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Der Israelit · 1899-09-28 · Heft 76-77 (28.9.1899) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 76-77 (28.9.1899)
Date
1899-09-28
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1614 nun vollends das Sukkothfest! Wie mancher ist nicht in Verlegenheit, was er mit diesem Anfängen soll, das so unbequem seine bescheidene Hütte nahe bei den wirksamen „hohen Festtagen, an denen man den Gottesdienst besucht", aufbaut. Mit Recht weist der Midrasch darauf hin, daß es hier sich nicht, wie aus der Bühne um wirksame Steigerungen handelt. Das Freudenfest bildet kein Herabsteigen, nein! eine weitere Höhe, die wir vom Versöhnungstage aus zu erklimmen haben. Vergangenheit und Gegenwart sehen wir da unter dem Gottesschutze, auch ohne Kasteiung und Sterbekleid, umgeben von Zeichen der Freude, bleiben wir Gottesdiener; ja, selbst die bescheidenen Chol-hammoed-Tage werden an uns ausgezeichnet, der Hoschanarabo ist ein Buß- und Gerichtstag höchster Art — mit Recht darf Israel sagen: „Wir ehren Dich wahrhaft, denn wir bringen Dir in allen Gestaltungen dauernde Opfer." Und weiter wendet sich die Gemeinschaft Israels an Gott: 7.^ r^pn!? ';,Lw nrwe 7^ 7N2-: ri ncc* ■jn:x rustp. „Mögest Du nun unsere Feste noch vermehren, damit wir Dir weitere Opfer bringen, Dich fernerhin ehren, denn was Du Weiteres Deinem Volke verleihst, das dient zu Deiner Ehre." Ist das nach alledem nicht eine sonderbare Bitte? Würde man an den schon vorhandenen Festen es nicht bewenden lassen, und Israel verlangt davon noch mehr? Die Antwort darauf lautet: rvspn b-x rnre 7212 r^x rsis 2^' csn« -idhe *rx cm sve w cnc „So wahr Israel lebt! Ich vermindere Eure festlichen Tage nicht, sondern füge zu ihnen noch Versammlungszeiten hinzu, wie es heißt." Am achten Tage sei Euch ein Tag der Versammlung." Der Zusammenhang dieser Aeußerungen mit dem obigen Gedankengang läßt uns sowohl die Bitte Israels, als auch die Antwort Gottes durchsichtig erscheinen. v Der Fromme, der vom Feste scheidet, sieht die Alltäglichkeit herannahen, und wehmüthig möchte er die erhebenden Eindrücke in seinem Innern bewahren. Er fürchtet, mit der zeitlichen Entfernung von den eigenartigen Zeichen eines jeden Festes könnte auch die im Herzen geweckte Begeisterung für die Gottesnähe und das wohlgefällige Opfer schwinden. Der Feststrauß und die Hütte verlieren ihre Geltung, und immer mehr verlassen die willkommenen Gäste, die Mizwot des Sukkot, den ungern von ihnen scheidenden Israeliten. Da wünscht er von Gott dauernde, nicht vorübergehende Eindrücke, nicht um den Genuß, sondern die sittlichen Folgen der heiligen Zeit festzuhalten. Darauf antwortet Gott mit der Einsetzung des! Schemini Azeret. Wohl weilt man da noch in der Festeshütte, aber man kehrt zugleich in das Haus zurück, Gott begleitet gewissermaßen den treuen Bekenner an die gewohnte Stätte seiner Freuden zurück. In Deinem Hause suche den Ort der dauernden Gottesnähe, den Ort Deiner Freuden. Beherrscht Dich da nicht die Thora jeden Augenblick, dann find die Feste vergebens an Dich herangetreten. Der Festtag weicht, aber der Sabbat bleibt und mit ihm Gottesruhe, Belehrung, geistiger Aufschwung Freut Euch darum am Ausgang des Festes der ewigen Freundin, der Thora, laßt die Kinder herantreten und den Segen darüber sprechen, laßt sie im Festeszuge mit durch das Gotteshaus ziehen, und auf dem Grabeshügel des Moses pflanzet sofort das Banner der Schöpfung, des neuen Lebens auf. Israel kennt in seinem religiösen Leben keinen Winter, sein Gott ist kein Feiertagsgott, der etwa nur seltene Empfänge in seinem Tempel abhält, sein Glaube ist kein Feierlagsglaube, der nur das Festkleid trägt — der Schöpfer wirkt in als unser Vorbild von Tag zu Tag, er ruht als unser Vorbild am siebenten Tag, um uns darauf wieder zu neuer Thätigkeit zu wecken. So sei das Gotteshaus an keinem Tage verwaist, sei unser Haus an keinem Tage und in keinem Augenblick leer und entblößt von der Mizwa — dann überdauern wir Winter und Winterstürme j und bleiben unerschütterlich Israeliten, Kämpfer für Gott und seine Ziele. Zeitungsnachrichten und «Korrespondenzen. Deutschland. v. Heilvronn a. Am nn x;ytrn beging die hiesige Frau Babette Mayer ihren 90. Geburtstag. Frau Mayer ist in dem altehrwürdigen, durch seine frühere nrw bekannten Schwarzwalddorfe Mühringen geboren, war in Horkheim bei Heilbronn verheirathet und ist in den 70er Jahren mit ihren Söhnen, denen sie stets ein Gegenstand zarter Liebe und Aufmerksamkeit und religiöses Vorbild gewesen, hierher gezogen. Die Frau hat das seltene Glück körperlicher und geistiger Frische und war am jüngsten r' von Anfang bis Schluß des Gottesdienstes saftend in der Synagoge. Es ist einIVergnügen sich mit ihr über Judenthum zu unterhalten und sie mit leuchtenden Blicken Stückchen aus ihrem durch Leetüre in jw» nj’xs und Wanderen ^populären, jüdischen Schriften erworbenen Schatze auskramen zu hören; fast sämmtliche Gebete und Psalmen kann sie auswendig beten. Möge der ehrwürdigen Matrone noch eine Reihe gesunder Jahre beschieden sein!

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