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Der Israelit · 1899-10-05 · Heft 79 (5.10.1899) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 79 (5.10.1899)
Date
1899-10-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1654 in Nr. 16 der »Allgem. Zeit. d. Judenth." „Diese Religionskommission hätte wie in Baden die Initiative für die Prüfung zuzulaffender Religionsbücher und für rein gottesdienstl. Fragen. Auf Grund der für alle biS 1815 französischen Gebiete. . . sage ich S. 117. Die Sitten- und Glaubenssätze beschränken sich auf die zehn Gebote u. s. w." Herr Geigel kommentirt also die rein gottesdienstlichen Fragen, über welche die Religionskommiffion zu befinden hat, mit seinen „Sitten- und Glaubenssätzen", was ich in meiner Kritik beanstandet habe. Quod erat demonstrandam! — Schließlich bricht der Herr Gegner noch eine Lanze für die „Sabbatverlegung." Ich will dem Herrn Gegner zugestehen, daß die Ausführung des Herrn Geigel hierüber vollkommen theoretisch find, denn an eine Verwirklichung ist überhaupt nicht zu denken, dann hätte sie aber Herr Geigel in seinem Entwurfsartikel in der „Allgem. Zeit. d. Judenth." nicht veröffentlichen sollen. Die Opportunitätsgründe, die der Herr Gegner seinerseits für die „Sabbatverlegung" anführt, sind nicht neu, von jeher hat es Menschen gegeben, die ihren Glauben der Nützlichkeit zum Opfer gebracht haben, und bedürfen keiner Widerlegung, da sie sich selbst widerlegen. Ich will nur hervorheben, daß sich der Herr Gegner irrt, wenn er glaubt, durch eine solche Verlegung würde die soziale Kluft zwischen Juden und Christen ausgefüllt, die Kluft konnten die verzweifelten Asfimilationsverfuche fahnenflüchtiger Juden, die selbst vor der Taufe nicht Halt machten, nicht ausfüllen. Dieselbe kann nicht durch den Verrath an unseren Religionsvorschristen, sondern nur durch achtungeinflößendeS, treues Festhalten an denselben überbrückt werden. Der Herr Gegner vergleicht die Verlegung mit der Gregorianischen Kalenderverbefferung, übersieht aber, daß diese vom Tridentiner Konzil, also der obersten kathol. Behörde unter Vorsitze des Papstes, aus innerkirchlichen Gründen (um das Osterfest immer am ersten Sonntag nach dem auf die Frühlingsnachtgleiche folgenden Vollmonde zu feiern), beschlossen wurde, nachdem man eingesehen, daß die Julianische Kalenderberechnung falsch war. Er übersieht ferner, daß keine isr. Kultusbehörde, und wäre sie noch so bedeutend, kompetent wäre, ein göttliches Gebot auch nur um eine Haarbreite zu modifiziren. Unseren Sabbat feiern wir aber am siebenten Tag der Woche, seitdem wir am Sinai das Gottesgesetz erhalten haben und in ihm die heilige Pflicht, deren Uebertretung die Thora mit dem Tode ahndet, den von Gott bestimmten siebenten Tag für alle Zeiten als Ruhetag zu feiern, und so lange Gott nicht selbst den Sabbat verlegt, kann er eben nicht verlegt werden. So denken die Millionen Juden, die in der Sabbatheiligung nicht in erster Reihe eine Schädigung ihrer materiellen Interessen, sondern ein heiliges Gottesgebot sehen, das wir mit freudiger Hingebung und Opferwilligkeit erfüllen sollen. Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 2. Okt. An der reichbesetzten Tafel in den Peltesohnschen Festräumen Burgftr. 16, versammelte sich am vergangenen min jirdip ein kleiner Kreis von gesetzestreuen Freunden, um den uwin dtd nvrtpn in wahrhaft herzerhebender Weise zu begehen. Die gehobene Stimmung, in der die Gesellschaft sich schon ohnedies durch die :rn nnat? befand, wurde durch die mw wrn, durch die von echt jüdischem Humor gewürzten pbin mrr» und die gemeinsam vorgetragenen firm bedeutend erhöht. Aus der Mitte der Versammlung wurde der Vorschlag gemacht, das pan jw*n nach amerikanischem Muster für eine im .na® zu versteigern. Derselbe wurde, nachdem er von einigen Herren der Tafelrunde unterstützt, und nachdem dessen Bedeutung von Herrn cand. Nankin mit wahrhaft jüdischem rinnen unter Zugrundelegung des Bibelverses jubö nptjt und unter Ausdeutung zahlreicher Midraschstellen nachgewiesen worden war, von der Versammlung mit lautem Beifall aeeeptirt. Die Versteigerung, an der sich alle ohne Ausnahme und in besonders hochherziger Weise Herr Abraham Kassel betheiligten, ergab ein Resultat von Rm. 105, 50. Der Betrag, der zur Hälfte dem Colonisationsvereine „Esra" und zur Hälfte dem Vereine „Hachnossath Orchim" überwiesen werden sollte, ist bereits an die beiden Vorsitzenden der Vereine Herrn Moritz Dorn und Herrn Dr. Meyer Hildesheimer abgeführt. Nachdem dann das Minchagebet in feierlicher Weise verrichtet worden war, schieden die Betheiligten in dem frohen Bewußtsein, nicht blos die rrn-pn i.-mtn mtj über p» ivtr> und bwiw flBJsn erfüllt, sondern auch eine wahre mxa bv nnap gefeiert zu haben. H. P. Berlin. (Die Ausschrotung der Polnaer Affaire.) Der deutsche Antisemiten-Bund, Zweigverein Berlin, veranstaltete gestern (Freitag Abend) eine öffentliche Versammlung bei Buggenhagen, auf deren Tagesordnung „Der Mädchenmord in Polna" stand. Die Versammlung, die sehr zahlreich besucht war, nahm folgende Resolution an: „Das deutsche Volk blickt mit Schaudern auf die furchtbare Blutthat bei Polna. Es erinnert sich dabei der ähnlichen Thaten in Deutschland, tii ungesühnt geblieben sind, nur weil man nicht glauben wollte, daß heute

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