Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 76-77 (28.9.1899)
- Date
- 1899-09-28
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XL. Hahrgarlg. U.WWWWWWU Zweite Beil. )n M 76 z- 77 des Jsruelit“. Leitend er Artikel. Festesnachklänge. Von Rabbiner Dr. L. A. Rosenftiel, Pr.-Stargard. Sollen wir von unseren Mitmenschen uns nur mit einem Thoraworte trennen, damit wir unter diesem Eindrücke in seiner Erinnerung bleiben, bedarf da der Abschied von den Festen nicht um so mehr einer abschließenden Betrachtung? Wie anders können wir den Segen der Feste mit uns tragen, als wenn wir unseres dauernden Verhältnisses zu ihnen bewußt werden? Der Tanchuma sagt in zu rtpn dvs Folgendes: dhjtö ',:b fr?1? 7^ rrspn nsjD mex panpo livnb u7jn. „Die Genreinschaft Israels spricht zu Gott: Herr der Welt, an Dir liegt es, uns Feste zu bestimmen, und an uns, vor Dir zu opfern", und zwar, wie bedeutungsvoll hinzugefügt wird 'wi:: rrump „geeignete, Gott wohlgefällige Opfer". Gewiß, da „Alles in Gottes Hand liegt, bis auf die Gottesfurcht", so wird der ewige Gesetzgeber uns wohl bis in's Einzelne die Bestimmungen vorschreiben, die uns zu seinem Dienste befähigen, die dabei zu unserem inneren Glücke führen. Und zu den wichtigsten Einrichtungen der Thora gehören die Feste mit ihren geschichtlichen Erinnerungen', mit ihren sittigenden Mahnungen, mit ihrem steten Hinweise auf das Wirken des Landmanns, so daß sie zugleich Erntefeste und ernste Gerichtstage sind. Wenn aber schriftliche und mündliche Thora noch so genau und eingehend die verschiedenen festlichen Eindrücke um uns ordnen — ihr heilsamer Einfluß auf uns kann nur von der Art und Weise herrühren, wie wir diese Heilmittel benutzen. Mit Recht weift der Midrasch darauf hin, daß unsere menschliche Eigenart nur daran erkannt werden kann, daß wir i'tns rusip 7^ psnpo „die geeigneten Opfer vor Gott darbringen." Ein Opfer setzt aber keinen Genuß, sondern eine Leistung, eine Hingabe des eigenen Willens an das Heilige voraus. Wer die Einrichtungen seines Glaubens nur von Seiten der Annehmlichkeit, des Genusses auffaßt (sauch unsere Betrachtung zu xn Gesetzesdeutung und Gesetzestreue) der wird dem Begriffe des Opfers nie Genüge leisten. Er wird sich sträuben gegen die in der Thora darüber enthaltenen Gesetze, sie werden ihm als etwas Unnützes und Fremdes erscheinen, trotzdem das Judenthum davon nicht zu trennen ist und sich bis zum heutigen Tage nur durch Opferfähigkeit erhalten kann. Tägliche Prüfungen treten in dieser Beziehung an uns heran, eine große Zahl irdischer Ziele und Ehren ist uns als Juden versagt, — nie würden Millionen von Menschen der angeborenen Ichsucht Schranken setzen und einem solchen Glauben treu bleiben, wenn sie nicht fähig wären, demselben Opfer zu bringen. Das spricht sich auch in der Einsetzung der israelitischen Feste aus. Wo wir ihnen in der Thora begegnen, sind sie verbunden mit Opfergaben. Und ein Fest soll doch den Menschen zu reinen Freuden bringen, soll ihn über das Gewöhnliche erheben und, wie man glauben könnte, völlig von allen Verbindlichkeiten und Lasten befreien. Das Judenthum kennt solche Freuden nicht und macht den Menschen nie von seinen Pflichten los, da ihn die Feste doch noch mehr zu deren dauernden Erfüllung anregen sollen. jhmj, so spricht Israel an genannter Midraschstelle weiter 7:2^ psnpo wx: wi vb nn: '13 -7 i:npn ncsn nru msi „Du wirst von uns dauernd verehrt; Du gabst uns Neumondstage — wir opfern vor Dir, Du gabst uns Pesach, Schobuot, Noschhaschana, Jomkippur — wir opferten Dir; am Sukkoth haben wir nicht einen ,Tag das Opfer Unterlasten." Wir sehen, so weit die heiligen Tage dem Begriffe von iw: unterliegen, bilden sie eine Einheit und sind nicht von einander zu trennen. Dem Genußmenschen werden Pesach und Schobuot Tage sein, die ihn zu Empfindeleien über das Erwachen der Frühlingspracht, über die Herrlichkeit der^Sonnenflur bringen — dem Opferwilligen sind sie mehr! Omer und Bikkurim versetzen ihn allerdings in die freie Gotteswelt, die er freudig als Gottes Schöpfung bewundern soll — aber sie unterwerfen den Ertrag der menschlichen Thätigkeit den Zielen des Höchsten. Die Befreiung aus dem Sklavenlande macht den Juden zum freien Diener Gottes, dessen Willen zu seinem und zu Aller Heile beschränkt wird durch die Thora des flammenden Sinai. Am Noschhaschana und Jomkippur mögen viele schwermüthige Rückblicke gehalten werden auf die Sterbefälle des vergangenen Jahres, auf die sonstigen Veränderungen, die es hervorgebracht hat — was will das Alles heißen den ersten Mahnungen gegenüber, welche diese Feste an den gesummten Menschenwillen richten, ihn über sich und seine Schwäche zu erheben und auf dem Grunde der Mizwa zu leiten in die Zukunft der Menschheit, die keine Redensart bleiben soll! Und