Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-10-02 · Heft 78 (2.10.1899) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 78 (2.10.1899)
Date
1899-10-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449024--49181-2499699
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1636 Stolz meines Lebens! Hochzuverehrendes Fräulein! Seitdem ich Sie gesehen, ist die Ruhe meiner Tage geschwunden! Werum stören Sie meine Träume? Was habe ich verbrochen? Was gesündigt? Warum muß ich unstät und flüchtig gleich dem Brudermörder umherwandeln? O erhören Sie mich und geben Sie mir meine verlorene Jugend wieder. Antworten Sie sofort, denn ich werde täglich älter, und ich kann nicht mehr lange warten. Sollten Sie aber nicht gewillt sein mir zu folgen, sollten Sie meine Hand ausschlagen, dann seien Sie im vorhinein verflucht, verflucht für alle Zeiten Sie und Ihre Nachkommen. Schreiben Sie also sofort Ihrem Sie liebenden und treu ergebenen Perez Ritter von Zwirnbeißer genannt Perez Kaiser." An nichtjüdische Damen fügt Perez noch das Postscriptum hinzu, daß die Religion kein Hindernis sei, daß die politische Behörde ihre Ehe doch anerkennen wird, er sei aber auch fest überzeugt, daß das Zusammensein mit ihm auch Liebe für die jüdische Religion erwecken werde. Pcrez ist es aber noch immer nicht gelungen, in den Hafen der Ehe einzulaufen. Ich dachte immer — so äußerte sich Perez über diesen wundesten Punkt seines Lebens — eine Tochter Jacobs werde mein Dasein versüßen, dadurch habe ich die goldene Zeit der Freiheit, die Zeit der Einführung der Zivilehe verabsäumt. Wenn ich nicht Haus und Hof, nicht Besitz und Vätererbe habe, will mich keine, deren Kopf mit Chasirfleisch verstopft. Ach, mir ist meine Freiheit geraubt worden! Atem nizowim, ihr habet mich hingestellt in die Hände „keomer meachre hakauzer" der Schnitter hinter den Garben. Lau tirzoch, ihr die ihr nicht morden sollet, habet mein Leben erdrosselt. Howo li ischti, gebet mir eine Frau, darf ich denn ledig bleiben! Ben schmonoh oszor lechupoh, achtzehn Jahre lang sollte ich schon verheirathet sein, esz lakaul und es ist schon die höchste Zeit, daß ich unter dem Schatten des Trauhimmels weilen soll. Ihr habet Töchter, Schwestern, Angehörige, gebet sie mir und ich werde sie lieben und werthschätzen. Ach, die goldene Zeit der Freiheit, mich hat sie nicht erlöst. Hajitoka schaufor boir, sollte ich denn umsonst in die Lärmposaune stoßen, hoom jechoredu, dann sollet ihr stumm und starr vor Entsetzen stehen, denn ich bringe Hagel und Blitzstrahl, Feuer und Wasser über euch. Perez ist jetzt 67 Jahre alt und dürfte in den nächsten Monaten wieder die Residenzstadt aufsuchen. Möge ihm die Revision seines Prozesses gelingen. Es wäre dies um so wünschenswerther, weil im andern Falle die ohnehin schwer bedrohte Residenzstadt aufs Neue arg heimgesucht werden kö.inte. Sollte sich aber in der Zwischenzeit eine feinfühlende, barmherzige Frauenseele finden, die dem Perez die verlorene Jugend zurückgeben wollte? Auf Verlangen kann dessen Adresse bekannt gegeben werden. Wocheu - Kalender. Mittwoch, 4. October, 60. Tischri, rr~n \sl cv. Donnerstag, 5. October, 1. Marcheschwan, n"Ti ‘2 er. Freitag, 6. October, 2. Marcheschwan. Sabbat-Anfang in Main; und Franlfnn a. M. 6 Uhr 15 Mi«. Samstag, 7. October, 3. MarcheSwan, ns?pn nj. Sabbat Anögang in Mainz und Frankfurt a. Pt. 0 Uhr 10 Min Berlin (5 Uhr 16 Min. — München 0 Uhr 22 Min. — Hannover 0 Uhr 20 Min. — ^Stuttgart 0 Uhr 9.5 Min. — Prag (> Itfir 05 Min. — ^traßbnrg >i Uhr 65 Min. Posen 5 Uhr 57 Min. Der .Jöraeltt" erscheint wöchentlich zweimal, Mentag» nn4 Denneratag», jedesmal i» mindeste»- Met Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Ma» adonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchbandlungen und Postämrer nehmen Bestellungen an. — »** Buchhandel verkehrt durch 8. Zf. Slrinarkrr, Leipzin. Ncchplatz Jf. — Inserate 25 Pfennig dieoiergespaltene Petit-e'le oder deren Raum. Preis der Zeile tm Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Franco-uscndung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mar! oder 16 Kronen Sfterr., fnr'S Ausland 16 Reichs-Mart, an di« Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3784. Telephon 315. Vitt# ftfttffettfcttttt der «» die «edartiou eiugesaudte« Mauuf-ripteu findet nicht statt, man bittet tzsStzalh, fich von allen Einsendungen eine Lopie zurückzudehaltstt Etellemsuchende erhalten auf »unsch die Jnseratett-Veila-evierW»cheul»nr gratisuadfranco -ugefandt. Anhalt lHauptdlatt). Leitender Artikel: Selbsthülfe. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Köln. Düsseldorf. AuS Ostpreußen. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. NitolSburg. Frankreich: Paris. Permischtes. — Feuilleton: Typen aus dem Ghetto. (Schluß.) Atthalt der Beilager Feuilleton: Cybern (Schluß). —?eitungöuachrlchten und Corresbondenzen: Deutschland: Köln. Kolmar. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Italien: Venedig. England: London. Türkei: Konstantinopel. Amerika: New-Bork. Vermischtes. Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redsction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des .Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hosbilchdnickerei-ActKnsGefellschaft in Mstm. Hisrt« eilte Vliligi.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.