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Der Israelit · 1899-10-02 · Heft 78 (2.10.1899) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 78 (2.10.1899)
Date
1899-10-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1634 schreiben zukommen lasten, in welchem Herrn Deutsch für sein verdienstliches Wirken der schuldige Dank gezollt wird. In einer eigens zu diesem Zwecke einberusenen Conserenz der Religionslehrer, erwähnte Herr Rabbiner Dr. David Feuchtwang die verdienstvollen Leistungen des Herrn Deutsch und versicherte demselben, daß er stets beim Lehrkörper in ehrenhaftem Andenken bleiben werde. — Mittwoch verschied hier Frau Julie Abeles im hohen Alter von 88 Jahren. Die Verblichene war durch alle Tugenden einer b-n rivn geziert; sie war wohlthätig, religiös, biedersinnig und besaß strenge Rechtlichkeit. Eine große Menge Volkes gaben der frommen Frau das letzte Geleite und diese Theilnahme war ein Beweis der Sympathie, welcher sich die Dahingeschiedene in allen Gesellschaftskreisen erfreute. — Daß unser Landesschulrath den religiösen Gefühlen unserer Glaubensgenosten Rechnung trägt, beweist folgender Vorfall: Für einen sich zur Maturitätsprüfung am hiesigen Gymnasinm meldenden Candidaten Namens Löffler, wurde die schriftliche Prüfung derart bestimmt, daß der Termin auf den zweiten Tag rrao fiel. Der Abiturient jedoch, welcher der streng-konservativen Richtung huldigt, war in nicht geringer Verlegenheit und machte von dieser peinlichen Situation dem hiesigen Rabbiner Dr. Feuchtwang Mittheilung. Letzterer wandte sich nun telegraphisch an den k. k. Landesschulrath mit der Bitte, es möge die schriftliche Prüfung auf einen außerhalb der Sabbate und Feiertage gelegenen Zeitpunkt verschoben werden, worauf dem Bittsteller noch am selben Tage und telegraphisch die Bewilligung seines Ansuchens znrückkam. Der moralische Erfolg, welcher bei der Gewährung dieser Bitte zum Ausdruck kam, ist nicht zu verkennen. — Die verflossenen Feiertage haben es deutlich gezeigt, daß in unserer Gemeinde gottlob noch ein gesundes, lebenskräftiges Judenthum existirt. Die Räume beider hiesigen uralten Tempel der Alt- und Neuschul waren dicht besetzt und wir können es den Reformern rundweg und ohne Scheu sagen, daß die Andacht trotz oder vielmehr nur wegen des conservativen jeder Reform entkleideten Gottesdienstes eine weit regere war, als in den sogenannten modernen Gotteshäusern, in welchen wegen der die Sinne reizenden, die Jnbrünftigkeit ablenkenden Musik eine aufrichtige Reue, Buße und Rückkehr von sündhaftem Wege nicht denkbar ist. Letzte Nachrichten über Polna. Wie«, 30. Sept. (Zum Mädchenmord in Polna.) Die „N. Fr. Pr." erhält folgende Zuschrift: Löbliche Rkdaclion! Mit Bezug auf die in Ihrem geschätzten Blatte am 27 v. M. erschienene Mittheilung über den Mädchenmord bei Polna bitte ich um gefällige Aufnahme folgender Zeilen : Mir persönlich ist völlig gleichgiltig, was das »Deutsche Volksblatt" über mich schreibt und was die Leser desselben möglicherweise von mir denken. Man weiß, welchen Werth die Meldungen des „Deutschen Volksblattes" haben und wie gründlich das »Deutsche Volksblatt" in diesem Mordvrozesse sich schon blamirt hat. Jnr Interesse der Stadt jedoch bemerke ich, daß ich am 26. April hier in Polna vor dem Untersuchungsrichter Baudisch, der mich fragte, ob ich am 29. März einem fremden Juden etwas in Papier Gewickeltes aus einem Fenster meiner Wohnung zugeworfen oder mit einem fremden Juden gesprochen hätte, wahrheitsgemäß zu Protocoll gab, daß ich weder einem Juden noch sonst Jemandem etwas zugeworfen und überhaupt keine fremde Person gesprochen oder gesehen habe. Die Erzählung des „Deutschen Volksblattes", daß der Rabbiner (von Polna) mit einem fremden Juden drei bis vier Minuten gesprochen und ihm dann plötzlich ein zusammengefaltetes Papier zugeworfen habe, welches der Jude vom Erdboden aufhob und sofort in die Tasche steckte, ist selbstverständlich eine Schauermär ad hoc. Ja, das ist ein Jammer! Es ist leider so unendlich schwer, ja ganz und gar unmöglich, den Ritualmord zu beweisen! lind findet sich schon ein ehrliches „Deutsches Volksblatt", welches den Muth hat, die Wahrheit zu suchen und zu verkünden, so wollen doch alle diejenigen, welche sich einbilden, den geraden Verstand noch nicht verloren zu haben, die entdeckte Wahrheit nicht glauben! Es ist eine recht saure Arbeit. Ein Königreich für einen einzigen Ritualmord! Mit ausgezeichneter Hochachtung Polna, am 29. September 1899. Rabbiner Dr. M. Goldöerg. Prag, 29. Sept. (Der Mädchenmord in Polna.) Der in Leitmeritz verhaftete Salomon Wassermann wurde bis Kolin mit der Bahn geführt und, da man bei seiner Ankunft in Kuttenberg große Menschenansammlungen befürchtete, von Kolin mit einem Gendarmen um 1 Uhr Nachts in das Kreisgericht von Kuttenberg gebracht. Er wurde im Laufe des gestrigen Tages mit Hilsner confrontirt. Man nimmt an, daß er, nachdem er durch das Zeugniß der Spitals-Direction in Deutsch-Brod sein Alibi nachweifen kann, demnächst aus der Haft entlassen wird. Es soll sich im Kreisgerichte von Kuttenberg ein Jude aus Jglau in Haft befinden, der angeblich mit dem Morde in Polna in Verbindung stehen soll. (?!) Heute um 7 Uhr Morgens wurde Jofua Erbmann von Schlan mit der Franz-Josephbahn nach Prag gebracht und in Begleitung von acht Wachleuten zum Staalsbahnhof escortirt, von wo er nach Kuttenberg eingeliefert wurde. (Eine Depesche aus Knttenberg meldet Mittags, daß Erbmann um 11 Uhr Vormittags, von Gendarmen begleitet, daselbst eingetroffen ist. Bei der Ueberftthrung in das Gerichlsgebäude folge eine große Menschenmenge.)

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