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Der Israelit · 1899-12-07 · Heft 97 (7.12.1899) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 97 (7.12.1899)
Date
1899-12-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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NerriH-t-rr. Der (Lhammer und der schaute. Eine Humoreske aus dem jüdischen Leben der guten, alten Zeit. Von Maurice Ma^ou. 14) (Alle Rechte Vorbehalten.) „Werf die Katze wie Du willst, sie fällt immer auf die Beine", rief Sprinze ergrimmt aus, „der Gedanke, das Kind, Dich, mich zu quälen, scheint bei Dir zur fixen Idee geworden zu sein! Aber ich sag' Dir, Faißet, auch die Mutter hat Rechte bei ihrem Kinde, und wenn Du Rabenvater sie absolut unglücklich machen willst, so werde ich, ihre Mutter, für sie . . . .!" Sprinze hemmte plötzlich den Strom ihrer energischen Rede, weil soeben auf der Treppe polternde Schritte und heftiges Husten zu vernehmen waren. „Herein!" schrie Faißet, hocherfreut durch den Einlaßbegehrcnden von dem Anhören der Vorwürfe und Drohungen seiner Sprinze überhoben worden zu sein. Die Thüre that sich auf und in dem Rahmen derselben erschien die Gestalt eines von der Last der Jahre gebeugten, alten Mannes, dessen runzliches Gesicht von einem langen, weißen Bart umrahmt war, der ihm bis aus den Gürtel herabfiel. Aus den kleinen Aeuglein, mit welcher er in diesem Augenblick Faißel und seine Frau anblinzelte, leuchtete viel Verstand und Klugheit. „Ah boruch hanimzoimf versetzte der Alte mit dünnem Stimmchen hüstelnd. „Boruch habo^)", erwiderte Faißel. „Was führt Euch zu mir, Rebb Rephoel?" „Was wird den Bes-Din-Schammes -24) zu einem führen? Wahrscheinlich ein Schlichaus223) vom Rabbi und Rosch hakohl!" „Sollet Ihr Euch nicht taue2-3) sein, Rebb Rephoel?" frug Faißel ganz erstaunt. „Was mögen der Rabbi und Rosch hakehl von mir wünschen? Ich habe doch mit Niemandem Din udworim22?)? „Chas wescholaum'^)! Ich lade Euch ja gar 222) Gesegnet feien bie Anwesenden. 223) Gesegnet fet der Kommende. 224) Der Gerichtsbote. Zur Zeit, in welcher unsere Erzählung gehandelt, hatten noch die Israeliten ihre eigene Gerichtsbarkeit. 225) Botschaft. 226) Irren. 227) Gerichtssachen. 228) Bewahre. nicht vor das Bes din^), der Rabbi und Roschhakohl möchten noch heute Euch besuchen und lassen nach der Schas hakauscheres^) fragen!" „Mich besuchen? Mir die Kowed ihres Besuches schenken? Seid Ihr bei Sechel^) Rebb Rephoel, oder seid Ihr vielleicht schiker^)?" „Ich bin bei Sechel, Rebb Faißel und habe noch heute nichts Berauschendes getrunken. Der Rabbi war bei dem Bezirksoberamtmann vor einer Schooh und dann fand gleich eine Asipheh^) statt und nachher wurde ich gerufen und man gab mir die Schlichaus!" „Ich kann es gar nicht glauben? Wie komme ich, der ausgemachte Schaute, zu dieser großen Kowed? Ihr muffet Euch taue sein Rebb Rephoel, oder mich zum Besten haben!" „Ich habe Euch, Rebb Faißel, nicht zum Besten. A Spaß werde ich viel haben, wenn ich Euch zum Besten habe? Und was den Schaute betrifft, ist schon mancher Schaute über Nacht ein Cochem geworden. Kann es bei Euch nicht ebenso sein? Also, um welche Zeit paßt es Euch am Besten?" „Kannst Du es fassen, Sprinzeleben?" wandte sich Faißel an seine Frau. „Ich kann diese große Kowed nicht begreifen. Es muß eine touS gomur^') von Rebb Rephoel sein!" Es ist aber ewade ganz so!" fiel der Schammes ein, ehe noch Sprinze Zeit zum Antworten fand. „Wollet Ihr mir nun die Zeit angeben? Ich habe noch andere Mase-maten auch zu besorgen! Dem Rabbi wäre bechol injon 236) recht, wenn er Euch nach vier besuchen könnte. Paffet Euch diese Zeit? „Ob mir die Zeit paßt? Ist das eine Kaschje? *ST) Bochol aufen238) paßt sie mir! Für den Rabbi und den Rosch-hakohl, sie sollen leben, ist mir jede Zeit, jede Stunde eine Schaas hakauscheres!" „Aber Du vergißt, Faißelleben", mengte sich Sprinze in das Gespräch, indem sie dem Schammes einen stolzen Blick zuwars, „daß du um vier Uhr zum Bezirksoberamimann beschieden bist!" „Hm, Hm! daran Hab' ich ganz vergessen!" „Schomaim woorez ^!" schrie der Schammes soweit als sein dünnes Stimchen gestattete. „Was geht denn nur vor? Der Rabbi war bei dem Bezirksoberamtmann. Rebb Faißel soll zu ihm hin, 229) Gericht. 230) Geeignete Stunde- 231) Ehre. 232) Verstand. 233) Betrunken. 234) Versammlung. 235) Ein vollständiger Iirthiliii. 236) In jeder Hinsicht- 237) eine Frage. 238) aus jeden Fall. 239) Himmel und Erde.

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