Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 79 (5.10.1899)
- Date
- 1899-10-05
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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«WWW l,.U ).ymyj|. mVffWg,!-. > V -ü «1< 1663 tec jüdischer Familien, Inschriften von Leichensteinen, Selichoth, Testamente hervorragender Männer, endlich Urkunden zum Streit zwischen N. Jakob Pollak und Rabbi Abraham Minz (Menz) aus den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts; diese hochwichtigen und interessanten Dokumente sind ein kleiner Theil eines umfangreichen Convoluts von 168 Responsen italienischer Rabbiner aus der Zeit von 1520 bis 1818, die im Besitz der Fciedland'schen Sammlung sind, und von denen Herr Wiener ein alphabethifcheö Register der Verfasser, zusammen 100 Namen bietet. Es ist zu bedauern, daß man in dem Buche eine wohlgegliederle übersichtliche Ordnung vermißt, die unstreitig den Werth dieser an sich so bedeutsamen historischen Materialien beträchtlich erhöht Härte. Vorangeht eine in sehr schwülstigem Styl geschriebene Skizze der Blutbeschuldigung von Rushany (in Lithauen) vom Jahre 16)9. Mit Mühe kann man aus dem Wortschwall das Wesentliche der traurigen Ereignisie herausholen. In d<n Keller eines jüdischen Hauses, wurde, wahrscheinlich auf Anstifter der damals in Polen allmächtigen Jesuiten ein tobte« und entstelltes Christenkind geworfen; dann folgte, wie üblich, die Haussuchung und das Ausfinden des „Opfers." Die halbe Bevölkerung wurde in den Kerker geworfen, gemartet und da nichts herauszubringen war, so wurae, nach drei langen qualvollen Jahren, eine Art Bolksgericht gehalten, und zwar von den durch die Jesuiten haranguirten Bauern und Kleinbürgern der Umgegend. Dieser erlauchte Gerichtshof bestimmte, da man den „Mörder" nicht ausfindig machen konnte und da man aus Furcht vor dem Zorn des Königs es nicht wagte, alle Juden der Stadt hinzuschlachten, sich mit zwei der vornehmsten jüdischen Bürger zu begnügen. Als Opfer wurden R. Israel und R. Tobia auserwählt, die mit Freuden ihr Leben für die Gemeinde Hingaben und Gott priesen, daß er sie würdig gefunden habe, durch ihr Blut ihre Glaubenrbrüder zu retten. Am zweiten Tage des Rosch Haschana5420 (1659) wurden sie nach schweren Martern hingerichtet. Natürlich machten die stumpssinigen Henkersknechte den Versuch, sie vor der Hinrichtung dem Glauben der Väter abtrünnig zu machen. Aber die Märtyrer ließen sich in ihrem stillen, inbrünstigen Gebet nicht stören. Einige Tage nach der blutigen Exemtion kam die Entscheidung des Obergerichtes, welches sich inzwischen mit der Sache ebenfalls beschäftigt hatte, daß das Uctheil des „Volksgerichtes" aufzuheben und die Gefangenen fceizulaflen sehen. In Rushany wird an jedem Jom-Kippur das Andenken der frommen Märtyrer in pietätvoller Erinnerung gefeiert. — Auf diese Skizze folgt eine Reihe von Genalogien der berühmten Familien Eisenstadt, Bachrach, Günzburg, Heilprin (Heilbronn), Murwitz, Minz, Friedland, Katzenellenbogen, Rappaport und Rokeach, die in näherer oder entfernterer Verwandtschaft zu den Fimilien der gedachten Märtyrer stehen. Diese geneologischen Tafeln stammen aus der Feder des vor einigen Jahren verstorbenen Israel Tobia Eisenstadl der ein fleißiger aber kritikloser Sammler war. Herr Wiener hat sich bemüht, durch lehrreiche Fußnoten die Angaben des Verfassers zu berichtigen und so das Ganze etwas brauchbarer zu machen. Doch sind zahlreiche Jrrthümer stehen geblieben. So finden wir (S. 179) die Angabe, daß R. Aharon Chajim Rappaport, Prediger in Lemberg, (Vater des bekannten Kritikers S. L. Rappaport), ein Enkel des R. Salomo Rappaport, Rabbiner in Chelp und später in Posen gewesen sei. Nun werden auf S. 163—4 die Enkelkinder dieses R. Salomo Rappaport aufgezählt, ohne das des genannten Chawn Chajim sich darunter befände. Hier klafft offenbar eine Lücke. Die Pietät gegenüber dem Text dieser Arbeit hat Herr Wiener so weit getrieben, daß es offenbare grammatikalische Schnitzer wie rm rwn« und dergl. stehen ließ. Im allgemeinen jedoch wird man in allen Kreisen, wo man sür jüdische Cultur- und Literaturgeschichte Interesse hat, Herrn Wiener für diese inhaltreiche Publikation lebhaften Dank wissen. S. Zeitungsnachrichten und lkorrefpondenzen. Deutschland. Kleinwattstadt (Unterfranken). Es ist gewiß eine erfreuliche Erscheinung, wenn eine kleine Landgemeinde der Bildungsstätte ihrer Jugend besondere Pflege angedeihen läßt, wie dies bei der Kultusgemeinde Kleinwallstadt der Fall ist. Sie hat im verflossenen Jahre ihre Religionsschule in eine Elementarschule umgewandelt und in Befolgung der behördlichen Anordnung, einen SchulhauS-Neubau errichtet. Zur EinweihungSfeier dieses neu erbauten Schulhauses hatten sich am niV uw Nachmittags 3 Uhr die gesammte Kultusgemeinde und viele Auswärtige in dem festlich dekorirtenLehrsaale der neuerbauten Schule versammelt, woselbst sich auch auf Einladung der Kultusgemeinde Herr kgl. Bezirksamtmann Fischer aus Obernburg, Herr kgl. Lokalschulinspektor Pfarrer Löffler, Herr Bezirkstechniker Haas, der Herr Bürgermeister, Herren Gemeinderäthe und die Herren Lehrer des Ortes einfanden. Nach feierlichem Absingen eines WeiheliedeS durch die Schüler, trug eine Schülerin in wirkungsvoller Weise ein sinnvolles Gedicht vor. In seiner Ansprache,