Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 78 (2.10.1899)
- Date
- 1899-10-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1635 'T-T,r>K.' Uerrtlleton. ^ypeit aus dein jDhetto. Von Dr. H. Sigmundsohrr. 7) Nachdruck verboten. IV. Petjej Ktttser (Schluß.) Wenige Wochen später wurde die Residenzstadt durch eine Ueberschwemmung verheert, Perez bezeichncte die Katastrophe als Frucht seines Fluches, nun merkten auch die Bewohner von E-, daß Perez von einem Wahne befallen. Wohl ging Perez seinem Berufe — er ging ins Dorf und handelte mit Bettfedern und Hasenbälgen, mit altem Eisen und Landesprodukten — oft wochenlang ruhig und besonnen nach, oft gefiel er sich aber darin, auf den Straßen zu lärmen und zu schreien, Ansprachen an die Straßengänger und die Vorübergehenden zu halten. Seine Ansprachen, seine Reden an die Bewohner von E. waren immer mit Texten und Citaten aus den heiligen Büchern gespickt, wohl verdrehte er diese oft, oder citirte ganz und gar falsch, aber trotzdem lohnte es sich der Mühe, eine solche in extenso aufzuzeichnen : „Wajelchu schenehcm jachdow, Mann und Weib gehören zusammen, ech eso lewadi aber nie soll ich allein tragen all das Unheil, welches mich betroffen, ein Unheil, das die Sabbatschänder hervorgerufen, heraufbeschworen. Mir hat man meine süße Jugend, mein Leben abgeschnitten, das wilde Feuer des Hasses und der Rache, das Feuer von Schechem lebt in diesen Gesetzesentweihern. Hakaul kaul eszow, Esaus Stimme ist es, die aus ihnen heraustönt; Jacobs Hände haben mich geschlagen, gemartert, mir meine Jahre abgeschnitten, diese sind gefallen gleich den Locken der Delilah. Ach, gebet mir mein Haus, mein Vätererbe, damit ich eine efches chajil, eine Frau, die Leid und Freud mit mir theilt, dahier suchen könne, auf daß sie mir vorlege, ele hamischpotim, was mein gutes Recht, mittoh, kiffeh, schulchon umisbeach, »meine Bewirthung, mein Essen, afchrecho boaulom haseh, damit mir wohl sei schon auf dieser Welt. Rachmu, nachmu ki lokchoh kiflajim, getröstet werde ich sein, für die zweifachen Schicksalschläge, für meine verlorene Jugend und für Kunigunde. Atoh lokachlo bni bechauri, Du hat mir genommen meine Erstgeburt, mein Recht, du Berl Reb Jacobs, so verzehre dich das Feuer von Schechem dem geistigem Sohne Esaus. Mah nauro hamokaum haseh, wie furchtbar ist doch dieser Ort, wie böse seid ihr doch, ihr Bewohner von Neu-Sedom zu E., Gottes Strafe und Zorn wird euch treffen, dam voesch mislakachas, blutige Thränen werden euren Augen entströmen, wenn Hagel und Donnerschlag eure Felder vernichten, dem Staube gleich machen werden. Wehojo kinauri nehepach leebel, meine Klagelieder gelten dem Abel, dem vom Bruder erschlagenen Hewel, denn auch mich haben die Söhne meiner Mutter gebrandmarkt, geschlagen." Während Perez diese und ähnliche Reden hält, geräth er in Extase, eine Begeisterung erfaßt ihn, die einer edleren Sache werth wäre. Perez ist und bleibt von der Idee erfüllt, daß Gott ihn mit prophetischem Geiste, mit Sehergabe ausgerüstet. Geschieht irgendwo ein Unglück, er hat es herbeigeführt, er hat es vorausgesehen, es ist eine Strafe Gottes für die ihm widerfahrene Unbill. Kunigunde, die zwei Jahre, nachdem sie einem reichen Fabrikanten Herz und Hand gereicht, im Wochenbettsieber starb, hatte er — wie er sich auszudrücken pflegte — eingelegt. Drei Decennien sind verflossen, seitdem Perez seinen Prozeß verloren; doch noch immer gibt er die Hoffnung nicht auf, den Kaiser milde zu stimmen. Seinem Hausierberufe geht er fleißig nach, so oft er aber einige Gulden erspart, zieht es ihn mit Gewalt in die Residenz, wo er immer aufs Reue den Versuch macht, eine Audienz zu erhalten. Diesem Umstand verdankt er den Namen Perez Kaiser. Zwanzig Mal schon hat er um eine Audienz angesucht, doch noch niemals fand sich ein Hofbeamter, der ihn für geistig normal hielt. Er quält in seinem Orte und in der Landeshauptstadt alle Ober- und Unterbehörden, den Seelsorger und die Stadtverordneten, sie mögen ihm doch zu seinem Rechte verhelfen, wettert und flucht, hält große Reden, doch keine Behörde ebnet ihm den Weg zu den Stufen des Thrones. Neben dieser Audienzwuth ist auch noch die Heirathslust des Perez aufzeichnenswerth. Perez geht noch immer auf Freiersfüßen. Allen Dienstboten und Haussräuleins, allen Wittwen und Geschiedenen macht er Liebesanträge. Es gibt im Umkreise von vielen Meilen keine heirathsfähige Dame, der er nicht Herz und Hand antragen, nicht angeboten, sie aus der ägyptischen Knechtschaft — so benennt er das Ledigsein — zu befreien. Sein Liebeswerben beschränkt sich nicht allein aus den mündlichen, auch auf dem nicht ungewöhnlichen schriftlichen Wege, sucht er Herz und Hand zu vergeben; Perez ist sogar tolerant genug, um auch nichtjüdische Damen mit seinen LiebeSantragcn zu bestürmen; 'wer fragt auch woher das Gute kommt, wenn es nur vorhanden'ist, so pflegt Perez zu sagen. Seine Liebesbriefe lauten in der Regel: „Holdes Weib, Angebetete meiner Seele, Licht meiner Augen