittheilung, daß Se. Majestät, Kaiser Wilhelm II, anläßlich der am 5. und 6. September in Straßburg stattgehabten Kaiserparade, allergnädigst geruht haben, Herrn Rabbiner Dr. Goldstein in Mutzig den rothen Adlerorden IV. Klaffe zu verleihen, eine allerhöchste Auszeichnung, derer, meines Wissens, mit Ausnahme der zwei letzt verstorbenen Oberrabbiner in Straßburg, bisher noch kein reichsländischer Rabbiner stch erfreuen dürfte. Die Herren Bloch, Lehrer und L. Reis waren die ersten, die stch beeilten, unserm Rabbiner, der gerade einen vvv über nr»n wn t» gemacht und zum dritten Male rwn wn ’co *]^ pm mit lauter Stimme wiederholt hat, die nsto .*rwa zu bringen: arc too Herr Rabbiner, wv riesen genannte Herren schon vom Hausgang aus ihrem in seinem Studierzimmer den pan 'w di’ö verrichteten Rabbiner zu. „Se. Majestät, der deutsche Kaiser hat Sie zum Ritter des rothen Adlerordens IV. Klaffe erhoben, tragen Sie dieses allerhöchste Ehrenzeichen im Kreise Ihrer lieben Familie in Gesundheit und in Rüstigkeit, in Freuden, im Glück bis in das späteste Greisenatter." Anfangs meinte Herr Dr. Goldstein, die Herren haben den Namen eines andern mit seinem Namen verwechselt, nachdem er aus der ihm vorgelegten Zeitung sich davon überzeugt hat, daß er in Wirklichkeit der Decorirte ist, sprach er mit Freudenthränen in den Augen die a'üom awi nra, dankte den on»ao für die Freude, die sie ihm bereiteten und entlitß sie mit dem Wunsch rrnpn möge ihnen noch öfters die >T2t geben msto wwa bringen zu können. Genannte Herren haben aber kaum die Wohnung des Rabbiners verlassen, da füllte sich schon dieselbe mit Gratulanten, die herbei strömten, dem Decorirten gegenüber ihrer Freude über die allerhöchste Auszeichnung Ausdruck zu verleihen. Nicht nur hier in Mutzig, auch auswärts erregte diese seltene allerhöchste Auszeichnung großes Aufsehen und freudige Theilnahme, wofür die zahlreichen Gratulationen und Glückwünsche, die unser Rabbiner heute noch mit jeder Post erhält, den glänzendsten Beweis liefern. Das Interessanteste bei dieser Ordensverleihung ist der Umstand, daß ein englisches Wettblatt: „Newcastle Evening Chronicle vom 16. September diese Ordenverleihung mit der DreyfuS-Angelegenheit in Verbindung zu bringen glaubte, und von dem in Paris erscheinenden Siecle" vom 19. September als oaare Münze ausgenommen wurde. Man steht, die Zeitungsenten haben gute Flügel! 8. Jnowvazlaw, 2. Ott. Sie sind vorüber die Reihe der schönen Feiertage! Wohl dem, der sie auch geistig genossen! Die lieben Leser dieser Zeitung, welche Jnowrazlaw persönlich oder vom Hörensagen kennen, dürfte ein Rückblick auf die hohen Feiertage, wie wir sie hier verbracht, interesstren. Die hiesige, starke jüdische Gemeinde hat während des ganzen Jahres zwei Bethäuser, die Synagoge und das Beth-Hamidrasch. Während des Jahres ist in der Syna-