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Der Israelit · 1899-10-05 · Heft 79 (5.10.1899) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 79 (5.10.1899)
Date
1899-10-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XI* Jahrgang. Zweite Brilitgr;« JH 79 des JteraeUt“. Literarische Umschau. 8. Auf dem Gebiete der jüdischen Alterthumskunde ist noch vieles zu leisten, bis einmal ein vollständiger Einblick in das Leben und Treiben, in Sitten und Gewohnheiten der alten Juden gewonnen ist. So vieles Material liegt unerkannt, ja vielfach ungekannt in unseren alten Schriften angehäuft, das so recht geeignet wäre, den Forscher zu dankbarem Nachspüren zu reizen. Die Arbeit ist allerdings schwierig, aber sie ist lohnend, und nach einigen tapferen Anläufen der Neuzeit ist zu erwarten, daß die Forschung auf diesem Gebiete immer neue Pioniere finden wird. Das Feld dieser Thätigkeit hat auch Dr. Johann Krengel betreten, der mit einer, wenn auch nicht umfangreichen, aber sehr inhaltreichen Schrift: „Das Hausgeräth in der Mischnah" (Frankfurt a. M. 1899. I. Kauffmann) den Büchermarkt in willkommener Werse bereichert hat. Es ist die Kenntniß von den Gcräthen, deren Menschen im Hausgebrauch sich bedienen, ein höchst wichtiger Faktor für die Kenntniß der Höhe der Kulturstufe, auf der sich diese Menschen befinden, und so liefert die vorliegende Schrift einen höchst wichtigen Beitrag zur allgemeinen Kulturgeschichte, wie zur besonderen der jüdischen Nation. Unter den talmudischen Schriften ist es besonders die Mischnah, welche uns eine große Menge der im Gebrauch gewesenen Hausgeräthe aufführt, und hier ist es die Ordnung Taharoth, welche die größte Fülle bietet, wenngleich wohl kein Traetat ohne Ausbeute bliebe. Die Erklärung der Namen ist nicht immer ganz leicht, wenn auch die Commentare nicht fehlen, aber diese bedürfen hin und wieder der Berichtigung, manchmal ist durch Abschreiben das ursprüngliche Wort entstellt, und ist das Wort erklärt und gefunden, hat man philologisch und ethnologisch verglichen, so fehlt oft noch die richtige Anschauung von der Konstruktion des betreffenden Geräthes. Hier Licht zu schaffen, erfordert eine bedeutende Schaffenslust und hat viele Schwierigkeiten zu überwinden. Der Vers, hat in dieser Schrift gezeigt, daß er vor der Schwierigkeit nicht zurückgewichen ist, und daß Ausdruck und Fleiß sie ihn hat überwinden lassen. Der Verf. bringt die Hausgeräthe unter folgende Gruppen: 1. Tische, 2. Sitzmöbel, 3. Betten, 4. Behälter (Schränke und Truhen, andere Behälter), 5. Spiegel, 6. Beleuchtungsgeräthe. Indem wir nun die Besonnenheit der Forschung, wie sie sich in dieser Schrift zeigt, das echt wiffenschaftliche Streben und Schaffen anerkennen und sie empfehlen können, möchten wir jedoch auf einige Punkte, die wir zu beanstanden haben, aufmerksam machen. S. 2, 8. Für die neue Auffaffung des Verf. liegt keine Nothwendigkeit vor, und Maimonides' Erklärung giebt für diese keinen Anhalt. — S. 32. 4. nrn bedeutet in der Mischna niemals das Betpult des VorbeterS, erst in späterer Zeit hat das Wort diese Bedeutung angenommen und zwar, wie es scheint, aus Mißverständniß. Zur Zeit der Mischna betete der Vorbeter auswendig: ein Betpult war also keine Nothwendigkeit. Dar Wort hat nämlich in Bezug auf die Synagoge zweierlei Bedeutung, einmal bezeichnet es die bewegliche Lade, in welcher sich die Thorarollen befanden (vergl. Taanith II, 1.), dann auch das Pult auf der in der Mitte der Synagoge sich befindlichen Estrade, auf welches man die Thorarolle beim Verlesen des Wochenabschnitts legte, vielleicht auch die Estrade selbst. Daher das in der Mischna vorkommende rwn -ciy, nicht an die nz'n herantreten, sondern vor die navi hingehen, denn kann nur da angewandt werden, wo man das, vor welches man hintritt, im Rücken hat. DaS spätere "nr bedeutet dann vor den «npn pn« hintreten. Vgl. dazu Maim. Hil. Tefilla 11, 4. Vgl. Keffef Mischna das. u. Bet Josef, Tur Or.-Chajim ISO. S. 34, 11. Aus Maim. Kel. 30, I, ist gerade das Gegentheil von dem erwiesen, was der Verf. über sich auf jene Stelle beziehend sagt. Wenn es dort ausdrücklich heißt: nvvn rrouMi aWn oy, so kann letzteres Wort nicht einen Randfortsatz des Bodens bedeuten. Damit fällt denn auch fort, was der Verf. S. 36 über die sbw des ‘hm bemerkt. S. 46, 3. meist? für sich heißt nicht Eierschale, sondern nur in Verbindung mit narr. S. 47, 5. Was das Citat aus Hos. 7, 5 -. po non soll, verstehe ich nicht, da dieses st. constr. von nvn ist und auch gegensätzlich nichts mit zu thun hat. Zu S. 56, 2. dürste zu bemerken sein, daß nirwv allerdings vom Grdw. «tw stammt, daß aber die Hiftlform die Bedeutung anzünden, wie sie die Hifilform von r6y und die Afelform von angenommen hat. Diese wenigen Bemerkungen sollen nur das Interesse, mit dem wir die Schrift gelesen, beweisen; der Werth der fleißigen Arbeit, die wir allen Freunden des jüdischen Alterthums empfehlen, wiro durch sie nicht tangirt. — Den strebsamen Forschern, die sich angelegentlich sein lassen, auf Grund der Handschriften einen sichern und fehlerfreien Text deS so wichtigen Mischna-Commentars Maimonides', welcher in den

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