Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 79 (5.10.1899)
- Date
- 1899-10-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449025--49206-2499725- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1652 schon von Ort zu Ort trug. Er lebte in geordneten Verhältnissen, wenn er auch nicht gerade über Reichthümer verfügte. Sein Vater hinterließ ihm zwar ein nicht unbedeutendes Vermögen, doch als nachgeborener Sohn, mußte er um die Familienstelle einen langen Prozeß führen, der den größten Theil seines Besitzes verschlang. Blumele war die Tochter von Reb Cheskel Schosberg, ein Jichus^). Reb Cheskel war langjähriger ChewraKadischa-Gabor17) und ein isch mechubor 18). Beim Aufsetzen der Tnoim rischaunim l9) hat Reb CheSkel seinem zukünftigen Schwiegersöhne 4000 Gulden in silbernen Zwanzigern auszuzahlen zugefagt. Reb Sußmann sagte zwar gleich bei der Verlobung, ich weiß, er wird mir die Hälfte abreißen, doch die Hälfte ist auch genug. Reb Cheskel gab auch in der That nur die Hälfte, doch er gab die 2000 Gulden, die er abreißen wollte, das heißt, er gab gar keine Mitgift, denn er hatte nichts mitzugeben, dessenungeachtet liebte und verehrte Sußmann sein Weib. Er ging Sonntag in's Dorf und kam Donnerstag Abend oder Freitag Vormittag nach Hause; Reb Sußmann war ein Dorfgeher. Es war ein schwerer Beruf; eine ganze Woche unter den größten Entbehrungen sich plagen und arbeiten! Reb Sußmann führte seine Käsebückse mit einigen Handkäsen und einen großen Brodlaib mit sich, davon nährte er sich die ganze Woche über. Ab und zu gab es zur Abwechlung ein paar frisch gesottene. Erdäpfel, die er in dem Topfe, den er bei der Bäuerin, wo er wohnte, mit dem mit Kreide beschriebenen „Koscher" zurückließ, auf dem offenen 16) Vornehme Familie. 17) Vorsteher des heiligen Vereines. 18) Geachteter Mann. 19) Erste Ehepakten. Herd kocht, oder er ließ sich in sein Gefäß einige Seidel Milch melken. Und doch war Reb Sußmann stets guter Laune, nie sah ihn jemand betrübt; er verdiente, was er für sein Haus nöthig hatte, und was brauchte er mehr! Die Bedürfnisse waren zu jener Zeit gering und das Gottvertrauen groß, unerschütterlich, und dieses Gottvertrauen war es, das die Gläubigen aller Zeiten durch all die Mißhelligkeiten und Stürme des Erdendaseins erhalten. Solches unerschütterliches Gottvertrauen war es, das Reb Sußmann erfüllte und dadurch zogen die Sorgen des Alltagslebens spurlos an ihm vorüber. Blumele war mit der Entlerung des Bündels fertig geworden und wieder in die Stube getreten, um neuerdings von der einstigen Leuchte in Israel, vom angehenden Landrow ein Gespräch zu beginnen, als auf dem Klopfer der Hausthüre drei Hammerschläge niedersauften und der Ruf zu Sfiras^o) Omer vernommen wurde; der Schames Jacob Löb Schlofstätter hat in Schul gerufen und Reb Sußmann folgte diesem Rufe umgehend. Wohl währte es noch eine halbe Stunde, ehe Jacob Löb fernen Rundgang durch die Judengasse gemacht und auf den Klopfer der Synagogenthüre die üblichen drei Schläge abgab, zum Zeichen, daß der Gottesdienst beginnen könne, doch vor der Synagoge standen die Rädloch, wo die Tagesneuigkeiten besprochen wurden und Reb Sußmann war doch begierig, was sich in den letzten Tagen in der Kehilloh zugetragen. „Scholaum alechem Reb Sußmann", ward ihm von allen Seiten zugerufen. „Scholaum Radbosai", war seine Antwort. (Fortsetzung folgt? 20) Zählen des Omer. Der .I s r«k I i t" erscheint wffchcntlicli cwfla«], Mmmtmgtf ui DeaieritAfri, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld- Ausland enisprechend höher. Mau adoonirt ganzjährlich, halbjährlich oder Vierteljahr.'ich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Ar» Buchhandel verkehrt durüi V. f Kletnarker, Leiprig, Liotzplah j8. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene PetttZeile oder deren Raum. Preis ver Zeile im Reclametheil 7b Pfennig. — Direct« Franco-usendung unter Streifband pro Jahrgang lür Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen ästerr., für s Ausland 16 RatchS-Mark, an di« Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3784. Telephon 315. «i»4 der «tt Pi« «edaetion Vtamifcrtptc» findet nicht statt, NM* hitteS Ve-halh, sich van ave« Ginseadnngen «ine «opte »urückru»ehatten Gtostensnchrnpe erhalten auf »nnsch die JttseratenBeilage vier Woche« lang gratis nnd frane» zngesandi Inhalt tHanptdlattd Leitender Artikel: War Hirsch 7": ein Homiletiker? — Zeitungsnachrichten und Cor respondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. Amerika: New-:york. - Vermischtes. — Feuilleton: Typen aus dem Ghetto. (Fortsetzung.) Inhalt der erste« Beilager Zur Organisation der Juden im Elsaß. — Zeitungsnachrichten und Corresponden-en: Deutschland: Berlin. Glogau. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. Frankreich: Pario. England: London. Amerika: Philadelphia Transvaal: Johannesburg. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Literarische Umschau. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Kleinwallstadt. — Vermischtes. Shtra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaktion: OScar Lehmann in MaMz. — Expedition 1c8 „Israelit", SLottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbuchdruckerei-Aktien-GeseÄschaft in Mainz. drei BtiUint