Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 76-77 (28.9.1899)
- Date
- 1899-09-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1606 kenner im Fruchtkern unter dem Vergrößerungsglase den ganzen zukünftigen Baum erblickt, so erging es dem in die Schrift sich versenkenden Geist der Alten mit dem ersten Bibelworte. Wenn der Psalmist sang -p-« 'übpö ^3 otosfri nox -;-i3-! px-i, so fanden sie darin eine Beziehung zum Eingangsworte der Schrift: Der Beginn deines Wortes enthalt schon die ganze Wahrheit und für die Ewigkeit sind darin vorgezeichnet alle deine herrlichen Rechte, denn nr>v tk' -pan, „schon an der Pforte deiner Worte schauen wir Licht." Daher begreifen wir, wenn in der besprochenen Stelle durch Buchstabendeutung ein Hinweis auf den Sabbat gefunden wird a^yn x-äj rav ni3?3. Der Gedanke, in dem so recht das Ziel der Schöpfungsgeschichte gipfelt, daß der Sabbat im Plan desMeltbaues berücksichtigt und von Gott selbst durch Emstellung der Schöpferthätigkeit geweiht ward, ist also hier angedeutet. Wie die Sabbatidee eine der leitenden Grundgedanken der biblischen Schöpfungsgeschichte ist, und durch sinnreiche Schriftauslegung schon aus dem ersten Thoraworte herausgelesen wird, so werden auch die anderen großen Wahrheiten der jüdischen Weltauffaffung als schon in den Eingangsworten der Bibel enthalten angesehen. Das geschieht auch mit der so deutlich im weiteren Schöpfungsbericht ausgesprochenen Erkenntniß, daß oer Mensch die Krone der Geschöpfe ist. Um des Menschen (jriwn — a“:x) willen hat Gott die Welt geschaffen x^>x xnaa e^yn px b-ixh ^3B>3. Sehr charakteristisch ist die weitere Ausspinnung de» Gedanken»; der Mensch, wie Gott ihn schaffen wollte, sei Abraham, auf ihn blickte Gott und schuf die Welt. Die Wett hat eben ihren Zweck in der Verwirklichung des Gesetzes durch die Gerechten. Auch das Sittlichkeilsideal, dem der Mensch hinieden nachzustreben habe, ist in dem Worte enthalten; denn sinnig wird darauf aufmerksam gemacht, wie das Siegel Gottes „die Wahrheit", welche der Thora, dem Offenbarungskosmos und der Welt, dem Schöpfungskomos aufgeprägt ist, sich schon in den ersten drei Worten findet rrvmz apbx x*a. Die bezeichnten Buchstaben ergeben nax. (Dies besingt der Selichotdichter ,n:vn bw aiy -p-irr "pma re*i "nx cpSx nax, um die Reihenfolge der Endbuchstaben zu gewinnen, zieht er dar Wörtchen nx hinzu. Seine weiteren Ausführungen cbivb nyb a’siaa bwi non na'n 'via cm nw moj nax noM werben durch den Umstand verständlich, daß aus Endbuchstaben von je drei Worten des 1. Capitels sich sechsmal das Wort «sx bilden läßt: 1) jviwns ap^x x*ia, 2) rix apte xm, 3) rix apbx x*w, 4) xw nx opto 5) nx ap^x xii, 6) nmb ap^x x*c. Nach a'ron byo steht damit das Lmalige nvx in om nax in Zusammenhang.) So ist dem Menschen mit dem ersten Bibelwort seine Aufgabe vorgezeichnet nostn pxo nax. „Wahrheit sprieße aus der Erde!" Dieser weltfreudige Thorageist, der sich in den wiederholten Worten, „Gott sah, daß es gut war," so kraftvoll ausspricht, findet sich schon sinnbildlich angedeutet in den Initialen der Thora; denn mit 3 dem Anfangsbuchstaben des Wortes na*o Segen fängt die Thora ihren Bericht an und meidet den Anfangsbuchstaben des Alphabets zum Eingang, weil nnx Fluch mit x beginnt. Auch sonst wird viel Sinniges über den Thoraanfang mit 3 gesagt. Nach Tanchuma liegt darin der Hinweis auf die zwei Welten, die eine zur Arbeit, die andere zum Empfange des Lohnes. Rein ermahnenden Charakters ist die schöne Bemerkung Simon b. Afais, fbie eine innige Aufforderung zur Demuth enthält: Irdische Künstler stellen ihren Werken stets ihren Namen voran, während Gott als Vorbild der Bescheidenheit dem xna seinen heiligen Namen folgen läßt “jriw „und diese foemuty will uns erziehen!" Dieser Gedanke ist im Midrasch Rabba in einer etwas andern Form ausgesprochen. „Die sterblichen Fürsten, nennen sich schon Könige ihres Reiches, ehe sie ihrem Lande durch schätzenswerthe Einrichtungen genutzt haben. Gott hingegen sorgt zuerst für das Wohl seiner Geschöpfe, dann rühmt er sich als Herr." Das Bild der jüdischen Weltanschauung, wie es uns schon die drei Eingangsworte der Schrift zeichnen, enthält auch den für das Judenthnm so charakteristischen Zug optimistischen Frohsinnes. Zum Schluß gestatte der freundliche Leser uns noch ein Wort. Wir wissen sehr wohl, daß alle diejenigen, welche empfindungslos sind gegen die Eigenart der religiösen Gedankenwelt, in ihrer einseitigen Vorliebe für das Matte und Platte, die Geistesperlen dieser gemüthvollen Schriftauslegung für unbedeutende Träumereien ansehen und diejenigen nicht für wissenschaftlich vollwerthig halten, die sich gern in dieses Traumleben versenken. Wer eben immer noch religiöse Thaisachenbeftände mit der logischen Schematisirungsfucht des 18. Jahrhunderts behandelt und nicht begreift, daß religiöse Geistesprodukte weder vom Gesichtspunkte philologischer Akribie, noch schulphilosophischer Dialektik zu betrachten sind, der wird der agadischen Literatur nie gerecht werden können. 332 pi axi NH pi 13x^ '3 „Es ist fürwahr keine leere Sache und wenn sie euch leer erscheint, so liegt es an euch!" Was der große deutsche Dichter, dessen Andenken kürzlich in allen Gauen des Vaterlandes gefeiert wurde, geschrieben hat, ist auch hier das Rechte: „Wer den Dichter will verstehen, muß in Dichters Lande gehen, Wer die Dichtung will verstehen, muß ins Land der Dichtung gehn." Als Motto aber für die begeisterte Thoraliebe,