Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 78 (2.10.1899)
- Date
- 1899-10-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1631 theilen, also fehlt es nicht an Lehrkräften. Eine einklassige Schule ist überall möglich und in größeren Gemeinden wird eine erstezweitedritte und mehrklassige Schule wesentlich nicht größere Opfer fordern als eine ebensolche Religionsschule. Die Religionsstunden fielen auf die beste Zeit, während die Religionsschulen sich mit den sog. Eckflunden begnügen und mit Schülern, die geistig schon ermüdet sind, arbeiten muß. Der Religionsunterricht wird in der Elementarschule als gleichwerthig mit dem in andern Disciplinen gehalten. Die Störungen, welche das oft unkontrollierbare Fernbleiben der Schüler verursacht, würden vermieden und in den Gesammtleistungen wird die jüdische Elementarschule ihren christl. Genossen gegenüber nicht im Nachtheil bleiben. Außerdem bereiten wir unfern Kindern, die später im Kampfe des Lebens von des Schicksals rauher Hand oft genug hart angefaßt werden, eine frohe Schul- und Jugendzeit. Sämmtliche Regierungen werden wohlwollend diesem Unternehmen gegenüberstehen. Die jüdischen Lehrer hätten nicht nöthig um die Gnade zu betteln, an einer öffentlichen Schule angestellt zu werden, ein Wunsch, der kaum mehr erfüllt werden wird. In erster Linie sind sie doch Elementarlehrer und man könnte, wenn die Gemeinden hartnäckig diesem Vorschlag sich entgegenstellen, die Lehrerseminarien ruhig schließen. Man kann auf billigere Weise und mit weniger Zeitaufwand Religionslehrer werden. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Köln, 29. Sept. Auch andere jüdische Blätter verurtheilen, gleich Ihnen, die Hetzereien des „Ulk" gegen den KatholicismuS auf das Schärfste. So schreibt das hier erscheinende „Jsr. Gemeindeblatt": Wer Aehnliches so oft am eigenen Leibe, an der eigenen Religion hat erfahren müffen, wie die Juden, der wird die Entrüstung der „Köln. Volksztg.", der „Germania" und vieler anderen katholischen Blätter begreifen. Die Verse sind danach angethan, das Empfinden jeder gläubigen Menschen zu verletzen und wir schließen uns vollkommen der scharfen Rüge an, die dem Verfaffer gebührt. Aber unerfindlich bleibt es uns, was das Judenthum mit einer solchen Taktlosigkeit zu thun haben soll, die ihm die vorgenannten Zeitungen aufbürden. Unseres Wissens ist der Verfaffer des Schmähgedichtes, Herr Sigmar Mehring in Berlin, ein Christ und stammt aus christlicher Familie. Aber selbst wenn dies nicht der Fall wäre, was kann denn das Zudenthum dagegen thun? Es ist leider nicht das erste Mal, daß man für irgendwelche Ausführungen in demokratischen oder freisinnigen Zeitungen, und zwar ohne auch nur den Versuch einer näheren Begründung, sämmtliche Juden des deutschen Reiches verantwortlich macht und an die „vernünftischen jüdischen Kreise" das sonderbare Ansinnen stellt. Denjenigen das Handwerk zu legen, mit welchen das Judenthum als solches auch nicht das geringste zu schaffen hat. Oder wird eS vielleicht irgend einem Menschen mit gesunden Sinnen einfallen, für die Artikel des Sigl'schen „Vaterland" die gesammten Katholiken als solche oder für die Geistesprodukte Ahlwardt's alle Protestanten haftbar zu machen und die „Vernünftigen" unter diesen Konfessionen aufzufordern, jenen Blättern das Handwerk zu legen? Wir wären übrigens für eine Belehrung darüber, wie man dem „Berliner Tageblatt", weil Herr Moffe jüdischer Abkunft ist, zu Leibe gehen könne, äußerst dankbar. Ein solches Gebühren des Bert. Tageblatt können wir nur tief beklagen, weil es unsere Stellung zu unfern katholischen Mitbürgern, mit denen in Frieden und Eintracht zu leben, unser lebhaftester Wunsch ist, schwierig macht. Düsseldorf, 27. Sept. In unserer lieben Kunst- und Gartenstadt, wo sich seit den letzten Jahrzehnten in der Gemeinde ein großer Jndifferentismus und religiöse Ignoranz breit gemacht haben, hat sich nach den Jomim nauroim ein Verein gebildet, welcher das Bestreben hat, diesen Zuständen entgegen zu treten und das Studium unserer Lehre zu heben. Es finden jeden Sabbat Versammlungen statt, worin verschiedene Herren der hiesigen Gemeinde, welche in der Thora bewandert sind, Vorträge halten. Als 1. Vorsitzender dieses Vereins ist Herr Hotelier Frank, als zweiter Vorsitzender Herr Lehrer Fränkel gewählt. Wir können nicht umhin, ganz besonder» da» Verdienst eines Mannes zu erwähnen, welcher viel zum Zustandekommen dieses Vereines beigetragen hat. Herr Rabbinatskandidat Markus aus Köln, welcher Rosch-Haschana und Jom-Kippur predigte, hat verschiedene Reden im Verein gehalten, welche zeigten, daß derselbe im Midrasch und Talmud sehr bewandert ist, und welche durch ihre scharfsinnige Ausführung und blumenreiche Sprache die Zuhörer in hohem Grade fesselten. Wir wünschen dem Verein von Herzen eine gedeihliche Entwickelung. Aus Ostpreußen. Der Vorstand des oftpreußischen Gemeindeverbandes versendet jetzt den Bericht über seine 16. Generalversammlung. Wir entnehmen dem Einleitungsvortrag des Herrn Stadtrath Isaak E i ch e l b a u m—Insterburg folgende recht beherzigenswerthe Mahnworte: „Es ist zu beklagen, daß das Vorstandsamt insbes. in kleinen Gemeinden