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Der Israelit · 1899-10-05 · Heft 79 (5.10.1899) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 79 (5.10.1899)
Date
1899-10-05
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1664 die hierauf Herr Lehrer Grünfeld an die Versammlung richtete, brachte er dem himmlischen Vater unter Anwendung des PfalmistenworteS: „Wenn Gott nicht hilft ein Haus zu bauen, vergebens bemühen sich seine Erbauer damit", Lob und Dank dar. Dank zollte er hierauf den Schulbehörden für das Wohlwollen, das sie der Kultusgemeinde bei ihrem Unternehmen entgegenbrachden, der gefammtcnKultusgemeinde mit ihrem thalkräftigen Vorstand, für ihre Opferwilligkeit und Hingebung zur Sache. Des Weiteren hob er hervor, daß ein sittlich religiöser Geist das ganze Schulleben durchziehen, daß aber auch die Schule eine Pstanz- und Pflegestätte einer vernünftigen Bildung und der Liebe zu König und Vaterland sein müffe. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Landesregenten, Sr. kgl. Hoheit Prinz Luitpold von Bayern, schloß der Redner seine Ausführungen. Herr kgl. Lokalschulinspektor Pfarrer Löffler verlas hierauf ein Schreiben des kgl Diftriktsfchulinfpekiors Pfarrer Grünewald aus Mömlingen, der in freundlicher Weise für die Einladung dankte, sein Bedauern aussprach, infolge dringender Amtsgeschäfte an der Theilnahme verhindert zu sein und dem Wunsche Ausdruck gab, daß Gottes reichster Segen sich auf das neue Haus ergießen möge. In gleicher Weise hatte Herr kgl. Bezirksamtsafleffor Grill in einem Schreiben an den Kultusvorstand, der Kultusgemeinde die Glück- und Segenswünsche übermitteln lasten. Hierauf richtete Herr Pfarrer Löffler an den Lehrer Worte der Begeisterung, ermunterte ihn zur Berusssreude und treuer Pfl chterfüllung, ermahnte die Schüler zu Fleiß, Aufmerksamkeit und Gehorsam und bat die Eltern, die Schule in jeder Weise zu unterstützen. Herr Bezirksamtmann gratulirte der Kultusgemeinde, rühmte ihre Opferwilligkeit und äußerte den Wunsch, daß der bisherige gute Stand der Schule auch in das neue Haus übertragen werden k öge. Herr Bürgermeister Rohe dankte der Kultusgemeinde für das schöne Haus, das eine Zierde des ganzen Ortes sei, betonte das gute Einvernehmen der politischen mit der Kultusgemeinde. Hierauf dankte Herr Kultusvorstand Liebmann Freund allen Theilnehmern der Eröffnungsfeier und empfahl die Schule dem ferneren Wohlwollen der Behörde. Nachdem noch an die Schüler Lebkuchen vertheilt worden waren, besichtigte man die Räume, über welche volle Befriedigung allerseits herrschte. Mit Stolz kann die Kultusgemeinde auf ihr vollbrachtes Werk und ihre heutige Feier, die sich zu einem bttt rnp im wahrsten Sinne des Wortes gestaltete, zurückblicken. Und wenn wir auch bei einer gewissen Seite, von der man gerade eine Beihülfe hätte erwarten sollen, aus nahe liegenden Gründen merkwürdigerweise, einen grundsätzlichen Gegner fanden, so gedieh unser Werk doch vortrefflich, wobei uns die Zuwendungen zahlreicher Glaubensgenossen, d»e uns die Ausführungen unseres, Unternehmens ermöglicht hatten, wesentlich zu statten kam. Den edlen Spendern sei an dieser Stelle nochmals der wärmste Dank zum Ausdruck gebracht. Noch ist die Kultusgemeinde mit dem Ausbau ihrer Gemeinde- Institutionen nicht zu Ende. Es ist ihr sehr daran gelegen, ein zweckdienlicheres Betlokal und entsprechenderes Ritualbad als die bisherigen neben dem Schulgebäude auszuführen, sobald die geeigneten Mitteln zur Verfügung stehen. Möge Gott, der mit seiner hilfreichen Hand, bei Errichtung unserer Schule, uns so sichtbar beigestanden, auch unserem neuen heiligen Werke seinen Schutz und Beistand angedeihen lassen! Vermischtes. Niedenstein. Der diesjährige zweite Tag rmvi trt-n wird in unserer auS 24 Familien bestehenden Synagogen gemeinde nicht so leicht vergessen werden. Rach «Schluß des .Imv-Gottesdienstes — 4 Uhr — überzog ein heftiges Gewitter, das gewaltige Regenmassen, untermischt mit starken Schloßen, mit sich führte, unser Städtchen. Ein Blitzstrahl fuhr in die Wohn- und Geschäftsräume des Kaufmanns Moritz Gumpertö Wittwe und entzündete dasselbe. Das Feuer erg iss auch das angrenzende Wohnhaus des Schuh waarenhändlerS Adolf Wertheim. Beide Häuser, in denen nnmi HJO' eine Heimstätte hatte, und in denen man vorzugsweise die Mizwoh Q'iTUN D'JDn1? in reichem Maaße pflegte, wurden ein Raub der Flammen. Tie durchreisenden armen Glaubensgenossen bedauern lebhaft den Verlust, der die gastlichen VV 'rru betroffen. Mutzkg i Clsatz Rabbiner Dr. Gold stein hat den Rothen Adlerorden IV. Klasse erhalten. Paris. Daß auch hier ein großer Theil der jüdischen Gemeinde der arbeitenden Klasse angehören, beweist am besten die Gründung eines Arbeitervereins unter dem Namen „io Proletariat jiuf de Frauce1, der schon eine Menge Mitglieder zählt. Ter Verein ist offen sozialistisch, zugleich aber auch alö Kampfmittel gegen die Antisemiten gegründet. Rom. An dem diesmaligen internationalen Orientalisten kongreß, der in unserer Stadt demnächst tagen wrd, nehmen verschiedene Juden theil, darunter als Detegirte von England zwei Rabbiner. Herr Dr. Gaster kommt als Vertreter der königlichen asiatischen Gesellschaft und Herr Hermann Gollancz als Delegirter der Universität London. Petersburg. Der russische RkgierungSbote berichtet, daß das Justizministerium ein Gesetz ausarbeite, welches eine bedeutende Einschränkung der jüdischen Advokaten beim Konkursverfahren einführen werde. Vorläufig ordnete das Ministerium an, daß kein iüdischer Advokat mehr als drei Konkursmassen verwalten dürfe. New York. Die neuen Ziffern über die Einwanderung zeigen, daß dieselbe im Jahre 1898 betrug 291814 Personen, darunter 27 0d6 Juden. Aus Oesterreich-Ungarn kamen 54 689 Personen, davon 9921 Juden und aus Rußland 44 421, davon 15 429 Juden. Wie man sieht, kommen die meisten israelitischen Einwanderer noch auS Rußland, doch dürfte in diesem Jahr sich das Vcrhältniß ändern, denn die Emigration aus Galizien und Rumänien nimmt immer zu.

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