Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 97 (7.12.1899)
- Date
- 1899-12-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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2020 stündlich. Sie lernten e» allmählich rennen, und wie sehr sie sich auch gegen dessen Aufnahme sträubten, ehe ein halbe- Jahrtausend abgelaufen war, war der Inhalt des Judenthums den herrschenden Völkern geläufig. Die griechische Uebersetzung war der erste Bote, den das Judenthum an die Heidenwelt ausgesandt hat, um sie von ihrer Verkehrtheit und Gottvergtffenheit zu heilen. Sie war der Mittler, welche die zwei einander gegenüberstehenden Weltanschauungen, die jüdische und hellenische, näher brachte. Durch die Verbreitung, welche die Uebersetzung später durch den zweiten Boten des Judenthums an die Heiden, das Christenlhum, erhielt, hat sie sich tief in die Denkweise und Sprache der Völker eingeprägt. Es gibt jetzt keine ausgebildete Sprache, welche nicht Vorstellungen und Worte vermittelst dieser Übersetzung aus dem jüdischen Schristthum ausgenommen hat. Andererseits aber trug sie auch zur Verkennung und Verkümmerung der jüdischen Lehre unwillkürlich bei und war gewiffermaßen ein falscher Prophet, der im Namen Gottes seine Jrrthümer verkündete. War eS schon an sich schwer, aus der hebräischen Sprache in die griechische, die so grundverschieden davon ist, zu übertragen, so kam noch der Umstand dazu, baß zu jener Zeit weder die hebräische Sprache, noch der Inhalt und die wahre Bedeutung der Thora so vollständig erkannt waren, daß die Uebersetzung den richtigen Sinn jedes Ausdrucks hätte nnedergeben können. Endlich war der griechische Text nicht so sehr überwacht, daß nicht der eine oder andere seine vermeintliche Verbesserung hätte hineinbringen können. Zudem kam diese Uebersetzung wahrscheinlich bei den Vorlesungen an Sabbü- und Feiertagen in Gebrauch, und es blieb dem Geschmacke, dem Verständmß oder auch der Willkür des Dolmetschers überlassen, Abänderungen zu treffen. Wie leicht konnte nicht ein Dolmetscher, der im Besitz einer Exemplars war, seine Uebersetzungsweise in den Text hineintragen! In der Thal wimmelt der griechische T«xt von solchen angebrachten Zusätzen und Besserungen, die später in der Zeit der Reibungen zw scheu Judenthum und Christenthum noch häufiger wurden, so daß die ursprüngliche Gestalt der Uebersetzung auS der gegenwärtigen Beschaffenheit des Textes nicht überall erkennbar ist. Nichts desto weniger glaubten die alixandrimschen Juden einige Menschenalter später so sehr an die Vollkommenheit dieser Uebersetzung, baß sie allmählich daS Original für entbehrlich hielten und sich auf ihren T»xt ganz allem verließen. Alle M ßvtrständniff', welche in die griechische Bibel durch UnKnntniß, Schwierigkeit, Übersetzungsfehler und willkürliche Zusätze hineingekommen waren, hielten sie für das Wort Gotte», und so lehrten sie später manche» im Namen des Judenthum», was ihm durchaus fremd oder entgegen ist. Mit einem Worte, alle Siege, welche das Judenthum über das gebildete Heidenthum gefeiert, und alle Verkennung, die es dadurch erfahren hat, verdankt es einzig und allein dieser.Uebersetzung. Wir haben diese Auffassung über die verschiedenen Folgen der griechischen Bibelübersetzung fast wörtlich der Grätz'schen Darstellung entnommen, um daran folgende Bemerkungen zu knüpfen. Wenn diese Darstellung auch den tiefen Kern der Sache nur kaum berührt, so giebt sie doch den beiden sich gegenseitig ausschließenden Strömungen, welche in dieser Uebersetzung eine Wohlthat oder ein Unglück erblickten, ziemlich objektiven Ausdruck. Von hohem Interesse aber bleibt es, denselben Historiker über eine ähnliche, mehr als zwei Jahrtausende spätere literarische Erscheinung zu vernehmen, und daraus unsere Schlüffe zu ziehen. Wir meinen die Mendclssohn'sche Bibelübersetzung und die Folgen, welche sich an diese Thatsache ganz in ähnlicher Weise knüpften. Der Einfluß dieser letzteren Uebersetzung macht sich noch heute in ganz fühlbarer Weise geltend. Sie bietet daher einen sehr geeigneten Maßstab zur Beurtheilung des Anlasses, dem der achte Tebeth seine besondere Markirung verdankt. Wir wollen uns auch für die Schilderung der Bedeutsamkeit dieser Mendelssohn'schen Uebersetzung an der Darstellung desselben Historikers halten und dann beide vergleichen, sodann aber die praktischen Consequenzen ziehen, die sich für uns daraus ergeben. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Eorrefporrderrzerr. Deutschland. Berlin, 5. Dez. Aus dem Bureau des Deutsch- Israelitischen Gcmeindebundes erhalten wir folgende Zuschrift: Die Interessenten werden darauf hingewiesen, daß die Vorlesungen für diejenigen akademisch gebildeten jüdischen Lehrer, die sich für Eriheilung des israelitischen Religionsunterrichtes vorbereiten wollen, für das akademische Jahr 1899/1900 in der „Lehranstalt für die Wlffenschast des Judenthums", hier SW. Lindenstraße 48/50 begonnen haben und unentgeltlich besucht werden können. Würzburg. Dem Rechenschafts-Bericht über die israelmsche Lehrerbilduungsanstalt in Würzburg für das fünfunddreißigste Jahr ihres Bestehens von Nathan Bamberger, Distrikts-Rabbiner und Vorstand der Anstalt, entnehmen wir: Soll das Ideal