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Der Israelit · 1899-12-07 · Heft 97 (7.12.1899) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 97 (7.12.1899)
Date
1899-12-07
Page
– (sequence 23)
Language
German
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3 ihm Gelegenheit gaben. Frohen des Eifers zu liefern, von dem er für das Wohl des königlichen Dienstes und des Staates beseelt sei und dass er auch seine Kinder zu ebenso nützlichen Gliedern der Gesellschaft erziehe. Cerfbeer erwarb hiermit die gleichen Rechte, Freiheiten und Privilegien der übrigen Unterthanen; er durfte überall im Königreiche sich niederlassen und erhielt die Erlaubnis«, bewegliche und unbewegliche Güter jeder Art zu erwerben. Dieser Patentbrief wurde dem elsässischen Staatsrath am 5 April 1775 eröffnet, aber trotzdem in Strass bürg zehn Jahre lang ignorirt. Wir wissen nicht genau, durch welche Umstände Cerfbeer veranlasst wurde, seinen Naturalisationsbrief und den Kaufakt des Rappoltsteinisclien Hof?» vorzuzeigen. Ein Pamphlet, das 1790 erschien , berichtet in allgemeinen Ausdrücken, dass, als Cerfbeer die Abgaben für gewisse Erwerbungen entrichten wollte, der Magistrat die Annahme verweigerte. In Folge dieser Weigerung zeigte (’erfbeer seine Naturalisationsbriefe und erklärte, dass seine Absicht dahin gehe, ausser dem Rappoltsteinischeu Hof noch sechs andere Häuser zu kaufen. (Fortsetzung folgt.) Zur Geschichte der Juden in Worms. I. Die Zerstörung von Worms im Jahre 1689 nnd ihre Folgen. Ludwig XIV. von Frankreich erhob Anspruch auf die Verlassen-chaft der Kurfürsten Karl Ludwig und überzog die Pfalz mit Krieg. Zahlreiche Städte wurden in Schutthaufen verwandelt, das kurfürstliche Schloss in Heidelberg wurde verbrannt und das Land verheert. Sengend und brennend zogen die Franzosen von Stadt zu Stadt; alle öffneten ihre Thore. Am 1. Oktober 1688 erschien der Feind vor den Thoren von Worms. Nach dem Beispiele anderer Städte musste auch W o r m s sich ergeben-, so wurde die Kapitulation unterzeichnet und Worms wurde französisch. Die Kapitulationsbedingungen sagten u. A., dass die Juden von Worms in dieselben mit einbegriffen seien und dem Magistrat solle die hergebrachte Jurisdiktion über sie ohne Verhinderung und Eintrag belassen sein.') Die Juden, etwa 90 Familien an der Zahl, hatten doppelt unter diesen Wirren zu leiden. Es war selbstverständlich, dass sie 1) Soldan, die Zerstörung der Stadt Worms im Jahre 1689 8. 9. sich bemühten, die durch den feindlichen Einfall geschaffene Lage möglichst zu mildern; allein jede Annäherung an die Franzosen wurde von Seiten der Stadt als Verrath angesehen, eine Annahme, die durch die menschlichere Behandlung , die sie erfuhren, noch verstärkt wurde. Die Aufzeichnungen Seydenbänders, der Mitglied des „Dreizehner Ausschusses“ war, und des Ratsherrn Mekel über die Vorgänge jener Zeit sind voll von Hass und Vorurtheü gegen die Juden. Ersterer entblödet sich nicht, das Märchen aufzutischen, „alss am 2. Dezember der Genera] d’Huxelles mit einer suite von 70 Personen stark dass erste mahl in die Statt gekommen und von dem Magistrat mit Wein verehret worden, haben die Juden sich auch herbey gemachet und im Angesicht der Stadt deputirten, durch den Schulklepper, Abraham zur Kandten,1 2) und noch einen Vorsteher, zwei geputzte fette Gänsse (so mit goldnen Louisen gefüllet ge wessen sein sollen, weiches dahero glaublich, weilen er selbige angenommen, den von des H. Bischolfs fürstl. Gde verehrten Wein aber abgeschlagen und nicht acceptiret, sie Juden auch Alles, wass sie gewollt, erhalten haben) in einer Schüssel.... presentiret.“ „Glaubhaft ist es ja (schreibt Oskar Canstatt in der Krinnerungssclirift 1889), dass die Juden, als sie sich an Leib und Leben, an Hab und Gut bedroht erachteten, durch Geschenke die Franzosen zu gewinnen suchten, jedoch wäre die mit Goldstücken gefüllte Gans ein allzugrosser, kaum zu erschwingender Preis gewesen ... Es mag sein, dass bei dem Stadtbrand von Worms die Judengasse etwas glimpflicher weggekommen ist, wie alle übrigen Stadttheile, und dies wird wohl Mekel in seinem Vorurtheü gegen die Juden und seinem Misstrauen wegen ihrer Haltung gegenüber den Franzosen noch bestärkt haben; thatsächlich jedoch erreichten ganz ohne Frage die alles verheerendenFIammen auch das damalige Judenquartier.“ In der That wurde, wie wir später durch sichere Beweise darthun werden, nicht nur ein grosser Theil der Judengasse vom Feuer verzehrt, sondern auch die ganze innere Einrichtung der Synagoge mit dem Dachstuhl „und was das wüthende Element verschonte, ward später durch Menschenhände vollends zerstört.“ Die Franzosen benützten 2) Dieser „Schulklepper“, Abraham zur Kandten, ist kein anderer, als der erste Vorsteher der Juden, Abraham Oppenheim, der das Haus „zur Kanne“ bewohnte und unter seinen Glaubensgenossen der vornehmste, angesehenste und reichste war; vgl. Löwenstein, Gesch. der Juden in der Kurpfalz S. 88 ff. n.

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