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Der Israelit · 1899-10-09 · Heft 80 (9.10.1899) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 80 (9.10.1899)
Date
1899-10-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1680 goge in den Wochentagen kaum das nöthige Minjan zu beschaffen. Auch an den Sabbaten ist der Besuch äußerst spärlich. Dagegen ist der Raum für die hohen Feiertage viel zu enge. Der Vorstand hat seit einer langen Reihe von Jahren daher Vorkehrungen getroffen, indem er einen Saal während der hohen Feiertage zu diesem Zwecke miethete. Sehen wir uns den Gottesdienst in diesen drei Bethäuscrn während der hohen Feiertage an. Wer einen eigenen o^er gepachteten S'tz in der Synagoge hat, muß sich durch eine Einlaßkarte legrUnnren. Die Andacht dort ist im großen Ganzen sehr gering und die geringe Andacht ist durch die Vortragsweise des Hilfsvorbeters, den sich der Vorstand extra aus Berlin verschreiben ließ, auf den Gefrierpunkt gesunken. Das Gros der Zuhörer war derart entrüstet, daß von einer dieser heiligen Tage würdigen Andacht nichts zu merken war. In dem Saal (Ratantempel) versammeln sich größtentheils solche, die überhaupt nicht andächtig sein wollen. Zu Schachris lassen sich die hohen Herren und noch höheren Damen kaum sehen. Zur Musafzeit erscheinen sie, öffnen die Bücher, beten aber meistens nicht. Man sieht aber auch hier und dort neben den Gebetbüchern eine Zeitung offen liegen und auch der Unterhaltung wird gehörig Rechnung getragen. Die Damenwelt lebt dort recht in ihrem Element. Von diesem Betsaal läßt stch mit Recht sagen: L'nbre px pn nn »poi; dagegen wird das jüdische religiöse Gefühl so recht belebt, wenn man in das Bet-Hamidrasch kommt. Wohin auch das Auge blickt, sieht es die ehrfurchtsgebietenden großen Folianten aufgestellt und unwillkürlich muß man ausrufen: nn c'pcn »■«; rra. Hier herrscht die wahre Andacht. Die Gebete kommen von Herzen und dringen in die Herzen, ja ew *w. Die Vorbeter sind sich bewußt, vor wem sie stehen, da wird man inne, was “H und r’ zu bedeuten haben. Zu erwähnen ist noch, daß der erste Vorsteher des Bet-Hamidrasch, Herr C. Auerbach, obgleich ein Greis von fast 83 Jahren, es dennoch sich nicht nehmen läßt, das 'mn: br-Gebet vorzutragen. Von diesem Greis läßt sich wohl mit Recht sagen, die Weise seines Vortrages ist eines |pi, denn jedes Wort ist 219n». Es bleibt nur der eine Wunsch übrig, daß der Allgütige zur Verherrlichung Seines Namens und zur Zierde Israels uns diesen Greis noch recht lange erhalten möchte. Oefterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 6. Ott. (Der Mord in Pol na.) Die Welt schreibt: Wie uns von vertrauenswürdiger Seite im letzten Augenblicke vor Schluß des Blattes mitgetheilt wird, steht in der Affaire von Polna eine sensationelle Wendung bevor. Die Schuldlosigkeit Hülsner's dürfte sich, wenn unser Gewährsmann gut unterrichtet ist, sckon in den nächsten Tagen mit zwingender Beweiskraft Herausstellen. Der Verdacht der Mordthäterfchaft hat stch in den letzten Tagen auf eine Spur gelenkt, die man schon anfangs verfolgte, dann aber wieder ausgab. Näheres zu sagen sind wir in diesem Augenblicke nicht in der Lage. England.? London. Einem jüdischen Besucher von Teigcmouth in D vonshire siel dort im Verzeichniß der Mannschaft des Rettungsbootes der jüdische Name Samuel Nathan aus. Ec erkundigte sich näher und erfuhr, daß schon der Vater dieses Nathan Mitglied der Rettungsmannschaft gewesen sei. Der ältere Nathan hat als Matrose auf dem englischen Kriegsschiff „The Quecn" 120 Kanonen gedient, auch aus demselben den Krimkrieg milgemacht. Aus d mselben brachte er zwei Medaillen, eine englische und eine türkische Auszeichnung mit. Rach dcm Kriege ließ er sich in Teigemouth nieder, wo Vater und Sohn ihre Kenntnisse des Seewesens als Mitglieder der Besatzung des Rettungsbootes gemeinnützig verwerthen. Afrika. Johannesburg, 6. Okt. Tausende Eingeborene kommen gegenwärtig vom Lande in die Stadt. Die Behörden beschlossen, sie durch Eskorten wieder aufs Land bringen zu lassen. Gestern Abend betraten zwei Eingeborene den Laden eines jüdischen Kleiderhändlers, stachen demselben in den Nacken und durchschnitten ihm die Gurgel. Ja Eaftrad wurden zwei jüdische Ladenbesitzer ermordet. Die Eingeborenen, besonders die Koffern, plündern alle Stellen, wo sie Schnaps vermuthen. Johannisburg. Trotz der kriegerischen Stimmung, die in Transvaal herrscht, und trotz des dadurch bewirkten geschäftlichen Niederganges, ist cs der Jewish Ladies Communal League gelungen, die Mittel für eine elektrische Beleuchtung der Witw^terSrand Old Hebrew Synagogue disponibel zu machen. Die neue Anlage ist bereits im Betrieb und verschönert die hübsche Synagoge noch bedeutend. vermischtes 2 irma Zn unserer Kolonie hat man eine merkwürdige Entdeckung gemacht. In der Stadt Thiat Maja, wo seit Menschengedenken keine v\ubcn wohnen, hat man eine Judenstraße und einen jüdischen Begrnbnißplatz ent deckt. Es werden wissenschaftliche Forschungen in die Wege geleitet und man darf gespannt fern, was sich dabei ergeben wird._ Briefkasten der Redaktion. B. L. in 28.: Es sind vom Tage der mop 30 Tage zu rechnen, also sind die □'tt/Ptr erst am Montag Morgen, den 19. Cheschwan, d. i. 23. Sctober, zu Ende. Briefkasten der Expedition. I. St. in H.: Betrag von M. 10. — dankend empfangen.

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