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Der Israelit · 1899-12-07 · Heft 97 (7.12.1899) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 97 (7.12.1899)
Date
1899-12-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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2023 -ä- München. (Viel Geschrei und wenig Wolle.) Liest man, wozu man manchmal gezwungen ist, die großsprecherischen und an lächerlicher Selbstüberhebung das Menschenmögliche leistenden Tiraden des „Deutschen Volksblattes", das sortwährend mit seinem scharf geschliffenen teutonischen Schwert Tausende der Gegner arischen Wesens und arischer Cultur erbarmungslos zu Boden streckt, dann könnte man glauben, die Anhänger und Eingeschworenen der „Bayer. Resormpartei" seien Legion und tagtäglich würden ungezählte Schaaren zu dem glorreichen Banner strömen, das der mundtapfere Wengg sieggewohnt emporhält. Es ist nur schade, daß zu bestimmten Zeiten eine Stunde schlägt, in der alle politischen Factoren gezwungen sind, die Bilanz ihrer Thätigkeit und Leistungsfähigkeit zu ziehen und Heeresschau abzuhalten über die Schaar ihrer Lieben und Getreuen. Vielleicht ist der Bayer. Reformpartei der Tag der letzten Reichstagswahl, der 16. Juni 1698, an dem die von ihr abgehaltenen Musterung so glänzend ausfiel, noch in angenehmer Erinnerung. Es muß wohl so sein, denn in ihrer letzten Wochenversammlung wurde der Beschluß gefaßt, sich an den kommenden Gemeindewahlen in München nicht zu betheiligen und es jedem ihrer Angehörigen zu überlaffen, ob und für wen er seine Stimme abgeben wolle. Von mehreren Seiten wurde ausgesprochen, daß gerade die diesjährigen Gemeindewahlen eine günstige Gelegenheit zu einem erfolgreichen Eingreifen der Antisemiten gegeben hätten, allein einerseits würde dadurch indirect dem Liberalismus genützt worden sein und anderseits bestehe bei der noch vorhandenen Judenfurcht keine Aussicht, die nothwendige Anzahl zugkräftiger Kandidaten aus der Bürgerschaft zusammenzubekommen. Dazu komme, daß auch in der Parteikaffe keine Mittet vorhanden feien, die Wahlunkosten zu bestreiten. Aus diesen Gründen sei der gefaßte Beschluß der einzig richtige und sei in der Folge alles daran zu setzen, die erwähnten Uebelstände zu beseitigen, um bei den nächsten Wahlen erfolgreich auftreten zu können. Es wird wohl auch kein Einziger bezweifeln, daß zu den nächsten Gemeindewahlen der Sieg sich unweigerlich an die Fahnen Derer um Wengg heften muß, nachdem für Erleuchtung und Aufklärung nun auch in der Weise gesorgt wird, daß die bessere Hälfte Wengg's in Frauenversammlungen Vorträge über „Christlicher und jüdischer Geist im Erwerbsleben" hält. Wie sagt der große deutsche Dichter: „Wer solch ein Herz an seinen Busen drückt Der kann sür Herd und Hof mit Freuden fechten Und keines Königs Heermacht fürchtet er." Oesterr.-Ungar. Monarchie. Bagujhelyi, 1. Dez. In der Beilage zu Nr. 92 Ihres sehr geschätzten Blattes berichtet Ihr Budapester Correspondent, daß in das Budget de» ungarischen Cultus- und Unterrichts-Ministeriums für die Vagujhelyer Israel. Realschule 16 000 Kronen als staatliche Subvention ausgenommen wurden. Zur Berichtigung erlaubt sich der erg. Gefertigte mitzutheilen, daß die staatliche Unterstützung btos 6000 Kronen beträgt. Ich bitte eS nicht als Unbescheidenheit gelten zu machen, wenn ich mir bei dieser Gelegenheit erlaube, Ihrem geschätzten Blatte Einiges über diese einzige jüdische Mittelschule Ungarns mitzutheilen und um Veröffentlichung meiner Mitheilung ansuche. Die Vagujhelyer Realschule wurde im Jahre 1862 von der hiesigen Cultusgemiende gegründet. Mit der Leitung derselben wurde der verewigte Rabbiner Josef Weiße H'D betraut. Uuter sehr schwierigen Verhältnissen dirigirte er diese Anstalt bis zum Jahre 1878 zur Zufriedenheit der Landesregierung, welche schon im Jahre 1866 dieser Schule das Oeffentlichkeitsrecht verlieh. Im Jahre 1885 erhielt die Realschule zum ersten Male eine StaatS-Subvention von 1200 fl. vom ungarischen Reichstage bewilligt, zu einer Zeit, wo die ungarischen Juden durch den Tisla-Ezlaer Prozeß in größter Gefahr schwebten. Diese Thatsache allein stellt der isr. Realschule das glänzendste Zeugniß aus. Im Jahre 1893 wurde die staatliche Unterstützung aus 3400 fl. erhöht; jedoch wegen der Unsicherheit des Fortbestandes der Anstalt, die bar jeder Fonds ist, wurde diese Unterstützung blos von Jahr zu Jahr bewilligt. Im Jahre 1898 gelang es endlich der Vagujhelyer isr. Cultusgemeinde die Staats Subvention contractlich zu ftxiren. Die wichtigsten Punkte dieses Vertrages lauten folgendermaßen. Der ungarische Staat verpflichtet sich diese Anstalt jährlich mit wenigstens 8000 Kronen, nach Bedarf auch mit 10,000 Kronen zu unterstützen. Dieser Betrag darf blos zu Schulzweckm verwendet werden. Dagegen hat die ungarische Regierung den Direktor und zwei Lehrkräfte zu ernennen, diese jedoch müssen jüdischer Confessio» sein, und von Seite der Cultusgemeinde candidirt werden. Die Schule steht unter staatlicher Aussicht, der konfessionelle Charakter der Realschule muß jedoch gewahrt bleiben. Demnach wird an Sabbat und jüdischen Feiertagen kein Unterricht ertheilt. Anstalt des landesgesetzlich festgesetzten zweistündigen wöchentlichen Religionsunterrichtes erhalten unsere Schüler drei Stunden; außerhalb der Schulzeit werden, aus Wunsch der Eltern, Schüler auch im Talmud unterrichtet. Da» Lehrziel der weltlichen und unff nschafllichen Lehrgegenstände entsprechen vollständig dem der staatlichen Lehranstalten, und diese Anstalt besitzt dieselben Rechte, wie jede andere gleichartige staatliche Anstalt. Zur Weihe des Sabbat wird ein mit Extertation verbundener Gottesdienst abgehalten; zur Thoravorlesung werden blo» Schüler gerufen. Trotzdem diese An-

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