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Der Israelit · 1899-10-05 · Heft 79 (5.10.1899) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 79 (5.10.1899)
Date
1899-10-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1651 9 e u MI 11 * tt. f^fypert aus dein Whetto. Von Dr. H. Sigmttndsohtt. 8) Nachdruck verboten. V. Löbele Uttnvvow- Die Ehegattin von Reb Sußmann Beschorener beugte sich über die Wiege ihres Söhnchens und betrachtete das schlummernde Kind mit dem Entzücken der Mutter, welche ihren Erstgeborenen in seinem friedlichen Gedeihen bewundert. Das Entzücken war ein.um so größeres, als Blumeles Ehe mit Reb Sußmann fast 15 Jahre ohne Kinder geblieben. Ihr Beten und Bitten zu Gott war, einen Sohn, einen Kaddisch ihr zu schenken, und als Gott ihr Flehen erhörte, nannte sie ihren Sohn Löbele, denn sie sagte: „Leben und gesund soll er sein bis hundert und zwanzig Jahr/' Blumele war fast 40 Jahre alt, die Sorge um das tägliche Brod, die sie mit ihrem Gatten redlich theilte, war an ihrem Leben nicht spurlos vorübergegangen; doch in dem Augenblicke, als sie in dem Betrachten ihres Einzigen versunken war, strahlte eine Art Verklärung aus ihren Augen, es war, als wenn ihr Gesicht den Abglanz der rosigen Farbe des Lieblings trüge, die ihrem Antlitze einen jugendlichen, lieblichen Anstrich verlieh. Der Wohnraum, in dem sich Blumele aufhielt, war groß, geräumig, aber nur mit wenigen Einrichtungsstücken versehen; nur das Unentbehrlichste war vorhanden: ein Tisch, eine Kommode, ein großes Wäschespind, sechs Stühle, eine lange hölzerne Bank. Es sah in diesem Raume recht öde aus, doch jetzt war es feierlich in Blumeles Stube; das Mutterglück verlieh dem ganzen Raume eine gewiffe Feierlichkeit, einen hehren Glanz. Wer ohne Leibeserben, er gleicht bei Lebzeiten schon einem Verstorbenen, ist ein Lebendig-Todter, und nun hatte Gott ihre Gebete erhört, ihr einen Sohn, einen Kaddisch geschenkt, in dem sie fortleben wird. Blumele war noch so recht vertieft in dem Anblick ihres Einzigen, als sich die Thür öffnete und Reb Sußmann hereintrat; er kam von seinem Hausirgange aus dem Dorfe zurück und war mit einem schweren Bündel bepackt. „Scholaum elechemx); warum heute so frühzeitig, eS ist doch kaum vier Uhr," so begrüßte Blumele ihren Ehegatten. „Scholaum, Blümele, mein Kind, ich hob, gelobt sei der Oberste die Wochenparnoffe?), gedeckt und es wor mir ach e so bang noch dem Jüngel, leben und gesund soll er sein bis 130 Jahr, hob ich ehm doch seit Montag Vortags nicht gesehen." „Bist Du hungrig, Sußmon leben," fragte Blumele. „Loß mich erst das Kind leben ansehen," antwortete er und schreitet auf die Wiege zu. „Host e Briohb), host e Schmecker! Hundert Jahr soll er gesund sein und leben." Als diese kleine Zärtlichkeilsscene vorüber war, erkundigte sich die praktische Blumele nach dem Geschäftsgänge. Die Antwort fiel zu ihrer Zufriedenheit aus. „Weißt Du," begann sie nach einer kurzen Pause, „an was ich dachte, ehe Du kamst: unser Löbele soll Landrow werden. Wie der Row 4) Schabos Hagadol gedarschent5) hot, hob ich mir vorgenommen, wenn mir Gott einen Ben sochor6 *) schenkt, soll er auch Darschenen und mefalpel<) sein können; weil ober das Kind so eine Malchus Zuroh 8 *), soll er Landrow werden," und im Geiste Löbele schon als Landrow sehend, sagte sie: „Mein Landrow, hundert Jahr soll er leben." „Landrow, meinethalben Landrow," erwiederte Reb Sußmann. „Du glabst ein Row hot lauter Frad. Weißt Du nicht mehr, wie der Schulgaboi Reb Meier bei der letzten Droschoh „Pst Pst" gemacht und auf sein Stot^) geklopft hat und dabei geschrien, Rabauffai,l0) seiet ruhig, man hört schon kein rechtes Wort." „Reb Meier ist wohl Schulvorsteher," erwiederte seine Frau, „oder ein Amhorez,") wie es im Perek**) steht, e r Hot kein rechtes Wort gehört, weil er nichts versteht, aber die Lomdonim^) haben vor Raches gelacht, e so schön und fein war die Droschoh." Blumele nannte ihren Sohn nie mehr anders als mein Landrow und so blieb ihm auch der Name; Löbele Landrow." Löbele ist wohl nicht einmal Schoz-Moz") geworden, der Name Landrow aber blieb ihm für alle Zeiten. Wenden wir uns aber vorerst dem Vater unsres Helden zu. Reb Sußmon Stuffer^), so wurde er von den Gemeindemil gliedern genannt, weil er stets in der Laune war, einen derben Witz zu machen; Reb Sußmann war ein großer, robuster Mann, den Kopf, der von einem schwarzen Barte und gelocktem Haupthaar umrahmt war, hielt er etwas vorgebeugt, das kam von dem schweren Bündel, den er seit Jahren 2) Bedarf für die Woche. 3) Schönheit. 4) Rabbiner. 5) gepredigt. 6) Sohn. 7) disputiren. 8) Gesicht wie ein Prinz. 9) Betpult. 10/ Meine Herren. 11) Unwissender. 12) Sprüche der Vater. 13) Die Gelehrten. 14) Abkürzung für Scheliach Zibur und Moreh Zedek Vorbeter und Rabbinat-assessor. 15) Spaßmacher. 1) Friede mit Euch.

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