Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 97 (7.12.1899)
- Date
- 1899-12-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Honett, eine Deputation von Bewohnern des „Marcus Nordheim-SHsts" rc. Als Vertreter des Schulwiffenfchaftlichen Bildungsverein war der erste Vic^präseS der Bürgerschaft, Herr Johannes Halben erschienen, ferner halte der Geburtsort des Verewigten, Memmelsdorf in Bayern, eine Deputation, bestehend aus dem Bürgermeister und dem Vorstand des Krieger- Vereins nach hier entsandt. Eingeleilet wurde die Trauerfeier durch von dem Tempelchor unter Leitung des Herrn M. Heule vorgetragenen Choral: „Seele, was betrübst Du Dich." Sodann ergriff Herr Oberrabbiner M. Hirsch das Wort, um in formvollendeter Rede die großen Verdienste des Heimgegangenen für das Gemeinwesen zu schildern. Der Redner führte etwa das Folgende aus: Nun ist er gekommen, der schmerzliche Augenblick, den wir seit Monaten herannahen sahen, der Augenblick, wo Herr Marcus Nocoheim Abschied nimmt von feinem Hause, seiner Familie und feiner Gemeinde, und wir sind hier, um ihn hinaus zu begleiten zu seiner letzten Ruhestätte, die er sich selbst erwählt an der Seite seiner ihm im Tode vorangegangenen Gattin, getreu dem biblischen Spruch: „Die Geliebten un) eng Verbundenen im Leben, sie sind auch im Tode nicht getrennt." Nach dem üblichen Sprachgebrauchs sino wir hier, um dem Verewigten die letzte Ehre zu erweisen, doch trifft dies Mal der Ausdruck nicht das Richtige, denn die Ehrung des Herrn Marcus Nordheim hört nicht an seinem Sarge auf, sondern dauert weit über das Grab hinaus. Der Oberrabbiner schilderte dann in beredten Worten das Wirten des Verstorbenen, der, kaum dem Knabenalter entwachsen, nach Hamburg gekommen und es durch feinen Fleiß und feine Strebsamkeit mit dahin gebracht, daß in dem von ihm gegründeten Handelszweig Hamburg als Weltmarkt dasteht. Und nun, da er es aus eigener Kraft und unter Goites Beistand zu einem reichen Besitz und angesehener Stellung gebracht, da vergaß er nicht seines Geburtsortes und feiner zweiten Heimath. Er, der Verewigte, der so genau zu rechnen wußte, wenn es für seine eigenen anspruchslosen Bedürfniffe galt, er spendete mit vollen Händen, wenn es galt die Roth der Bedrückten und Armen zu mildern. So hat er in Gemeinschaft mit seiner edlen Gattin für die „Vereinigten israelitischen Mädchenschulen" der Gemeinde das große Schulgebäude in der Carolinenstraße errichtet, und so gründete er auch das „Marcus Nordheim-Stifl", das einer Anzahl von Familien Freiwohnungen gewährt, und auch sein Heimathsort Memmelsdorf ist iu gleich reicher Weise von ihm bedacht worden. Während 2J Jahre hat er dem Vorstand der Deutsch-JSraelittschen Gemeinde angehört und war stets bestrebt die Gemeinde-Institutionen weiter auszubauen. Die wirkungsvolle Rede, welche auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte, schloß mit den Worten: „So ziehe denn hin im Frieden zu deinem himmlischen Vater. Dein Andenken wird stets zum Segen gereichen." Nachdem dann der Tsmpelchor die Cantate „O stille deinen Kummer" vorgetragen hatte, wurde der Sarg von den Angestellten der Neuen Israelitischen Beerdigungsgesellschaft auf den einfachen Leichenwagen gehoben. Unmittelbar hinter dem Sarg schritt die Deputation des Memmelsdorfer Kriegervereins mit trauerumflorter Fahne, sowie die Schülerinnen der beiden ersten Claffen der „Israelitischen Töchterschule" mit ihren Lehrerinnen, sowie eine Deputation der Bewohner des „Marcus Rocdheim-Stifts". Der Leichenconduct, der aus zahllosen Equipagen und vielen Fußgängern bestand, bewegte sich nach dem israelitischen Friedhof in Oehlsbrf. Hier widmete Herr Prediger Dr. Leimdörfer im Namen des Schulvorstandes der Israelitischen Töchterschule dem Dahingeschiedenen einen warmen Nachruf, worauf nach einem kurzen Gebet die Beisetzung im Erbbegräbniß stattfand. Burgkundstadt, 5. Dez. Die katholische Bevölkerung des bayerischen Frankenlandes rüstet sich, den 70. Geburstag ihres Oberhirten, Sr. Excellenz, des Herrn Dr. Joseph v. Schork, Erzbischofs von Bamberg, am 7. d. M. festlich zu begehen. Auch wir Israeliten dürfen an dieser Feier warmen Antheil nehmen. Die wahrhaft humane Gesinnung, die dieser edle Kirchenfürst jederzeit bethätigt hat, ist genugsam bekannt. Widerholt hat er es öffentlich bei feierlichen Anläffeu hervorgehoben, daß die Menschen gegen einander nicht blos Toleranz d. h. Duldsamkeit (von lateinischer tolsrare) üben sollen, daß sie vielmehr zur gegenseitigen Liebe ohne Unterschied des Bekenntniffes verpflichtet seien. Vor einigen Wochen ergriff ich die Gelegenheit, in einer längeren Unterredung mit Sr. Excellenz, die anläßlich der Affaire Polna um sich greifende wahnwitzige Blutbeschuldigung zu berühren. Ich halte mich nicht für befugt, den bedeutsamen Inhalt dieses Privatgesprächs wiederzugeben, soviel aber darf ich sagen, daß alle Aeußerungen des hohen kirchlichen Würdenträgers von humanstem Geiste erfüllt waren und daß er die durch die Blutlügner veranlaßte gewiffenlose Verhetzung des Volkes und Entfesselung niedriger Leidenschaften aufs entschiedenste verurtheilte. Möge es dem hohen Jubilar vergönnt sein, noch lange, lange in Gesundheit und Frische seines erhabenen Amtes zu walten und möge an ihm sich bewähren das Wort des Psalmsängers: „Der Gerechte blühe wie die Palme, wie die Ceder des Libanon gedeihe er." Dr. E. Goitein, Distriktsrabbiner.