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Der Israelit · 1899-10-02 · Heft 78 (2.10.1899) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 78 (2.10.1899)
Date
1899-10-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XX. J-Hrgang. Erste Beilage zu M 78 des „Israelit". Feuilleton. Cijpnn ois Ziel Wischer Monisten?) (Schluß.) So viel ist gegen das Klima von Cypern geschrieben und gesprochen worden, daß ein unparteiischer Bericht gewiß willkommen sein wird. Für die, welche ihrer amtlichen Stellung wegen während der Sommermonate auf dem flachen Lande bleiben müssen, wo die große Hitze stets der Gesundheit der Europäer unzuträglich sein wird, hat es sehr ernste Nachtheile; von Mitte Oktober bis Mai ist das Klima sehr angenehm, die fünf dazwischen liegenden Monate aber sollten in höher gelegenen Gegenden zugebracht werden, die, wie ich bereits erwähnt habe, verschiedene Klimaten aufzuweisen haben. In gleicher Weise äußern sich auch die anderen Schriftsteller über Cypern. Natürlich ist das Klima sehr verschieden auf einem Eiland von solcher Größe, natürlich gibt es auch gesunde Striche, aber ein großer Theil der Insel ist des Fiebers halber schwer zu kolonisiren. Sicher ist, daß fruchtbare Terrains in so großer Ausdehnung, wie etwa 1000 oder selbst nur r 00 Familien brauchten, nicht vorhanden sind, das jetzt unfruchtbare Land könnte freilich durch Entwässerung von Sümpfen oder durch Berieselungsanlagen in jetzt dürrem Lande fruchtbar gemacht werden, beides aber sind kostspielige Anlagen, deren Kosten Herr Trietsch nicht in Anschlag bringt. Was endlich die letzten Punkte des Projektes Trietsch angeht, so muß konstatirt werden, daß zwar die zukünftigen Kolonisten wie er will, alle Arbeiten allein machen können, daß dies aber viel theurer kommen würde, als wenn ein Theil der ersten Jnstallirungsarbeiten von gelernten Handwerkern des betreffenden Gewerbes gemacht würden. Wenn z. B. die Häuser von den Kolonisten selbst gebaut werden sollten, so würden dieselben mit Herstellung der Ziegel, Transport derselben, sowie der anderen Baumaterialien und dem Bau selbst viel Zeit verlieren. Während dieser Zeit müßten sie doch leben, d. h. auf Kosten der Kolonifationsfonds leben und da sie ungeübt sind und deßhalb langsam arbeiten würden, so käme schließlich die Geschichte viel theurer, als wenn Maurer in Lohn den Bau errichteten. Die Kostenberechnung hat sich Herr Trietsch *) Siehe Nr. 71. des „Israelit". überhaupt sehr leicht gemacht, sie hat nur den Fehler, daß sie nicht stimmt. Zwei große Positionen, nämlich die Summen für Landkauf und für Häuserbau fehlen schon in seiner Berechnung, deßgleichen fehlt eine namhafte Summe, nämlich die Beschaffung von Vieh und Ackergeräth. Endlich ist sicher, daß selbst, wenn alles klappt und die eben genannten Ausgaben hinzugerechnet werden, die Kolonisten dennoch nicht in einem Jahre sich selbst erhalten können. Die Landwirthschast ist kein Rechenexempel und ihre Erfolge sind noch von vielen komplizirten Faktoren abhängig, besonders vom Wetter, Heuschrecken ec., die Herr Trietsch nicht beachtet, die sich aber bet einer praktischen Verwirklichung seiner Pläne recht kräftig und besonders dem Geldbeutel deutlich fühlbar machen würden. Unter diesen Umständen ist es wohl verständlich, daß die Herren in Berlin bei allem Wohlwollen für die Ideen der Kolonisation Cyperns Herrn Trietsch ganz unreife Pläne rundweg abgewiesen haben und erst Informationen einzuholen beschlossen, die ihnen dieser nicht geben konnte. Seltsamerweise hat Herr Trietsch sich nun an die Zionisten gewandt und hoffte auf dem Kongreffe durchsetzen zu können, daß die mit solchem Aplomb für die Kolonisation Palästinas gesammelten Gelder nun zur Kolonsation Cyperns verwendet werden. Es ist nicht unsere Aufgabe uns in die Angelegenheiten der zionistischen Bank einzumischen, wir wollen nur konstatiren, daß wenn man den Aktionären vor der Zeichnung von solchen Plänen gesprochen hätte, man schwerlich auch nur die diesmal gezeichneten Summen erhalten hätte. Um zum Schluß noch eines zu erwähnen, so weisen wir darauf hin, daß die Verhältniffe in Cypern denen in Palästina sehr ähnlich liegen, sowohl in Bezug auf die Bodenbeschaffenheit, wie aus das Klima, nur daß in Palästina, das dreimal so groß und nicht so dicht bevölkert ist, wie Cypern, immer noch leichter Grundstücke zu haben sind, die zugleich fruchtbar und gesund sind. In Cypern wie in Palästina herrscht noch türkisches Gesetz, spricht für Cypern, daß die englischen Beamten gerechter dies Gesetz ausführen und keine besonderen Schwierigkeiten einer jüdischen Kolonisation machen werden, so spricht gegen die Insel die Thatsache, daß dort die Steuern viel höher und drückender sind, als in Palästina. Endlich hat das heilige Land noch einen weiteren großen Bortheil. Die Stadtbvölkerung, die mit ca 220000 Seelen fast die Hälfte der Gesammtbevölkerung ausmacht, ist naturgemäß die gegebene Abnehmerin des größten Theils der land-

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