Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 78 (2.10.1899)
- Date
- 1899-10-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1638 wirthschaftlichen Produkte. In Cypsrn dagegen das nur drei eigentliche Städte hat, deren Bevölkerung kaum ein Siebentel der Gesammtziffer ausmacht, fehlt der Abnehmer der Bodenprodukte fast gänzlich, der Ueberfchuß derselben mutz erportirt werden und die dafür erzielten Preise sind viel niedriger, als im heiligen Lande. Ist somit auch, wenn die Wahl stände zwischen Cypern und Palästina, das letztere schon aus materiellen Gründen vorzuziehen, so ist doch andererseits eine solche Wahl gar nicht nöthig, denn man kann sehr wohl heute für beide Kolonisationsziele eintceten. Die Auswanderung unserer Glaubensgenossen aus Rußland, Rumänien, Galizien ist so groß, daß man alle Möglichkeiten einen Theil zu kolonisiren wahrnehmen muß. Andererseits muß natürlich jeder Plan zu einer solchen Unternehmung sachlich geprüft werden, um ein Fiasko zu verhüten, und wir glauben daher, daß das Urtheil über die Vorschläge des Herrn Trietfch eben so wie in Berlin lauten sollte: Dieselben sind abzulehnen, aber die Joee die Juden in Cypern zu kolonisiren, ist weiter zu verfolgen und auf Grund genauerer Informationen ein besserer Plan aufzustellen für eine derartige Kolonisation. Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzen Deutschland.? Köln. Die „Kölnische Volkszeitung", das größte Organ des Centrums, bringt eine sehr verständige Besprechung des Prozesses in Polna, in der auf die vielfachen Widersprüche in diesem Prozeßverfahren hingewiesen wird. Zugleich bedauert die Zeitung das Wiederauftauchen des Ritualmärchens, das nur zur Verwirrung der Situation dienen kann. Die Zeitung schreibt: Die Möglichkeit ist vorhanden, daß der bei vielen Völkern in den verschiedensten Formen begegnende Blutaberglaube, der Wahn, sich des menschlichen Blutes zu gewissen abergläubischen Zwecken bedienen zu können, den Schlüssel für die Mordthat in Polna bietet; aber unter allen Umständen ist es zu verurtheilen, wenn man ein derartiges Vorkommnis, wenn Juden daran betheiligt sind, zum Ritualmord im eigentlichen Sinne, zu einem grauenhaften Bestandtheil des mosaischen Kultus stempelt. Der unzählige Mal gemachte Versuch, den Rilualmord als jüdische Institution nachzuweisen, ist ebenso oft gescheidert und seit Jnnocenz IX im 13. Jahrhundert hat eine Reihe von Päpsten in feierlichen Kundgebungen die Blutbeschuldigung zurückgewiesen. Daß sie immer wieder auftaucht, beweist dagegen nichts. und jedenfalls bilden seit dem Mittelalter die Opfer wirklicher oder angeblicher Ritualmorde eine verschwindende Minderheit gegenüber der Zahl der Juden, die infolge der Blutbeschuldigung Opfer der Justiz oder der Volkswuth geworden sind. Wer sich versucht fühlt, an die vielfach dunkelen Gerichtsverhandlungen in Kuttenberg eine allgemeine Judenhetze anzuknüpfen, möge nicht vergessen, daß neben dem Worte: „Du sollst nicht tödten", das andere steht, „Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten." Polmar, 25. Sept. Bei einem Ausfluge in das reizvolle Gebweilerlhal ist Schreiber dieser Zeilen kürzlich auf einen Friedhof aufmerksam gemacht worden, der wohl zu den originellsten Erscheinungen dieser Art gehören dürfte. Eine hübsche Straße führt von der Bahnstation Sulz nach dem industriellen Orte Jungholz. Unmittelbar bei dem Letzteren befindet sich nun ein sehr großer israelitischer Friedhof, obwohl Jungholz selbst gegenwärtig fast gar nicht von Israeliten bewohnt wird; ein Einwohner behauptet sogar, der Todtengräber des Friedhofs sei der einzige Israelit am Orte. Trotzdem wird der um einen Hügel herum angelegte Friedhof fleißig benutzt, wie eine ganze Reihe frischer Gräber auf den ersten Blick erkennen lassen. Und zwar werden die Tobten nicht nur aus den verschiedensten Theilen des Elsasses selbst, sondern auch aus Frankreich, speziell aus Paris, von zahlreichen alten jüdischen Familien, deren Vorfahren seit Generationen schon an dieser merkwürdigen Todtenstätte beigesetzt wurden, vielfach hierher zur letzten Ruhe verbracht. So wurde wenigstens mitgetheilt. Es soll das mit der Thatsache Zusammenhängen, daß bis in die neue Zeit herein den Israeliten im Elsaß fast nirgends die Anlage von eigenen Friedhöfen gestattet war. Jungholz soll nun früher eine sehr starke israelitische Bevölkerung besessen haben, der schon in alter Zeit die Anlage eines großen Friedhofes erlaubt wurde. Wann dies geschehen ist, konnten wir nicht erfahren. Die Gleichförmigkeit der zahlreichen Grabsteine, die einen eigenartigen Eindruck macht, läßt nicht ohne Weiteres daran denken, daß hier auch zahlreiche, sehr reiche und angesehene Familien vertreten sind, die den kostspieligen Transport ihrer verstorbenen Familienmitglieder vom Aus lande her bis in dieses vom größeren Verkehr ganz abseits liegenden Vogesendorf nicht scheuen. Die hebräischen Inschriften der vielen alten Grabsteine dürften wohl nach mehr als einer Richtung von Interesse sein. Oesterr.-Ungar. Monarchie.? Wien. Die „Welt" dementirt entschieden die von einer Mssfionszeitschrist ausgestellte Behauptung, das Aktionscomite der zionistischen Partei habe