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Der Israelit · 1899-12-07 · Heft 97 (7.12.1899) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 97 (7.12.1899)
Date
1899-12-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ML J-Hrg«ig. M »t Der Israelit. Ei« Aenlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum Begründet von Dr. fe^mimn in IStnitti Donnerstag, de» 7. Dezember 5660 (1899), Leitender Artikel. Zum achten Tebeth. i. Mainz, den 6. Dez. Unter den Tagen, an welche sich leidvolle Erlebnisse unserer Väter knüpfen, wird im Schulchan Aruch (Oruch Chajim Kap. 560) auch der achte Teweth genannt. npn nfli "iSöh 'tbn sranw mim nsns: mtos 'ns .L'L' Am achten Teweth wurde die Thora griechisch nied er ge schrieben in den Tagen des Königs Ptolomäus, und es war eine dreitägige Finsterniß in der Welt." ES handelt sich um die gefeierte, unter dem Namen Septuaginta bekannte griechische Uebersetzung der Thora, welche auf Geheiß des Königs Ptolomäus von 72 jüdischen Gelehrten besorgt wurde. Während nun diese Uebersetzung von unserer Ueberlieferung als nationales Unglück bezeichnet wird, wird sie von anderen als große Errungenschaft gefeiert. Josephus und später R. Asarja min Ha-Adomim berichten übereinstimmend von der Ehre und dem lichten Glanze, der für die Judenheit damals durch das Bekanntwerden der Thora aufging. Der Historiker erklärt sich diese Freude und jene Trauer leicht aus der Eigenart der bestehenden Zustände und Verhältnisse. Die Juden Alexandriens und Egyptens waren stolz darauf, daß die auf ihre Weisheit eingebildeten Griechen doch endlich einsehen mußten, um wie viel älter und erhabener die Weisheit des Judenthums sei, als die griechische Philosophie. Es schmeichelte ihnen sagen zu können: „seht da, Moses ist größer, denn Pythagoras und Plato." Nicht weniger mag der Umstand die freudige Stimmung erhöht haben, daß die Uebersetzung durch eifrige Theilnahme deS judenfreundlichen Königs zu Stande gekommen war, indem dadurch ein Weg zur Anerkennung des Judenthums unter den Griechen angebahnt schien. Kein Wunder also, wenn man den Tag, an welchem die Uebersetzung dem König überreicht wurde, festlich beging. Einen ganz anderen Eindruck mußte die Uebersetzung der Thora ins Griechische bei denjenigen Juden zur Folge haben, die sich von dem Griechenthum weniger beeinflussen ließen und lediglich die Thora selbst im Auge behielten. War ihnen schon das griechische Wesen wegen der vielen Leiden verhaßt, die es über die Nation und die Heiligthümer gebracht hatte, so mußte man dort in erster Reihe der Sorge Raum geben, daß der richtige Sinn der Thora durch die Uebertragung in die griechische Sprache entstellt und verkannt würde. Nur die hebräische Sprache, in welcher sich Gott am Sinai geoffenbart, schien ihnen ein würdiges Gefäß für den göttlichen Inhalt der Thora. In eine fremde Form gegossen, schien ihnen das Judenthum sich selbst entfremdet und entgöttlicht. Darum betrachtet sieden Tag der Uebersetzung, der den anderen ein Freudentag war, als einen nationalen Unglückstag, gleich jenem, an welchem das goldme Kalb in der Wüste dem Volke als Gott hingestellt worden war. Man hatte deßhalb sogar den achten Tebeth, an welchem die Uebersetzung vollendet war, als einen Fasttag eingesetzt. Eine solche entgegengesetzte Beurtheilung hat dieses Ereigniß erfahren. Ueberblickt man die Folgen, welche aus dieser griechischen Uebersetzung sich ergeben, so waren allerdings beide gerechtfertigt. Durch das griechische Gewand wurde das Judenthum allerdings den Griechen, den Trägern der Wellbildung, zugänglich und ver-

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