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Der Israelit · 1899-12-07 · Heft 97 (7.12.1899) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 97 (7.12.1899)
Date
1899-12-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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2021 der erziehlichen Thätigkeit einer Schule verwirklicht werden, soll eine Harmonie zwischen ihrem Ziele und der oft ihr sich erttaegenstellenden und ihre Entwickelung hindernden Faktoren hergestellt werden, so muß sie ihre Aufgabe in einer zweifachen Tätigkeit erblicken, von denen freilich nach dem Uriheile oberflächlicher Beobachter die eine die andere ersetzen kann, die in der Tbat aber eine gleiche Wertbschätzung beanspruchen müssen. Viele erblicken nämlich den Zweck einer Schule einzig und allein darin, die ihrer geistigen Pflege anvertrauten Zöglinge in der kurzmöglichsten Frist auszustatten mit denjenigen Kennt- Ntssen und Fertigkeiten, die zum Eintritt in einen ehrsamen Beruf als nothwendlg erscheinen. Bildung fürs Leben muß im Geiste und im Gemüthe wurzeln und wie anders entsprechen wir dieser Forderung mehr, als wenn wir Bildung fürs Leben finden in dem Bewußtsein und der Pflege des Pflichtgefühls. Wird nun bei jeder Schule Werth und Bedeutung ihres Wirkens erhöht, je mehr das Bewußtsein der Pflicht und die Schwere der Verantwortung den Zöglingen ein Sporn wird zu unermüdlichem Streben nach Vollkommenheit, so muß eine jüdische Anstalt, die durch Ausbildung von Lehrern noch dazu dem hohen Berufs der Jugendbilcung indirekt dient, der Hoheit und Heiligkeit ihrer Aufgabe, des Ernstes der an sie gestellten Forderungen umsomehr eingedenk sein, wenn sie diesem ihrem Berufe, wenn sie sich selbst gereckt werden will. Bildung fürs Leben heißt hier, Bildung im jüdischen Gesetze, Bildung in der Thora, und füiwahr die höchste Bildung, die der ganzen Menschheit als Ideal dienen kann, ist jene Thorabildung, die für alle Momente des innern und äußern Lebens, für alle Seiten des individuellen und Gefamnulebens den richtigen Maßstab zu geben allein geeignet erscheint. Der Unterricht im jüdischen Gest tze ist daher mben der allgemeinen Berufsbildung besonders geeignet, ein Leben M Rechts und der Pflicht, der Tugend und der Gerechtigkeit von dem an der Schnelle der Berufsausübung eines jüd schen JugendbilonerS Stehenden erwarten zu lassen. Daher hat der große, unvergeßliche sel. Gründer der iSrael. Lehrerbildungs-Anstalt, als er, einem fühlbaren Mangel abhelfend, ouf Veranlassung hoher Behörden unsere Anstalt ins Leben rief, dieses hohe Bll ungselement, das jüdische Pfl chkdewußtfein, auf die Fahne geschrieben. Und diesem Programme ihres Gründers ist unsere Anstalt brr auf den heutigen Tag treu geblreben, ohne auch nur in irgend welcher Art der speziellen Berufsbildung Eintrag zu thun. Darum wurde bei Einführung des obligatorischen Musikunterrichts, der unbedingt eine Kürzung des Unterrichts in den ReligionSdisc plinen erfordert hätte, die Anstalt in eine dretkulsige umgeändert resp. der Aufenthalt in derselben von zwei Jahren auf drei Jahre erhöht. Denn mehr als je ist es in unserer heutigen Zeit eine unabwendbare Forderung, daß der jüdische Lehrer, wenn er seiner hohen Aufgabe nur einigermaßen gerecht werden will, gerade in den jüdischen Disciplinen sich eine reiche Kenntniß verschafft und diele in organische Verbindung mit seinem Allgemeinwissen bringt, weil oer Lehrer besonders in kleinen Gemeinden, wenn er über einen Fonds jüdischen Wissens verfügt, nicht nur in der Schule, sondern auch im Verkehr mit den Gemeindezliedern auf deren religiöses Leben einen wohlthuenden Emflnß ausüben wird. Mit dem Schluffe des Schuljahres bestanden sieben Zöglinge die Austrittsprüfunq am kgl. Schullehrer-Seminar dahier mit gutem Erfolge und wurden in die Praxis entlaffen. Die Zahl aller feit dem Bestehen der Anstalt ausgebrldeten und in die Praxis entlassenen Schüler beträgt jetzt *98, die in den verschiedensten Gegenden Deutschlands und noch weiter hinaus segensreich wirken. Alljährlich wird von einem der geistlichen Mitglieder des Curatoriums Prüfung aus der ReligionSlitteratur abgehalten, die auch m diesem Jahre ein ganz günstiges Resultat lieferte. Bei Beginn des Schuljahres traten 9 Schüler in den I. Kurs, die Anstalt hatte im abgelausenen Schuljahre 27 Zöglinge. Von diesen erhielten 3 Schüler Unterricht, Wohnung, Beköstigung und ärztliche Behandlung in der Anstalt unentgeltlich, 3 bezahlten die Beköstigung ganz, 2. theitweise. Bei Beginn des laufenden Schuljahres meldeten sich zum Eintritt in den I. Kurs 2 Schüler aus der P äparandenschule zu Burgpreppach und 8 «US der zu Höchbergs welche auf Grund der bestandenen Schlußprüfung an ihren P äparandenschule« in die Anstalt ausgenommen wurden. Zwei Prrvalschüler unterzogen sich einer Aufnahmeprüfung, von denen einer die Prüfung für den II. Kurs bestand. Die eingegangenen Spenden im abgelausenen Jahre haben ein ganz befriedigendes Resultat ergeben. Es fei daher allenverehrten Spendern und Spenderinnen inniger herzlicher Dank ausgesprochen. Die Einnahmen betrugen Mark 22 885 und die Ausgaben Mark 20 579. Der Vermögensstand hat die Summe von Mark 93 355 erreicht. Hamburg. Herr Marcus Nord heim, der langjährige Vorsitzende der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, wurde dieser Tage hier zur ewrgen Ruhe bestattet. Es hatte sich in ver Brlla des Verstorbenen auf der Uhlenhorst ein außerordentlich zahlreiches Gefolge eingefunven, das ein beredtes Zeugniß ablegre, für die allgemeine Beliebtheit des Verewigten. Außer v elen Vertretern unserer ersten Handelsfirmen bemerkten wir den Gesammworstand der ^,Demsch-Jsr. Gemeinde," viele Vertreter von Wohlthätigkeits-Jnstitu-

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